City: Anrainerparkplätze ohne Anrainer

In der City protestieren Betriebe gegen die neuen Anrainerparkplätze in der Gauermanngasse. Laut Wirtschaftskammer gibt es überall in Wien Beschwerden. Den Bezirken zufolge werden die Anrainerplätze gut angenommen.

„Es ist vollkommen grotesk. Die Gasse ist vollkommen leer, niemand parkt hier“, sagt Ernst Minar, Inhaber der Fitnessstudio-Kette John Harris. Eines seiner Studios ist in dem Grätzl untergebracht. „In der Gauermanngasse wohnt aber niemand, wozu braucht man dann Anrainerparkplätze?“, fragt Minar. Neben dem Fitnesstudio befinden sich in der Gasse noch die deutsche Botschaft, die Akademie der bildenden Künste und eine Anwaltskanzlei.

Leere Gasse
Privat
Die Anrainerparkplätze in der Gauermanngasse, 2. Juli, 21.00 Uhr

Laut dem Büro von Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (ÖVP) sind bereits alle geplanten Anrainerparkplätze in der Inneren Stadt eingerichtet, dies sind zum jetzigen Stand 1.500 - mehr dazu in City: 700 weitere Anrainerparkplätze. Wo die Parkplätze entstehen, wurde genau geprüft und erarbeitet, sagt eine Sprecherin der Bezirksvorsteherin. Die Letztentscheidung treffen der Bezirk und die zuständige MA 46.

Zur konkreten Beschwerde in der Gauermanngasse wollte die Sprecherin gegenüber wien.ORF.at nichts sagen. „Wir können die Beschwerden an einer Hand abzählen, bei 1.600 Parkplätzen (die es bis zum Ende des Jahres sein sollen, Anm.). Der Aufwand hat sich zu 100 Prozent gelohnt, die Zufriedenheit ist groß“, so die Sprecherin. Es sei aus Platzgründen nicht immer möglich, direkt vor allen Häusern, in denen Wohnungen sind, Parkplätze zu schaffen. Außerdem gebe es Tageszeiten, zu denen die Plätze nicht ausgelastet seien, so die Sprecherin. Der Bezirk habe auch Ausnahmen gemacht. So gebe es etwa auf Hauptgeschäftsstraßen keine Parkplätze.

WK: Beschwerden aus allen Bereichen

Beschwerden gegen die Anrainerparkplätze kamen - nicht nur im ersten Bezirk - von Gastronomen und Betrieben, die um ihre Kunden fürchteten. Auch Lieferanten und Handwerker klagen laut Wirtschaftskammer (WK) Probleme.

Die WK bekomme Beschwerden von Seiten der Gastronomie, dem Handel und dem Handwerk- und Transportgewerbe, es ziehe sich durch alle Bereiche. „Es gibt laufend Probleme. Lieferanten und Kunden können nicht mal kurz dort stehen bleiben. Vor kurzem hatten wir eine Beschwerde von einem Installateur, der nicht direkt vor dem Haus parken konnte, sondern 300 Meter weiter weg. Von dort musste er die Geräte tragen, er wäre in fünf Minuten mit seiner Arbeit fertig gewesen", sagt ein Sprecher der WK.

Gauermanngasse
ORF / Laura Schrettl
Die Anrainerparkplätze in der Gauermanngasse, 7. Juli, 9.00 Uhr

Laut der WK muss es eine Lösung geben damit Kunden, Lieferanten, Handwerker und ansässige Betriebe diese Parkplätze auch nützen können. „Es gibt Beobachtungen, dass Anrainerparkplätze untertags kaum genützt werden. Es fällt überall in Wien auf, dass der Großteil der Anrainerparkplätze leer steht", sagt der Sprecher. Ebenso gab es Kritik an der Kennzeichnung - mehr dazu in Kritik an Anrainerparkplatz-Kennzeichnung.

Bezirksvorsteher berichten von zufriedenen Bürgern

In Wien gibt es derzeit über 3.200 Anrainerparkplätze in den Bezirken Innere Stadt, Leopoldstadt, Wieden, Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund. Im Bezirk Neubau gibt es bereits 300 Anrainerparkplätze, im Herbst kommen 300 weitere in der Wimbergergasse dazu. „Gerade in diesem Bereich wohnen sehr viele Leute und dort sind nur wenige Geschäfte, ganz anders als am Spittelberg", sagt die stellvertretende Bezirksvorsteherin Gertrude Brindlmayer.

„Uns sind kaum Beschwerden bekannt, unsere Erfahrung deckt sich hier mit dem ersten Bezirk, die Anrainerparkplätze werden sehr gut angenommen, die Akzeptanz ist überwältigend. Bei jeder Maßnahme, die getroffen wird, gibt es Beschwerden“, sagt Brindlmayer.

„Parksheriffs müssen hinter der Ecke warten“

Erich Minar in der Gauermanngasse befürchtet jedoch, dass er Kunden verliert. „Sie kreisen jetzt lange, bis sie einen Parkplatz finden.“ Er berichtet auch davon, dass Lieferanten schnell gestraft werden, wenn sie für ein paar Minuten auf den neuen Parkplätzen stehen. „Ich weiß nicht, ob das ein Grund ist, warum diese Plätze so eingerichtet wurden. Die Parksheriffs müssen ja hinter der Ecke warten“, sagt Minar. Er legte jetzt Beschwerde beim Magistrat und beim Bezirk ein.

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