„Pizzeria Anarchia“: Die Lehren der Polizei

1.400 Polizisten für letztlich 19 Hausbesetzer: Die Räumung der „Pizzeria Anarchia“ vor einem Jahr kostet dem Steuerzahler wie berichtet viel Geld. Doch die Polizei hat aus dem ausufernden Einsatz auch ihre Lehren gezogen.

Hubschrauber, Tretgitter, die WEGA und sogar ein Räumpanzer: Laut Wiener Exekutive beteiligten sich vor rund einem Jahr 1.300 bis 1.400 Beamte an dem Einsatz zur Räumung des Hauses in der Mühlfeldgasse. Das Großaufgebot an Beamten hatte auf kommunalpolitischer Ebene für Debatten gesorgt, war aber auch Gegenstand einer Parlamentarischen Anfrage der Grünen an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP).

1.400 Polizisten

268 der 1.400 Polizisten wurden für die Räumung aus den Bundesländern abkommandiert. 33 wurden aus dem Burgenland, 80 aus Niederösterreich, 62 aus Oberösterreich, 31 aus Salzburg und 62 aus der Steiermark herangezogen.

Aus heutiger Sicht sieht Johann Golob, Sprecher der Wiener Polizei, vor allem ein Problem: Die Wiener Exekutive sei nicht in der Lage gewesen, die Gründe für ihre Vorgangsweise in Echtzeit zu kommunizieren. Man habe allfällige Solidaritätsaktionen in anderen städtischen Bereichen befürchtet, wie es auch beim Akademikerball rund ein halbes Jahr davor der Fall gewesen sei. Deshalb sei ein so großes Aufgebot an Polizisten zusammengestellt worden.

Arbeiter am Dienstag, 29. Juli 2014, im Rahmen von Aufräumarbeiten im Haus Mühlfeldgasse 12 in Wien- Leopoldstadt
APA/Herbert Neubauer
Haus Mühlfeldgasse 12 vor mehr als einem Jahr

Kommunikation via Twitter

Nicht zuletzt wegen der Räumung der Pizzeria sei die Wiener Exekutive nun auf Twitter präsent und könne Maßnahmen in Echtzeit erläutern. Was man auch gelernt habe, ist das Abrücken vom Dogma, über die Größe des Aufgebots an Beamten im Vorfeld keine Angaben zu machen. Das habe man früher getan, um das „Gegenüber“ im Unklaren zu lassen, mit wie vielen Polizisten sie es zu tun haben. „Wir müssen solche Issues, die wahrscheinlich im Vorfeld auftreten, proaktiv ansprechen“, sagte Golob.

Haus Mühlfeldgasse 12 in Wien-Leopoldstadt
APA/Roland Schlager
Haus Mühlfeldgasse 12 mit neuer Fassade

Haus in Mühlfeldgasse wird saniert

Die Mieter der Mühlfeldgasse wurden in den Tagen nach der Räumung delogiert. Die Bauarbeiten am Objekt sind voll im Gange, die Fassade ist mittlerweile erneuert. Das Gebäude wurde außerdem um zwei Etagen aufgestockt. Derzeit geht es um den Innenausbau. „Wenn es um Spekulation geht, hat sie sich voll ausgezahlt“, meinte ein Passant zur APA.

„Pizzeria Anarchia“: Staat bleibt auf Kosten sitzen

Nach der Räumung der besetzten „Pizzeria Anarchia“ in der Leopoldstadt im Vorjahr wird das Innenministerium kein Geld von den Hausbesitzern fordern. Der Einsatz mit über 1.400 Polizisten kostete 870.000 Euro - mehr dazu in „Pizzeria Anarchia“: Staat bleibt auf Kosten sitzen.

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