Große Hilfsbereitschaft auf Westbahnhof

Deutlich weniger Flüchtlinge sind am Dienstag auf dem Westbahnhof eingetroffen. Die Hilfsbereitschaft war aber weiterhin sehr groß. Auch in den nächsten Tagen könnten Flüchtlinge kommen. Die Hilfe wurde daher strukturiert.

Bis 17.00 Uhr kamen acht Züge aus Budapest in Wien an. Laut Polizeisprecher Roman Hahslinger erreichten am Dienstag 150 Flüchtlinge den Westbahnhof. „Von diesen Personen hat niemand einen Asylantrag gestellt“, sagte Hahslinger. Nur eine Handvoll Polizisten waren auf dem Westbahnhof anwesend. „Sie stehen dort, falls jemand einen Asylantrag stellen will“, so Hahslinger.

Viel zahlreicher erschienen freiwillige Helfer. „Die Zivilgesellschaft leistet Enormes“, sagte Alexander Bodmann, Caritas-Generalsekretär der Erzdiözese Wien. Das sei ein wirklich schönes Zeichen. „Die absolute Auslastungsspitze wird es heute nicht mehr geben“, sagte ÖBB-Sprecher Michael Braun. Er erwartete, dass sich die Zahl der Flüchtlinge „auf hohem Niveau“ einpendeln werde - nicht zuletzt, weil Ungarn die Kartenkontingente für die Züge nach Österreich beschränkt hat.

Flüchtlinge: Reportage vom Westbahnhof

Viele Freiwillige haben den Flüchtlingen eine Jause und Sanitärartikel gebracht. Die ÖBB boten ihnen bis zur Weiterfahrt einen Schlafplatz an.

Provisorische Anlaufstelle eingerichtet

Aktivisten hatten am Montagabend in einer aufgelassenen Gepäckablage beim Bahnsteig eins eine Anlaufstelle für Flüchtlinge eingerichtet, bei der die Ankommenden erstversorgt werden. „Neben Essen und Trinken ist vor allem Babynahrung sehr gefragt“, sagte Helferin Cathy Schneider. Die Hilfsgüter wurden seit Montagabend von unzähligen privaten Spendern spontan zur Verfügung gestellt. Die Nacht verbrachten die Flüchtlingen in bereitgestellten Räumlichkeiten der ÖBB. „Viele haben aber auf dem Bahnsteig geschlafen, weil sie Angst hatten, den Zug zu verpassen“, sagte Schneider - mehr dazu in 3.650 Flüchtlinge im Westbahnhof.

Helferin Susie war mit ihren beiden Kindern bei der Erstaufnahmestelle. „Ich habe fast mein ganzes Taschengeld ausgegeben und Spielsachen gekauft“, sagte der neunjährige Pauli. Die zweieinhalbjährige Leni saß im Kinderwagen, der voller Spenden war. „Die Kinder brauchen auch Beschäftigung“, sagte Susie. Pauli und Leni gaben den Flüchtlingskindern Kuscheltiere und diverse weitere Spielsachen. Dienstagnachmittag hieß es dann seitens der Caritas, die mittlerweile auch die Koordination der Hilfsmaßnahmen übernahm, es würden derzeit keine Spenden mehr auf dem Westbahnhof benötigt. Ab dem Abend sollen in einem leerstehenden Bürogebäude neben dem Westbahnhof auch Feldbetten aufgestellt werden, sagte Bodmann.

Einsatzzentrale eingerichtet

Am Abend wurde auch eine Einsatzzentrale mit Vertretern der ÖBB, Polizei, Caritas und Rettung eingerichtet. Bei der Besprechung wurden Grundsätze festgelegt, „jede Organisation weiß, was ihre Aufgabe ist“. Die Schlüsselrolle bleibe weiterhin gemeinsam bei „Wiener Polizei und ÖBB“, sagte der Wiener Flüchtlingskoordinator Hacker. Künftig soll die Verkehrsleitzentrale der Bundesbahnen auch von Vertretern der Polizei besetzt werden, um „Frühinformationen zu monitoren“, erklärte Hacker.

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Reportage vom Westbahnhof von Florian Sekira

Fast alle wollen weiter

Für viele war auch am Dienstag der Westbahnhof lediglich eine Zwischenstation auf ihrem Weg nach Deutschland. „Ich habe Verwandte in Deutschland, zu denen möchte ich“, sagte ein Flüchtling. Die Migranten wurden von mehrsprachigen, eigens von den ÖBB abgestellten Mitarbeitern zu den entsprechenden Zügen gebracht. Unter ihnen auch der Marokkaner Khalid, der seit 20 Jahren im Kundendienst für die ÖBB arbeitet: „Ich muss mit ihnen Hocharabisch sprechen, sonst verstehen sie mich nicht“, sagte er. Er informierte auf Deutsch, Arabisch, Französisch und Englisch über die Abfahrtszeiten der Züge nach Deutschland.

Nur ein kleiner Teil der Menschen wollte in Wien bleiben. „Ich möchte hier bleiben und meine Kinder und meinen Mann später zu mir holen, damit sie eine Ausbildung machen können“, sagte eine Frau aus Syrien, deren Ehemann nach eigenen Angaben vom Regime mit dem Tode bedroht wird.

Kreislaufschwäsche, Übermüdung, Fieber

Immer wieder wurde die Rettung benötigt. Kurz nach 10.00 Uhr wurde etwa ein Kleinkind aus einem aus Ungarn kommenden Zug geholt, das unter hohem Fieber litt. Andere Personen klagten vor allem über Kreislaufschwäche und Übermüdung.

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