„Haus der Geschichte“ in Neuer Burg

Ein „ambitionierter“ Eröffnungstermin, geklärte Fragen zu Organisation und der Sammlung Alter Musikinstrumente: Das „Haus der Geschichte“ in der Hofburg nimmt nun konkrete Formen an.

Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) und Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) sehen das „Haus der Geschichte“ als einen Baustein in einem Gesamtkonzept für den Heldenplatz mit der Errichtung einer Tiefgarage und eines Tiefenspeichers und in einem engen Zusammenhang mit der Übersiedlung des Parlaments in die Redoutensäle.

In einem ersten Schritt habe man sich über die Raumaufteilung in der neuen Burg geeinigt, sagte Ostermayer: Es sei so, „dass das ‚Haus der Geschichte‘ im ersten Obergeschoß, wo auch der berühmte Balkon ist, der mit einbezogen werden soll, errichtet werden kann und gleichzeitig die Sammlung alter Musikinstrumente zum Teil im ersten Obergeschoß, zum Teil im Mezzanin neu aufgestellt werden soll“. Das „Haus der Geschichte“ soll eine Publikumsfläche von 3.000 Quadratmetern inklusive der Stiegenhausflächen umfassen.

Heldenplatz Neue Burg
APA/Georg Hochmuth
Hier soll das „Haus der Geschichte“ beheimatet sein

„Haus der Zukunft“ nicht vom Tisch

Auch ein „Haus der Zukunft“ am Heldenplatz ist nicht vom Tisch, Mahrer sieht seinen Vorschlag keineswegs als Gegensatz zum „Haus der Geschichte“: „Und daher sind beide Fragen berechtigt und beide unmittelbar miteinander verbunden, nämlich: Wir müssen uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen, um eine Debatte über die Grundfragen ‚Wie wollen und wie können wir leben in der Zukunft?‘ zu führen“ - mehr dazu in ÖVP für „Haus der Zukunft“ am Heldenplatz.

Mahrer hält an seiner Idee eines „Future’s Corner“ als „Begegnungszone mit der Zukunft“ weiter fest, allerdings mit einem weiten Zeithorizont um das Jahr 2020. Auch der Zeithistoriker Oliver Rathkolb, Leiter des wissenschaftlichen Beirats, betonte, der erste Schritt sei die Etablierung eines „Haus der Geschichte“ in der Neuen Burg. Die zweite Etappe wäre eine Weiterentwicklung des Heldenplatzes auch Richtung Parlament. Dafür sei auch ein Neubau eine von mehreren Optionen.

Eröffnung zum 100-jährigen Republiksjubiläum

Organisatorisch soll das „Haus der Geschichte“ an die Nationalbibliothek angedockt werden, allerdings mit eigener inhaltlicher Verantwortung, eigenem Budget und Direktor. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt bei der Geschichte der Republik, - mehr dazu in „Haus der Geschichte“: Konzept von Rathkolb - also ab 1918, deshalb auch der Plan bis zum Republiksjubiläum 2018 fertig werden zu wollen. Ostermayer: „Dieses Ziel ist extrem ambitioniert, der Zeitrahmen ist extrem knapp, aber anstreben werden wir es, und die Energien werden wir aufbringen, um dieses Ziel zu erreichen.“

Zur Energie muss auch Geld kommen: In den nächsten Wochen sollen Kostenschätzungen erstellt werden, um das Projekt budgetär abzusichern. Ab 2018 soll dann im „Haus der Geschichte“ folgendes zu sehen sein: „Konzentriert österreichische Geschichte, immer unter dem Tenor, der These, dass wir aus der Geschichte lernen können und aus der Geschichte lernen müssen“, so Ostermayer.

Demokratie, Krieg und Identität als zentrale Themen

Als Schnittstelle zwischen dem „Haus der Geschichte“, den Kooperationspartnern, der wissenschaftlichen Forschung und dem Publikum soll ein „Geschichtsforum“ dienen. Inhaltlich geht es um Demokratie, Krieg und Identität. Themen wie „Woher kommen die ÖstereicherInnen?“ oder „Identitäten und Symbole“ sollen behandelt werden. Die Vorgeschichte der gegenwärtigen österreichischen Gesellschaft soll im Kontext der jeweiligen europäischen und internationalen Entwicklungen beleuchtet werden.

„Haus der Geschichte“

Die gesamte Umsetzungsstrategie im Detail können Sie hier downloaden.

Acht „Perspektiven“ sollen die Auswirkungen dieser Umbrüche auf die österreichische Gesellschaft zeigen. Sie werden in der knapp 100 Seiten starken Umsetzungsstrategie für das „Haus der Geschichte“ beispielsweise formuliert als „Österreichische Erinnerungsorte - HeldInnen, Mythen, Schlüsselereignisse und ihre ‚Leerstellen‘ in der europäischen Perspektive“ oder „Migration als Triebfeser und Konfliktpunkt der österreichischen Gesellschaft“.

Offene Fragen bleiben

Viele Fragen, etwa die der künstlerischen Gestaltung, des Balkons zum Heldenplatz, von dem am 15. März 1938 Adolf Hitler den Anschluss Österreichs an Deutschland verkündete, blieben aber noch offen. Die Steuerungsgrupe soll am 14. September das nächste Mal tagen.

Entscheidung stößt auf breite Kritik

„Nur um ein Prestigeprojekt der SPÖ durchzupeitschen, wäre ein Haus der Geschichte am Standort Neue Burg nicht verantwortbar“, meinte FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz. Durch das neue Projekt werde das Weltmuseum beschnitten und die Sammlung alter Musikinstrumente „verräumt“. Außerdem sei zu befürchten, dass diese weltweit einzigartige Sammlung bei der Umsiedelung „großen Schaden nehmen wird“.

„Das Konzept ist zwar nicht neu, es ist auch nicht schlecht, lässt aber zu viele Fragen offen“, sagte der grüne Kultursprecher Walter Zinggl. Das Raum-und Ideenkonzept sei „im Wesentlichen das von Claudia Haas aus dem Jahr 2008“. Inhaltlich können sich die Grünen in weiten Strecken mit dem Konzept identifizieren, sie kritisieren vor allem einen jahrelangen, intransparenten Diskussionsprozess und noch fehlende Kostenschätzungen.

Von einer „vergebenen Chance“ sprach NEOS-Kultursprecherin Beate Meinl-Reisinger: „Die Sparversion eines Haus der Geschichte auf nur 3000 Quadratmetern in der historisch aufgeladenen Hofburg ist eine bittere Entscheidung und unterstreicht die Perspektivlosigkeit österreichischer Kulturpolitik.“

Schon seit Jahren im Gespräch

Die Standortfrage für das „Haus der Geschichte“ wurde heftig diskutiert. Das Kunsthistorische Museum (KHM) hatte Bedenken, ob in der Neuen Burg genug Platz sei - und suchte nach einer Lösung - mehr dazu in Platzfrage von „Haus der Geschichte“ ungelöst und in Hitzige Debatte über „Haus der Geschichte“.

Am 12. Oktober werden 14 Museumsexperten in einer Enquete über den Sinn des geplanten Museums diskutieren - mehr dazu in Sinn des „Hauses der Geschichte“ wird diskutiert. Der Anlauf für das „Haus der Geschichte“ dauerte viele Jahre. Die Idee dazu hatte 1998 Leon Zelman, Leiter des Jewish Welcome Service, der sich eigentlich für ein „Haus der Toleranz“ im Palais Epstein aussprach - mehr dazu in „Haus der Geschichte“: Anlauf über fast zwei Jahrzehnte.

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