Hauptbahnhof: Hilfe in privater Hand

Am Hauptbahnhof kümmern sich Privatpersonen als Organisation „Train of Hope“ ehrenamtlich um die Betreuung der Flüchtlinge. Die Kooperation mit NGOs, ÖBB und Behörden funktioniert gut. Es werden aber noch Helfer benötigt.

„Ich habe Füße gesehen, die sieben Tage lang in nassen Schuhen unterwegs waren und dementsprechend ausgeschaut haben. Ich habe Menschen gesehen, die alle Bänder am Knie gerissen gehabt haben und trotzdem weitergegangen sind“, erzählte eine Krankenschwester am Freitag beim Lazarett im Hauptbahnhof gegenüber Radio Wien.

In der Nacht auf Freitag wurde das Lazarett vom Bahnsteig in eine Halle übersiedelt. Es befindet sich auf der dem Bezirk Favoriten zugewandten Seite. Aktuell werden dort ehrenamtlich Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger sowie Dolmetscher gesucht.

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Radio-Wien-Interview mit Krankenschwester Tamara

Aktuelle Fotos vom Wiener Hauptbahnhof

Warme Kleidung und Decken benötigt

Laut Ashley Winkler von „Train of Hope“ werden auch noch Spenden benötigt. „Warme Kleidung, warme Decken, Wasser, Obst - das wird immer gebraucht“ - mehr dazu in Flüchtlinge: Welche Spenden werden benötigt?

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Interview mit Trains-of-Hope-Koordinatorin Ashley Winkler

Das Gebiet am Ostende des Hauptbahnhofs wurde komplett von den „Train of Hope“-Helfern in Beschlag genommen. Unter der Schienenstrecke am Ende der Rolltreppen zu den Bahnsteigen ist ebenerdig die Essensausgabe zu finden. Auf der Seite Richtung Schweizer Garten ist in einer noch nicht fertiggestellten Fahrradgarage des neuen Bahnhofs eine Notschlafstelle mit 130 Betten untergebracht, die von der Caritas betreut wird.

Hauptbahnhof als Dreh- und Angelpunkt

Auf dem Gehsteig davor stehen mehrere Partyzelte, unter anderem für die Sachspendenannahme sowie ein Kleider- und ein Lebensmittellager. „Die Räumlichkeiten rund um die Eingangshalle Ost und der dazugehörige Vorplatz wurden ‚Train of Hope‘ von uns zur Verfügung gestellt“, erläuterte ÖBB-Sprecher Michael Braun. „Wir haben am Hauptbahnhof kein größeres Haus so wie am Westbahnhof zur Verfügung.“ Die Station sei aber derzeit wegen der ICE-Verbindungen nach Passau und Frankfurt ein wichtiger Dreh-und Angelpunkt.

„Die Flüchtlinge bleiben für maximal 24 Stunden hier“, erzählt ein Caritas-Helfer im Notquartier mit Blick auf die Großbaustellen rund um den Hauptbahnhof. Am Freitagvormittag sind nach seinen Angaben auf den 130 Feldbetten vor allem Menschen aus Syrien und Libyen untergebracht, die auf Anschlusszüge warten. „Vor ein paar Tagen war hier richtig die Hölle los“, sagt der Helfer, aber auch diese Nacht war die Schlafstelle voll.

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Radio-Wien-Interview mit Caritas-Mitarbeiter Thomas Preindl

Große Hilfsbereitschaft bei Nachbarn

Privatpersonen bieten Übersetzerdienste und medizinische Hilfe an, an Ort und Stelle wird über Walkie-Talkies kommuniziert. „Das Team, das hier hilft, ist sehr gut vernetzt, dennoch ist die Frage, ob es nicht eigentlich Aufgabe vom Staat sein müsste, das zu bewältigen und sinnvoll und menschenwürdig mit Flüchtlingen umzugehen“, betont ein Helfer. Da das „offensichtlich nicht passiert“, sei nichts tun auch keine Lösung. „Deswegen ist das hier entstanden.“

„Wir bitten die Leute, dass sie uns vor allem vegetarisches Essen bringen, weil dann das Problem mit Halal nicht besteht. Kochen können wir hier im Moment leider nicht, wir haben aber Kontakt zu Privatpersonen, die in der Umgebung wohnen, wo wir Essen aufwärmen können.“ Organisationen bringen warmes Essen in großen Töpfen vorbei, Unternehmen spenden laufend Lebensmittel und Mineralwasser. Privatpersonen aus der näheren Umgebung hätten sogar angeboten, dass Flüchtlinge bei ihnen duschen können.

„Die Hilfe funktioniert seit zwei Wochen sehr gut“, betont der Helfer. Hunderte Menschen wurden vom „Train of Hope“-Team und den ständig wechselnden privaten Helfern seither betreut. „Es ist echt unglaublich großartig, hier zu arbeiten“, erzählt der junge Mann am Ende des Rundgangs durch den Bahnhofsabschnitt. „Es ist von allen hier eine Herzensangelegenheit, zu helfen.“

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