NHM zeigt Entwicklung des Menschen

Im Naturhistorischen Museum (NHM) wurden die prähistorischen Schausäle renoviert und neu gestaltet. Vom Objekten aus der 7.000-jährigen Geschichte des Hallstätter Salzabbaus bis zum zweitältesten Goldfund der Welt reichen die gezeigten Funde.

Das Museum will an Hand von Originalfunden die menschliche Entwicklung von der Eiszeit bis an das Ende des Frühmittelalters zeigen. „Das Spannende ist, dass wir hier Objekte haben, die zu den ältesten kunstgeschichtlichen Werken gehören“, sagte NHM-Direktor Christian Köberl. Die Neugestaltung war notwendig, da die letzte Generalsanierung bereits mehr als 45 Jahre zurück lag, wie der Direktor der Prähistorischen Abteilung des NHM, Anton Kern, am Dienstag erklärte.

Koons Werk in Eingangshalle

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Menschen beginnt bereits in der Eingangshalle des Museums, wo bis März 2016 mit der „Balloon Venus (Orange)“ des Künstlers Jeff Koons eine moderne, durch die weltbekannte „Venus von Willendorf“ inspirierte Skulptur steht.

Sein die Umgebung reflektierendes Kunstwerk im historischen Ambiente des NHM zu sehen, ist für den zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart zählenden US-Amerikaner „sehr beeindruckend“, wie er erklärte. Räumlich trennen Koons’ Interpretation und das Original zwar nur Treppen und ein Gang, nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen liegen zwischen den Skulpturen aber etwa 29.500 Jahre. Die „Venus von Willendorf“ hat ein eigenes Kabinett gewidmet bekommen, das sie mit der Figur „Fanny von Stratzing“ teilt - mehr dazu in „Venus von Willendorf“ in neuer Heimat.

Interaktive Zeitreise via Großbildschirm

In drei großen Schausälen und zwei Kabinetten werden prähistorische Objekte wie etwa Goldscheiben, die vorher im Tresor lagen, oder eine eiserne Druidenkrone neu in Szene gesetzt. Multimedia-Stationen sollen das Ganze auflockern. So können Besucherinnen und Besucher etwa ein Foto von sich als Neandertaler anfertigen lassen und dann per E-Mail verschicken. Ein Großbildschirm ermöglicht eine interaktive Zeitreise ab der Gründung Roms bis zur Babenbergerzeit, dem Ende des Frühmittelalters in Österreich.

Mode-Morphing-Bild
NHM
Die Besucherinnen und Besucher können eine Zeitreise machen

30.000 Jahre alte Siedlungsreste

Neben dem Kabinett der „Venus von Willendorf“ stehen ungefähr 30.000 Jahre alte Siedlungsreste auf dem Kranawetberg bei Grub an der March oder die frühsten Hinweise auf Ackerbau auf dem Gebiet des heutigen Österreich aus Brunn am Gebirge (beides Niederösterreich) im Mittelpunkt. Einen Einblick in die bronzezeitliche Schmiedkunst gibt etwa der zwischen 1.600 und 1.300 Jahre v. Chr. gefertigte „Prunkdolch von Maierdorf“ bei Wr. Neustadt. In die Welt der steinzeitlichen Pfahlbauten im Salzkammergut kann man beispielsweise mit Hilfe eines großen Displays eintauchen.

Ganz im Zeichen Salzgewinnung und des Gräberfeldes in Hallstatt steht Saal 12. Vor etwa 7.000 Jahren begannen Menschen dort mit dem Salzabbau. Durch die konservierende Wirkung des Salzes bleiben im Berg auch organische Materialien erhalten, was den dort seit Jahrzehnten forschenden Wissenschaftern des NHM einzigartige Einblicke in die Lebensbedingungen der Bergleute in einer der ältesten Industrieregionen der Welt ermöglicht. Neben dem Bergwerk steht auch das prähistorische Hallstätter Gräberfeld, mit seinen zahlreichen Fundstücken aus den rund 1.500 freigelegten Gräbern im Mittelpunkt.

Eindrücke aus der schriftlosen Zeit

Auf den langen Weg in Richtung Mittelalter kann man sich im letzten der drei Säle begeben. Hier findet sich mit der vor etwa 330 bis 150 v. Chr. gefertigten eisernen Druidenkrone der einzige keltische Zeremonial-Kopfschmuck, der außerhalb der britischen Inseln gefunden wurde. Eindrücke aus der schriftlosen Zeit vermitteln auch Bilderszenen auf Bronze-Gegenständen aus dem ersten Jahrtausend v. Chr. Den Endpunkt der in der Schau abgedeckten Epochen stellt der Beginn der Babenbergerzeit in Österreich dar.

Ein „Extrazimmer“ wurde für Funde aus einem Material eingerichtet, das seit Jahrtausenden im Denken und Handeln der Menschen einen besonderen Stellenwert hat. Die meisten Stücke im neuen „Goldkabinett“ hatten die Forscher bisher aus Sicherheitsgründen im Tresor verwahrt, nun sind die bedeutenden Funde zum Teil zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zu sehen, betonte Kern. Die wertvollsten Stücke sind zwei Scheiben aus dem Depotfund von Stollhof. Sie wurden bereits im vierten Jahrtausend v. Chr. aus Südeuropa ins heutige Niederösterreich importiert. Ältere Goldarbeiten wurden nur in Warna (Bulgarien) gefunden.

Die meisten prähistorischen Goldobjekte in dem Kabinett stammen aus dem Osten der früheren Donaumonarchie. Woher das Material kam, aus dem der 2005 in der Nähe des Hallstätter Sees gefundene „Goldschatz vom Arikogel“ stammt, können die Forscher noch nicht genau sagen. Man vermute aber auch hier den Ursprung im heutigen Siebenbürgen, erklärte Kern. Die 14 Schmuckstücke wiegen zusammen etwa ein halbes Kilogramm. Vergleichbare Stücke wurden bisher nur in Westungarn und Kroatien gefunden.

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