Wien Museum: Internationalisierung und Sex

Der neue Direktor des Wien Museums, Matti Bunzl, will zusätzliche Schwerpunkte setzen. Die Internationalisierung des Hauses soll weiter forciert werden. Bei den Ausstellungen stehen der Prater und Sex auf dem Programm.

Bunzl, der auf Langzeit-Hausherr Wolfgang Kos folgt, trat exakt am Tag des Amtsantritts vor die Öffentlichkeit. Wobei er seinem Vorgänger zunächst Rosen streute. Von diesem, so versicherte er, habe er „unendlich viel“ gelernt. Darum sehe er auch keinen Bedarf an großen Änderungen, vielleicht werde es aber „neue Ecken und Kanten“ geben. Er freue sich jedenfalls auf die neue Aufgabe: „Manche sagen, dass ich zu begeisterungsfähig, zu enthusiastisch bin. Aber wenn ich sage, etwas ist großartig, dann glaube ich das.“

Matti Bunzl Wien Museum
APA/HERBERT PFARRHOFER

Virgilkapelle wird wiedereröffnet

Bevor der neue Manager am Karlsplatz ins Ausstellungsjahr 2016 startet, erfolgt ein Comeback: Die Virgilkapelle, einer der laut Wien Museum größten mittelalterlichen Innenräume, wird wieder eröffnet. Der Sakralbau beim Stephansdom ist aus konservatorischen Gründen seit 2008 geschlossen. Ab 12. Dezember wird das 800 Jahre alte Exponat wieder öffentlich zugänglich sein - samt einer kleinen Dauerausstellung zum mittelalterlichen Wien.

Zu den Highlights im kommenden Jahr wird laut Bunzl eine große Prater-Ausstellung im Frühjahr gehören. Sie beleuchtet die 250-jährige Geschichte des prominenten Wiener Freizeitareals, das Erholungsgebiet, Weltausstellungsheimat und Vergnügungspark gleichermaßen war bzw. ist. Auch eine Sozialgeschichte der Kopfbedeckungen sowie eine Schau mit Fotografien des Grafikers und Journalisten Robert Haas sind im Ausstellungs-Line-Up zu finden.

Im Herbst geht es dann um nichts geringeres als eine „Konstante des menschlichen Daseins“, wie es in der Ankündigung heißt. Die Arbeits-Überschrift der Schau lautet „Sex“, auch wenn dies nicht der endgültige Titel sein werde, wie Bunzl heute einschränkte. Angekündigt ist eine Kulturgeschichte der Sexualität in Wien. „Hold on to your seats, das wird eine Wahnsinnsausstellung“, versprühte der neue Chef schon heute Vorfreude.

Diskussionsveranstaltungen starten

Ganz aktuell hat das Wien Museum auf die Flüchtlingskrise reagiert. Vor dem Eingang wurde eine kleine Präsentation zum Thema Asyl in Wien installiert. Dies sei Teil des Bestrebens, das Haus, das in den kommenden Jahren erweitert und umgebaut wird, als Ort des Diskurses und „Labor der Zivilgesellschaft“ zu positionieren. Und auch die Internationalisierung will Matti Bunzl forcieren: „Es geht darum, Wien im globalen Kontext zu zeigen.“

Matti Bunzl Wien Museum
APA/HERBERT PFARRHOFER
Bunzl (re.) erhielt die Schlüssel für das Museum von Mailath-Pokorny

So sind in den kommenden Wochen etwa Diskussionsveranstaltungen mit dem Historiker Pieter Judson oder auch dem prominenten Holocaust-Forscher Timothy Snyder angesetzt. Neu besetzt wurde auch der wissenschaftliche Beirat - dem nun Pieter Judson vorsitzt. Am 1. Dezember startet zudem das Format „2 x 45 Minuten“, bei dem jeweils über zwei Themen diskutiert wird. Zum Auftakt sind dies Antisemitismus und Islamophobie.

Umbau ab 2017

Zur Amtsübernahme bekam Bunzl heute einen großen Schlüsselbund von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) überreicht. Diesen wird er jedoch in den kommenden Jahr ergänzen müssen: Denn das Wien Museum wird am bestehenden Standort umgebaut und erweitert. Derzeit läuft dazu ein Architekturwettbewerb. Das Ergebnis der Jurysitzung wird im November verkündet, wie Mailath-Pokorny heute ankündigte.

Das Wien Museum wird dann nach dem Spatenstich, der für 2017 anvisiert ist, voraussichtlich bis 2020 geschlossen. Was in dieser Zeit geschieht, das wird noch erörtert. Bunzl skizzierte zwei Möglichkeiten - also etwa ein fixes Ausweichquartier für die Sammlung oder eine „Tour“ des Wien Museums durch die Stadt. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Ein Gespräch mit dem neuen Direktor über die Aufgaben eines Museums, dass „die Stadt als globalen Ort versteht“, die Installation „Asyl-Raum“ und Wiens weltweit führende Rolle in der Geschichte der Sexualität hören Sie hier - mehr dazu in oe1.ORF.at.

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