Flüchtlingshelfer brauchen Hilfe

„Wir sitzen in emotionaler Geiselhaft“: Mit diesem Appell haben sich am Freitag die freiwilligen Flüchtlingshelfer aus dem Ferry-Dusika-Stadion an die Öffentlichkeit gewandt. Es fehlt an Unterstützung von offizieller Seite.

Die freiwillig Engagierten im Flüchtlingsquartier Ferry-Dusika-Stadion stoßen an ihre Grenzen. Seit drei Monaten kümmern sie sich um die Asylsuchenden. 750 Menschen sind dort seit Wochen untergebracht. Aus dem Transitquartier wurde eine Dauerunterkunft. Auf Facebook machten die Helfer ihrem Ärger Luft.

„Wir warten schon zu lange darauf, dass Aufgabenbereiche, die freiwillige Helfer übernommen haben, wirklich von Leuten übernommen werden, die das machen sollten. Das betrifft Rechtsberatung, Ärztedienste, das betrifft so vieles“, so Johannes Falter, einer der freiwilligen Helfer gegenüber „Wien heute“.

Ferry Dusika Stadion
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Der Arbeitersamariterbund will nun Personal aufstocken

„Wir können nicht einfach weggehen“

Der Arbeitersamariterbund leitet die Hilfe im Ferry-Dusika-Stadion. Den Helfern ist man dankbar und für das Posting hat man durchaus Verständnis. Am kommenden Montag wird das Personal aufgestockt, verspricht die Einsatzorganisation.

Die Situation verbessern will auch Flüchtlingskoordinator Peter Hacker. Er verfolgt die Diskussion im Ferry-Dusika-Stadion schon länger: „Oft hat es schon Gespräche gegeben mit der Gruppe, die das dort betreibt. Wir haben gesagt: Ihr braucht ja gar nicht die Verantwortung für den gesamten Betrieb haben. Aber sie wollten die Verantwortung haben. Und das geht dann bis zu einem bestimmten Punkt und dann irgendwann bricht das emotional zusammen“, so Hacker.

„Emotionale Geiselhaft“ nennen die Freiwilligen die Situation. Die Schicksale der Flüchtenden würden sie nicht loslassen. „Wir wollen, dass es diesen Menschen gut geht. Deswegen können wir nicht einfach weggehen. Aber wir sind auch schon sehr erschöpft“, so Johannes Falter.

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750 Menschen sind im Ferry-Dusika-Stadion untergebracht

Stockbetten statt Matratzenlager

In einem nächsten Schritt organisiert der Arbeitersamariterbund jetzt psychologische Betreuung für die Helfer. Auch für die Flüchtlinge wird es im Ferry-Dusika-Stadion langsam besser. Die Lieferung von 450 Stockbetten soll dem Matratzenlager ein Ende setzen.

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