Kapelle unter Stephansplatz wieder zugänglich

Sieben Jahre war die unterirdische Virgilkapelle bei der U-Bahnstation Stephansplatz wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Ab Samstag ist sie wieder für die Öffentlichkeit zugänglich - samt kleiner Schau zu Wien im Mittelalter.

Über Jahrhunderte war der sechs Mal zehn Meter große Sakralraum zugeschüttet, im Zuge des U-Bahnbaus wurde die Virgilkapelle 1973 wiederentdeckt und für Besucher geöffnet. Doch die Feuchtigkeit setzte den Wänden zu. 2008 musste die Kapelle geschlossen werden. Eine Klimaanlage soll jetzt die Schimmel- und Moosbildung verhindern.

„Ein Team von Restauratorinnen und Restauratoren hat herausgefunden, dass man ein ganz stabiles Raumklima hier braucht, das betrifft eine Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent. Wenn die eingehalten wird, dann kristallisieren diese Salze nicht aus und die Wandmalereien können so möglichst lange erhalten werden“, sagt Kuratorin Michaela Kronberger gegenüber „Wien heute“.

Ungelöste Rätsel im Inneren

Die Bedeutung der Wandmalereien ist noch heute ein großes Rätsel. „In jeder der sechs ursprünglichen Nischen hat man ein großes Radkreuz eingebracht. Zu welchem Zweck das gemacht wurde, liegt leider im Dunkel der Geschichte“, sagt Kronberger.

Die Virgilkapelle wurde um 1220 erbaut und konnte nur über das darüber liegende Magdalenenkirchlein durch eine Falltür betreten werden. Die elf Meter hohe Krypta diente anfangs einer reichen Kaufmannsfamilie als Andachtsraum, später trafen sich hier Bruderschaften.

Am Wochenende kostenloser Besuch möglich

Ab 12. Dezember wird das 800 Jahre alte Exponat, einer der laut Wien Museum größten mittelalterlichen Innenräume, wieder eröffnet - samt einer kleinen Dauerausstellung zum mittelalterlichen Wien.

„Das Ganze ist in sechs Stationen aufgeteilt, wo man über Religion, Bildung und Alltagsleben einen kompakten Überblick bekommen kann. Wir haben uns sehr große Mühe gemacht, aus einem sehr großen Fundus an Objekten, das Zarteste, Kleinste und Kostbarste auszusuchen, das man auf so einem kleinen Raum präsentieren kann“, sagt Kronberger.

300.000 Euro hat das Wien Museum in die Umgestaltung der Virgilkapelle investiert. Zwölf Meter unter dem Niveau des Stephansplatzes ist auch ein neuer Veranstaltungsraum entstanden. Geplant sind Gottesdienste aber auch Lesungen und Konzerte. Dieses Wochenende kann die Virgilkapelle erstmals bei freiem Eintritt betreten werden. Danach kostet das Erwachsenen-Ticket fünf Euro.

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