Czernohorszky startet als Stadtschulratspräsident

Am Donnerstag wird Jürgen Czernohorszky (SPÖ) offiziell als neuer Wiener Stadtschulratspräsident bestellt. Im „Wien heute“-Interview spricht er über seine „Herausforderung“ Gesamtschule und seine ungewisse politische Zukunft.

Die Gesamtschule in ganz Wien, wie es im Koalitionsabkommen der rot-grünen Stadtregierung steht, wird vorerst wohl warten müssen. In der Bildungsreform ist die Zahl mit 15 Prozent eines Schultyps begrenzt. Noch gibt es Luft nach oben, erst acht Gymnasien und 17 Hauptschulen und Neue Mittelschulen sind bis jetzt umgestellt. Auch über die Kosten wird wohl noch verhandelt werden, denn seitens des Bundes heißt es: Wer eine Modellregion will, muss sie selbst finanzieren.

Für Czernohorszky hat die Gesamtschule in Wien dennoch Zukunft: „Die ersten Schritte sind jetzt möglich. Was wir wollen, ist, dass jedes Kind in Wien nicht mit neuneinhalb Jahren eine Lebensentscheidung treffen muss, die den weiteren Bildungsverlauf vorzeichnet, sondern dass das gemeinsame Lernen, das jedes Kind aus der Volksschule kennt, in der Mittelstufe weitergeht“ - mehr dazu in Gegen Ungerechtigkeit im Bildungssystem (wien.ORF.at; 1.12.2015).

Jürgen Czernohorszky
ORF
Jürgen Czernohorszky (SPÖ) im „Wien heute“-Studio

15-Prozent-Begrenzung als Chance

Für Czernohorszky sind 15 Prozent besser als null Prozent. „Es ist jetzt eine Tür die aufgeht, wir werden durchgehen und wir werden jede Möglichkeit, die wir bekommen, ergreifen.“ Mit der Gesamtschule soll auch die Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen verhindert werden. „In meiner Schule wird kein Kind unter Druck gesetzt. Kinder können sich frei entfalten, individuell lernen und dabei gestärkt werden. Insofern ist Schule ein Hort der Aufklärung.“ Dieser Wert ist für Czernohorszky nicht infrage zu stellen. „Wenn Kindern die Möglichkeit genommen wird, sich frei zu entfalten, dann haben derjenige oder diejenigen ein Problem mit mir.“

Um Radikalisierung zu verhindern, setzt er auch auf den Ausbau der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Sie sollen ein Handwerkszeug erhalten, um mit Kindern, Jugendlichen und Eltern an dementsprechenden Problemen zu arbeiten. „Am Ende ist es oft eine Beziehungsarbeit - so wie alles in der Schule. Das werden wir weiter verstärken“, so Czernohorszky.

Wird Czernohorszky auch Bildungsdirektor?

Geht es nach der Bildungsreform des Bundes ist das Amt des Stadtschulratspräsidenten schon Ende nächsten Jahres Geschichte. Geplant sei ein Bildungsdirektor statt Stadtschulrat. An der Umsetzung wird man wohl noch feilen müssen, sagen Insider, vor allem an den Rechten und Pflichten. Ob Czernohorszky künftig Bildungsdirektor von Wien wird, ist noch offen. „Die Zukunft kann ich nicht sagen“, so Czernohorszky.

Er sieht seine Arbeit als Wiener Stadtschulratspräsident als große Herausforderung. „Wir wollen eine Schule, die jedes Kind mitnimmt und nicht Bildung vererbt und wir wollen eine Bildung, die begeistert. Da brauchen wir eine Schulverwaltung, die Partnerin ist. Das ist sicher eine Herausforderung für uns, diese Schulverwaltung neu aufzustellen. Dafür bin ich da“. Wie lange? „Das weiß ich nicht“, so Czernohorszky.

Brandsteidl wechselt ins Bildungsministerium

Die scheidende Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) wechselt laut „Kurier“ in das Bildungsministerium. Ihr genauer Aufgabenbereich sei noch nicht definiert, hieß es aus dem Ministerium - mehr dazu in Neuer Job für Susanne Brandsteidl wien.ORF.at; 3.12.2015).

Links:

Werbung X