Wiener gibt Flüchtlingen ein Gesicht

Als Ende August erste Flüchtlinge mit Zügen den Westbahnhof erreichen, ist er der erste, der auf den Auslöser drückt: Götz Schrage begleitet seitdem mit der Kamera Kinder, Frauen und Männer auf ihrem Leben in einem neuen Land.

„Das war reines Jagdfieber am Angang, ohne große Empathie. Ich habe das Wort ‚Zivilgesellschaft‘ bis August gar nicht gekannt. Jetzt hört man das ständig. Aber ich sag mal, was es so an Potenzial gibt der helfenden Menschen, der warmen Herzen, dass ist einfach eine schöne Erfahrung. Und das ist auch sicher ansteckend“, sagt Schrage in der „Wien heute“-Rubrik „Menschen hinter den Schlagzeilen“.

Sendungshinweis:

Wien heute, 3.1.2016, 19.00 Uhr, ORF2

Was am Westbahnhof begann, prägt auch Monate später noch das Leben des Fotografen, der eigentlich Sportfotograf ist. Täglich verbringt er Stunden in der Notunterkunft im „Kurier-Haus“ - mehr dazu in Flüchtlinge zogen in ehemaliges „Kurier“-Haus: „Wie es halt aufgesperrt hat, bin ich halt hergekommen und hab gesagt: ‚Hier bin ich. Wo kann ich helfen?‘“.

Schicksale der Menschen berühren Schrage

Es sind die Schicksale der ankommenden Flüchtlingen, die ihn vom ersten Moment an packen, ihn zu einem Verbündeten der Ankommenden machen: „Es war am Anfang eine professionelle Idee, aber ich habe schon am ersten Tag festgestellt und auch gesagt, dass ich daran nichts verdienen will“, so Schrage. Er spendet jeden Cent seiner Fotohonorare.

Sein Einsatz endet nicht als Fotograf. Im „Kurier-Haus“ greift er ein, organisiert Ärzte, stellt sich als Türsteher vor den Behandlungsraum. Er kommt in Kontakt mit den Flüchtlingen, kümmert sich vor allem um Frauen, die alleine mit ihren Kindern unterwegs sind.

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dort wo ich Flüchtlinge unterbringe, alles einen Schritt nach vorne macht, auch in den Familien. Es werden Ehen gerettet, es werden Depressionen geheilt, eigentlich sollte man die Flüchtlinge von der Gebietskrankenkasse zugewiesen bekommen“, sagt Schrage.

Götz Schrage
ORF
Götz Schrage beim Fotografieren im ehemaligen Kurier-Haus in Neubau

„2016 wird Jahr der Kommunikation“

Für das neue Jahr ist sich Schrage sicher, dass noch mehr Flüchtlinge kommen werden. Ein Problem sieht er darin nicht, auch nicht in der Frage der Unterbringung. Seiner Meinung nach liegt die besondere Herausforderung darin, mit den Menschen, die Angst und Sorgen haben, ins Gespräch zu kommen: „2016 ist die Herausforderung der Kommunikation und des Suchens der Nähe“, so Schrage.

Wiener gibt Flüchtlingen ein Gesicht

Fotograf Götz Schrage erzählt, warum er der erste war, der die Flüchtlinge am Westbahnhof auf Fotos festgehalten hat.

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