Bessere Betreuung von Flüchtlingen gefordert

Die Bundesjugendvertretung fordert eine bessere Unterbringung und Betreuung für junge Flüchtlinge. Die derzeitige Situation widerspreche den Kinderrechten. In der Kritik steht auch das Quartier in Erdberg.

Junge Flüchtlinge hätten in Österreich große Probleme, seien aber auch optimistisch, sagte Vorsitzende Laura Schoch am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Sie berief sich dabei auf eine von der Bundesjugendvertretung in Auftrag gegebene Untersuchung. Unzufrieden sind die Jugendlichen laut der Befragung mit ihrer Wohnsituation.

Keine Privatsphäre und Ausbildung

Im Erstaufnahmezentren Traiskirchen und der großen Unterkunft in Wien-Erdberg lebt demnach fast die Hälfte der Jugendlichen in Zimmern, die von mehr als acht Personen bewohnt werden. In Erstaufnahmezentren und Notquartieren fehle es insbesondere an Privatsphäre, Beschäftigungsmöglichkeiten und Lernmaterialien, während die Ausstattung in den Einrichtungen speziell für Jugendliche am besten sei, erklärte Eva Zeglovits von IFES.

Etwas mehr als die Hälfte gab an, weder eine Schule noch eine Lehre oder sonstige Ausbildung zu besuchen. Knapp ein Viertel hat noch nie einen Deutschkurs gemacht. Es brauche unbedingt einen frühzeitigen und flächendeckenden Zugang zu Bildung, forderte Schoch. Zu einer Verbesserung der Unterbringungssituation würde auch die Erhöhung der Tagsätze für junge Flüchtlinge auf das Niveau für österreichische Jugendliche, die in Einrichtungen untergebracht sind, führen - also von rund 90 auf 140 Euro.

„Kinderrechte gelten für alle“

Dass österreichische Jugendliche und Flüchtlinge unterschiedlich behandelt werden, sieht Schoch nicht ein. Die in der Verfassung verankerten Kinderrechte „gelten für alle“, betonte sie. Änderungen wünscht sich Schoch auch bei der Altersfeststellung - die derzeitigen medizinischen Methoden seien „fragwürdig“. Die aktuelle Verschärfung der Regeln zum Familienzuzug stößt bei Schoch auf Unverständnis: Solche Gesetze seien verantwortlich für die tausenden verschwundenen jungen Flüchtlinge in Europa, meinte sie.

Neben fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten sieht die Bundesjugendvertretung auch die finanzielle Situation der jungen Flüchtlinge als Problem: Sechs von zehn müssten mit 40 Euro Taschengeld im Monat auskommen - eine Monatskarte der Wiener Linien koste rund 48 Euro, erinnerte Schoch. In die Diskussion über gratis Öffi-Tickets für Flüchtlinge müsse „etwas schneller Bewegung“ kommen, forderte sie - mehr dazu in Ministerium prüft Monatskarte für Flüchtlinge.

Stadt Wien betont Verbesserungen

Der Fonds Soziales Wien betonte am Mittwoch, dass sich die Bedingungen für junge Flüchtlinge in der Unterkunft in Erdberg verbessert hätten. Die in der Studie kritisierten Umstände seien mit der Übernahme durch die Stadt Wien beseitigt worden.

Das ehemalige Bundesbetreuungszentrum in Wien-Erdberg sei mit Anfang Dezember 2015 von der Stadt Wien übernommen und der Vertrag mit der Betreuungsfirma ORS beendet worden, erklärte ein Sprecher des FSW. Seither wird das Quartier vom Wiener Samariterbund und der Caritas betrieben.

„Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge wurden kontinuierlich in kleinere Quartiere mit adäquater Betreuung übersiedelt“, der Standort werde in eine Familienunterkunft umgewandelt. „Aktuell werden unter verbesserten Bedingungen noch rund 30 unbegleitete Minderjährige in der ehemaligen Zollamtsschule betreut, die im Frühjahr in eine Einrichtung des Samariterbundes umziehen werden“, kündigte der Sprecher an.

Studie nicht repräsentativ

Für die explorative Studie befragte IFES zwischen 22. November und 10. Dezember vergangenen Jahres 66 Jugendliche, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Österreich gekommen waren, zu ihrer Lebenssituation.

Repräsentativ ist die Studie nicht, so liegt ein deutlicher Schwerpunkt auf dem Osten Österreichs, auch sind jene, die in großen Unterkünften leben, überrepräsentiert. Fast zwei Drittel der Befragten kommen aus Afghanistan, 88 Prozent der Interviewten sind Burschen. Der genaue rechtliche Status - ob Asylwerber, anerkannte Flüchtlinge oder subsidiär Schutzberechtigte - wurde nicht abgefragt.

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