Letzte Fahrt zum Schrotthändler

Früher haben sich in Wien ausgemusterte Straßenbahnen noch auf den Weg nach Osteuropa gemacht. Heute endet die buchstäblich letzte Fahrt alter Straßenbahngarnituren in Wien oder Niederösterreich - und da beim Schrotthändler.

17 Wiener Straßenbahnen treten heuer ihre letzte Fahrt an. Sie führt nach einem Zwischenstopp in der Werkstatt der Wiener Linien direkt zum Schrotthändler. Fanden früher viele Straßenbahnen vom Typ E1 noch Verwendung bei osteuropäischen Verkehrsbetrieben, so setzen mittlerweile auch diese auf Barrierefreiheit und moderne Technik.

Zum Ersatzteillieferanten degradiert

Die bei den Wiener Linien ausgemusterten Straßenbahnen werden aber nicht einfach verschrottet. Sie dienen zunächst noch als Ersatzteilspender. In der Hauptwerkstätte Simmering werden die rund 40 Jahre alten Garnituren ausgeschlachtet. 86 Straßenbahnen vom Typ E1 sind in Wien noch unterwegs. Ersatzteile zu kaufen gibt es keine mehr.

Daher schlachten die Wiener Linien alte Straßenbahnen aus. Die Liste an brauchbaren Ersatzteilen ist lang: „Teilweise Sitze, die Vollsitzplatten, die gibt es relativ wenig und die sind sehr teuer“, sagt Horst Bruckner, Wagenbau-Vorarbeiter bei den Wiener Linien. Auch Haltegriffe und Heizlüfter werden ausgebaut. Wirklich wertvoll sind aber die elektronischen Teile, die auch noch weiter verwendet werden können.

Wenn der Bim die Uhr schlägt

17 Wiener Straßenbahnen haben heuer endgütlig ausgedient. Sie dienen als zuerst als Ersatzteilspender und werden dann verschrottet.

Lager auch für ausgefallene Wünsche

Aufbewahrt werden die Teile im Zentrallager. Dort wird nicht nur für das Unternehmen gesammelt, sondern auch für Privatkunden, die manchmal mit ganz besonderen Wünschen an die Wiener Linien herantreten: „Wir haben letztens die Anfrage gehabt, der wollte eine komplette Falttür, komplett, also zwei Türen, und wollte sie zuhause einbauen - wie? Keine Ahnung, das weiß ich nicht“, erzählt Bruckner.

Einmal von allen wiederverwertbaren Ausstattungsteilen befreit, wartet auf die Straßenbahn nur noch der Schrottplatz. Ein Kran hebt die rund acht Tonnen schwere Straßenbahn darauf und die letzte Fahrt zum Schrottplatz nach Laxenburg kann beginnen.

Zentrallager Wiener Linien
ORF
Das Zentrallager der Wiener Linien in Simmering

Schrottpreis „ein Euro“

Dort angekommen, wird nicht lange gefackelt: Zwei Mehrschalengreifer reißen die alte Straßenbahn in Stücke. Die Teile werden in einem Schredder zerkleinert, die Metalle herausgefiltert. Sie sollen später wiederverwertet werden. „Diese Bim ist nicht einmal einen Euro für uns mehr wert in Summe. Weil derzeit der Schrottpreis so tief ist, dass wir damit gerade die Transport- und Aufbereitungskosten abdecken können“, sagt Schrotthändler Andreas Nowak.

Links:

Werbung X