„Fast Food“: Essen auf Fahrrädern

Mehrere tausend Mahlzeiten werden in Wien pro Monat mit dem Fahrrad zugestellt. Allein für die Firma Foodora sind 150 Fahrradboten unterwegs. Leistbar und umsetzbar ist dieser Trend vor allem in den Innenstadtbezirken.

Ein Fahrradfahrer mit einer pinken Box am Rücken oder am Gepäckträger flitzt die Straße hinunter. Immer mehr prägen sie das Wiener Stadtbild - zumindest in den Bezirken innerhalb des Gürtels. Die Foodora-Lieferanten stellen per Fahrrad Essen von Restaurants zu, die keinen eigenen Lieferservice haben. Foodora setzt bei der Auswahl auf „lokale und vegane Lokale, die modern sind“, so Laura Sänger, die PR-Managerin.

„Man muss kein totaler Fahrradfetischist sein“

Seit Juni 2015 gibt es Foodora in Wien. 150 Restaurants befinden sich in der Liste, aus der online ausgewählt werden kann. Allerdings werden für den eigenen Standort immer nur jene Restaurants angezeigt, die sich höchstens zwei Kilometer entfernt befinden.

„Es gibt derzeit 150 Fahrer in Wien. Sie sind vorwiegend jung und studieren. Man muss kein totaler Fahrradfetischist sein, um bei Foodora arbeiten zu können“, so Sänger. Es wurde eine eigene App programmiert, die immer jenem Fahrer den Auftrag zuteilt, der sich am nächsten befindet.

Foodora
Moritz Janssen
150 Fahrradfahrer stellen für Foodora Essen zu

Drei bis sieben Stunden dauert eine Schicht

In einer Stunde sind maximal zwei Lieferungen möglich. „Wir haben die Prämisse 30 Minuten Lieferzeit “, so Sänger. Damit soll es schneller als mit dem Auto gehen, weil Räder flexibler im Verkehr sind und die Parkplatzsuche erspart bleibt. Durchschnittlich 15 Kilometer legen die Fahrer in einer Stunde zurück, vier Stunden dauert eine Schicht meistens, so Sänger. „Man muss nicht sportlich sein, sondern vor allem motiviert.“

Das Foodora-Konzept wurde 2014 in München entwickelt. Mittlerweile ist das Unternehmen in zehn Ländern und insgesamt 25 Städten aktiv.

„Die ersten zwei Wochen waren die Hölle, weil es so anstrengend war. Mittlerweile geht es. Drei-Stunden-Schichten sind angenehm, Sieben-Stunden-Schichten noch immer kräftezehrend“, so ein Mitarbeiter, der seit über zwei Monaten bei Foodora arbeitet, gegenüber wien.ORF.at. „Mich stört es, dass der Stundenlohn von acht Euro fix auf 7,40 Euro plus Kilometer- und Trinkgeld gesenkt wurde. Durch das neue Prinzip verdienen Fahrer, die schnell und freundlich sind mehr.“

2,90 Euro kostet die Lieferung per Rad

Die Fahrer müssen ihr eigenes Fahrrad verwenden, außerdem ist ein eigenes Smartphone erforderlich, um die App benutzen und auch hie und da den Stadtplan abrufen zu können. Foodora stellt lediglich die pinken Transportboxen, die Halterung für den Gepäckträger und eine Jacke zur Verfügung.

2,90 Euro zahlt der Endkunde für die Lieferung per Fahrrad. Die Kosten für das Restaurant sind „üppig“ - sagt Peter Duxler von „Strudls“ in Neubau. Foodora behält einen Prozentsatz der Bestellung ein, so Sänger. Laut einem Restaurantbetreiber, der anonym bleiben möchte, sind es 30 Prozent. „Man muss viel bezahlen, aber man gewinnt zusätzliche Distributionskanäle. Deswegen ist es derzeit für uns in Ordnung“, so Duxler.

Spezielle Verpackungen für Haubenlokale

Auch Haubenlokale wie Mochi, Yohm oder Mercado befinden sich in der Foodora-Bestellliste. Dabei stellen sich besondere Anforderungen an die Verpackung. „Weil das Auge letztlich mitisst und gerade bei Haubenlokalen ein wichtiger Faktor ist, stellen einerseits die Restaurants eigene Verpackungen zur Verfügung und andererseits werden die Fahrer besonders geschult mit Probefahrten und Verpackungstechniken, damit das Essen so ankommt, wie es geplant ist“, sagt Sänger.

Foodora und Swing Kitchen bei der Essensübergabe
Sicim Haliaj
Vor allem schickere Lokale sind bei Foodora vertreten

Und was wird am meisten bestellt? „Pizza ist beliebt, klar. Aber sehr gut geht auch die internationale Küche - also das Mochi oder Le Pho, wo vietnamesisch gekocht wird. Aber auch vegane Lokale wie die Swing Kitchen werden häufig bestellt“, sagt Sänger. Die Lokale sind preislich eher hochwertig - passend zu den inneren Bezirken. Stehen bei anderen Lieferservices oft die günstigen Preise im Vordergrund, ist es hier das Image des Lokals das wichtiger ist.

Etwa 5.000 Lieferungen bei Rita bringt’s pro Monat

Die Gastronomen können sich also auf das Kochen konzentrieren und Foodora kümmert sich um die Zustellung. Es gibt aber auch Kombinationen. Bei „Rita bringt’s“ zum Beispiel wird sowohl gekocht als auch per Fahrrad zugestellt. Seit mittlerweile zwei Jahren betreibt Rita Huber ihr mobiles Restaurant. Insgesamt zwölf Fahrer stellen das Essen zu.

Dabei wird kein eigenes Fahrrad benötigt, sondern Huber stellt Lastenfahrräder für die Fahrer zur Verfügung. Hier sind die Fahrer etwa drei Stunden unterwegs. „Zwischen 20 und 30 Zustellungen erfolgen pro Stunde. Im Monat sind das insgesamt etwa 5.000 Lieferungen“, sagt Huber. In der Küche arbeitet das Team rund um Huber zu viert.

Rita bringt's
Rita bringt's
Insgesamt zwölf Fahrradfahrer liefern „Rita bringt’s“ aus

“Iss mich!“ hat die Zustellung ausgelagert

Eine andere Version gibt es bei „Iss mich!“. „Iss mich!“ kocht in der eigenen Küche und lässt ausliefern. „Wir haben das outgesourct. Wir stellen mit dem Fahrraddienst ‚Hermes.at‘ zu. Es ist nicht unsere Kernkompetenz auszuliefern, sondern zu kochen. Deswegen bekommt ‚Hermes.at‘ einen Anhänger mit unserem Logo von uns und stellt unsere Speisen für uns zu“, sagt Tobias Judmaier, der Geschäftsführer.

„Hermes.at“ ist ein Botendienst wie „Veloce“ zum Beispiel. „Wir sind keineswegs auf Gastronomen spezialisiert. Eigentlich stellen wir nur für ‚Iss mich!‘ Essen zu. Sonst gehen wir zum Beispiel für ältere Menschen einkaufen, die bettlägerig sind“, sagt Max Ordner von „Hermes.at“.

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