Nach Vergewaltigung: Wien schult Bademeister

Im Dezember ist ein Zehnjähriger im Theresienbad von einem irakischen Flüchtling vergewaltigt worden. Nun schulen die Wiener Bäder ihre Mitarbeiter: Sie sollen gefährliche Situationen frühzeitig erkennen und richtig reagieren.

In zehn Terminen sollen alle Badeleiter sowie jene Personen, die im täglichen Badebetrieb unterwegs sind, geschult und sensibilisiert werden. Sie lernen einerseits, wie sie gefährliche Situationen erkennen und vermeiden können. Andererseits sollen sie im schlimmsten Fall richtig reagieren können: Daher steht der Umgang mit Tätern und Opfern, bevor die Polizei eintrifft, auf der Agenda. Außerdem sollen uneinsichtige Stellen in Bädern erkannt und häufiger kontrolliert werden.

Bademeister Schulung
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Alle Bademeister sollen auf sexuelle Übergriffe sensibilisiert werden

Kinder in „ganz besonderer Situation“

Die Schulungen werden von der Kinder- und Jugendstaatsanwaltschaft, der Polizei und Präventionseinrichtungen organisiert und sollen noch vor Beginn der Badesaison abgeschlossen sein. Denn das Personal in den Wiener Bädern habe es mit „Kindern und Jugendlichen zu tun, die in einer ganz besonderen Situation sind. Man ist fröhlich, man ist ausgelassen, und diese natürliche Scheu, die Kinder normalerweise haben, geht dann meistens verloren“, so Peter Wanke von der Kinder- und Jugendanwaltschaft.

Schulung in Bädern nach Vergewaltigung

In dunkle Winkel schauen, besonders auf Kinder aufpassen - das sind einige der Anregungen, die das Personal der Wiener Bäder erhält.

Der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen spielt in den Schulungen keine Rolle. „Es ist egal, welche Nation oder welches Alter die Täter haben. Wenn Männer, und es sind hauptsächlich Männer, diese Situation zu nutzen versuchen, um an Kinder heranzukommen, muss das Personal aufmerksam sein“, sagte Wanke. Dazu gehöre auch, verdächtige Verhaltensweisen frühzeitig zu erkennen und versteckte Orte in Bädern häufiger zu kontrollieren.

Bademeister Schulung
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Prävention funktioniert, wenn Personal, Kinder und Badegäste wachsam sind

Zivilcourage gefragt

Prävention funktioniere vor allem, wenn sie auf drei Ebenen geschehe: Erstens müsse das Personal geschult werden, zweitens sollten die Kinder selbst wissen, was in Ordnung ist und was nicht bzw. an wen sie sich im Notfall wenden können. Ein dritter Punkt sei die Zivilcourage, wie Stefanie Vasold vom Präventionsverein Selbstlaut sagte.

So sollen Beschwerden von Kindern ernst genommen werden. „Das sind oft die ersten Warnsignale, dass jemand versucht, Grenzen auszuloten und Kontakt anzubahnen“, so Vasold. Entsteht der Eindruck, dass sich ein Erwachsener besonders um Kinder bemüht, lohnt ein zweiter Blick. „Oft beginnt es so, dass einzelne Personen versuchen, mit Kindern und Jugendlichen in Beziehung zu treten. Da kann man schon aufmerksam werden und schauen: Was steht dahinter, und kennen die Kinder diesen Erwachsenen überhaupt?“, so Vasold.

Reaktion auf Vorfall im Theresienbad

Die Schulungen seien auch eine Reaktion auf die Vergewaltigung eines Zehnjährigen im Theresienbad, wie der Wiener Bädersprecher Martin Kotinsky sagte. Vorfälle wie dieser sollen künftig möglichst verhindert werden. Im Dezember hatte ein irakischer Flüchtling den Buben missbraucht - mehr dazu in Bub in Hallenbad vergewaltigt: Täter geständig.

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