Grasende Mammuts am Wiener Meer

Während der letzten Eiszeit sind Mammuts über den Stephansplatz gezogen. Vor zwölf Millionen Jahren lag das Gebiet um Wien unter einem Meer, das größer als das Mittelmeer war. Ein neues Buch erzählt darüber.

Der Knochen eines Riesens soll einst beim Bau des Stephansdoms gefunden worden sein. Doch tatsächlich handelte es sich um den Oberschenkelknochen eines Mammuts. Die Elefanten lebten bis 12.000 v. Chr. im Gebiet des heutigen Österreichs, auch in Wien. Das neue Buch „Wo die Wiener Mammuts grasten“ präsentiert die spannendsten Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Forschung in Wien.

Mammutbuch
"Wo die Wiener Mammuts grasten" (Metroverlag)
Mammutüberreste wurden in und um Wien im Lössboden gefunden

Mammuts und Meer in Wien

Nicht nur der Stephansplatz war ein Treffpunkt für Mammutherden, auch in den Vororten fanden Menschen immer wieder Knochen und Zähne. Die Blütezeit der Tiere in Österreich war zwischen 117.000 und 12.000 v. Chr., der Lebensraum der Mammuts und ihrer jungsteinzeitlichen Jäger war die Mammutsteppe. Da es in diesen Gebieten, entgegen der Vorstellungen von einer Winterlandschaft, meist trocken war, konnte sich Löss ablagern. In diesen Schichten werden die Mammutüberreste gefunden.

Vor zwölf Millionen Jahren sah es in Wien noch ganz anders aus. Das Sarmat-Meer, größer als das Mittelmeer, erstreckte sich vom Wiener Becken im Westen bis nach Turkmenistan. Entlang der heutigen Jaschkagasse im 23. Bezirk verlief das Ufer dieses Meeres. Im Kalkgestein in Mauer finden sich Abdrücke von Herzmuscheln und Schnecken. Das Klima zu jener Zeit glich jenem von Dubai heute. Dort wo jetzt Heurige stehen, hätte man damals baden gehen können.

Wo die Wiener Mammuts grasten
"Wo die Wiener Mammuts grasten" (Metroverlag)
Am kältesten Tag Wiens versammelten sich „Verkühle-dich-täglich“-Anhänger

Der kälteste Tag Wiens

Diese und noch weitere naturwissenschaftliche Erkenntnisse präsentieren die Autoren Thomas Hofmann und Mathias Harzhauser in 17 Kapiteln. Bei ihrem Stadtspaziergang folgen der Geologe Hoffmann und der Paläontologe Harzhauser keiner Route, sondern springen von Mauer nach Heiligenstadt und von der Paläontologie zur Physik. So wird auch der kälteste Tag Wiens seit Beginn der Aufzeichnungen beschrieben, als die Thermometer -26,5 Grad Celsius anzeigten. Das war im Februar 1929, die Donau zwischen Bratislava und Wien war zugefroren.

Buchhinweis

„Wo die Wiener Mammuts grasten“ von Thomas Hofmann & Mathias Harzhauser, Metroverlag, 160 Seiten, 24,90 Euro

Buchpräsentation am 27. April, 18.30 Uhr, Naturhistorisches Museum Wien, 1., Burgring 7

Der Frost führte auch dazu, dass Wiens Hochquellwasserleitungen weniger Wasser lieferten als verbraucht wurde. Dabei entstanden zum Teil kuriose Verordnungen, wie: „In Gast-, Kaffeehaus und ähnlichen Approvisionierungsbetrieben (Konditoreien, Gemeinschaftsküchen und dergleichen) darf Wasser an Gäste nur auf deren besonderes Verlangen verabreicht werden.“ Bei den Berufstätigen stellte man eine erhöhte Krankenstandszahl fest. Zehn Prozent der Postbeamten erkrankte - im Vergleich zu fünf Prozent in den Jahren davor.

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