Lobautunnel: Längere Frist für ASFINAG

Beim umstrittenen Lobautunnel verzögert sich die gerichtliche Prüfung des Umweltverträglichkeitsbescheids. Die ASFINAG beantragte eine Fristverlängerung, um Unterlagen nachreichen zu können. Umweltschützer sehen das Projekt um Jahre zurückgeworfen.

Ursprünglich hätte die ASFINAG bis 15. April Zeit gehabt, um wie gefordert Unterlagen nachzureichen. Nun gewährte das Bundesverwaltungsgericht eine Fristverlängerung bis 16. September. Das Gericht prüft derzeit in zweiter Instanz den positiven Umweltverträglichkeitsbescheid für den geplanten S1-Abschnitt Schwechat bis Süßenbrunn. In diesem Bereich befindet sich auch der umstrittene Lobautunnel.

ASFINAG: „Keine dramatische Situation“

Ein neuer gerichtlicher Sachverständiger hatte von der ASFINAG zahlreiche Unterlagen nachgefordert - mehr dazu Lobautunnel: Gericht fordert neue Unterlagen. Grund für die angesuchte Fristverlängerung sei, dass unter anderem ein 3-D-Grundwassermodell angefordert worden sei, erklärte Alexander Walcher, Geschäftsführer der ASFINAG Bau Management GmbH, der APA. „Um dieses Modell zu erstellen, braucht es mehrere Monate“, erklärte er. Die ASFINAG habe einst ein 2,5-dimensionales Modell erstellt. Das sei der damalige Stand der Technik gewesen.

Visualisierunmg Lobautunnel aus Imagevideo
ASFINAG
Eine Visualisierung des geplanten Lobautunnels

Der ASFINAG-Geschäftsführer findet jedenfalls nichts Schlimmes an den Wünschen des Gutachters. Dieser wolle die Unterlagen eben in einer anderen Art und Weise aufbereitet und ergänzt haben, um sie besser beurteilen zu können: „Für uns ist das keine dramatische Situation.“ Die ASFINAG hofft jedenfalls weiterhin, dass noch im heurigen Jahr die Gerichtsentscheidung fällt.

Tunnel-Baubeginn für 2018 geplant

Trotz des Verfahrens laufen die Vorbereitungen für den Bau weiter. So würden derzeit etwa die Verhandlungen mit den Liegenschaftseigentümern laufen. Gekauft worden seien bisher jedoch noch keine Grundstücke, so Walcher. Hält der Zeitplan, soll mit dem Bau des S1-Abschnitts Schwechat bis Süßenbrunn in der zweiten Hälfte 2017 und mit dem Bau des Tunnels soll 2018 begonnen werden. Die Fertigstellung des Gesamtprojekt ist für 2025 avisiert.

Einmal mehr betonte Walcher - in Hinblick auf die im rot-grünen Regierungsübereinkommen festgehaltene Prüfung von Alternativmöglichkeiten -, dass die nun geplante Variante die beste und auch umweltverträglichste sei. Die ASFINAG habe „alle denkbaren Varianten“ untersucht - insgesamt mehr als 20 Varianten und Untervarianten. „Wir arbeiten an unserem Projekt und werden es auch umsetzen“, versicherte er. Innerhalb der rot-grünen Stadtregierung gibt es Unstimmigkeiten über den Bau des Lobautunnels - mehr dazu in Lobau-Tunnel „erster Koalitionsstreit“.

Wiener Nordostumfahrung mit Lobautunnel
APA/Martin Hirsch

Walcher betonte am Freitag auch: „Wir sind gerne bereits, die Unterlagen den politischen Parteien zu präsentieren.“ Die Grünen seien jedenfalls diesbezüglich noch nicht an die ASFINAG herangetreten. Mit der Stadt Wien sei man auf Beamtenebene in Kontakt, wobei es hier vor allem um Genehmigungen gehe.

Umweltschützer rechnen mit langer Verzögerung

Die Umweltorganisation VIRUS, sie hat - neben anderen - Parteistellung im UVP-Beschwerdeverfahren, ist sich nicht sicher, ob die ASFINAG die neue Frist einhalten kann. „Für den äußerst umfangreichen Verbesserungsauftrag ist auch der September-Termin immer noch sehr ambitioniert“, sagte VIRUS-Sprecher Wolfgang Rehm in einer Aussendung. Seiner Ansicht nach kommt der Verbesserungsauftrag einer „geologischen und hydrogeologischen Neuplanung des Projektes gleich, der die S1 um Jahre zurückbeamt“.

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