Youtube: Mit Flaschen aus Gelee Geld verdienen

Do-it-yourself-Tricks, Computerspiele, Schminktipps und Comedy: Wiens Youtube-Szene wächst. Die Macher können oft hauptberuflich von den Videos leben und haben Einfluss auf junge Menschen.

Knapp drei Minuten dauert das Video, in dem erklärt wird, wie man einen Lippenbalsam aus einem Schokoladenaufstrich zu Hause erzeugen kann. Mehr als 5,6 Millionen Mal wurde das Video bisher angesehen. Dahinter steckt die Wienerin Joanna Zhou. Sie betreibt zwei Youtube-Channels und hat insgesamt mehr als 700.000 Abonnenten.

Wiens Youtube-Szene wächst

Zhou gehört zu den größten und bekanntesten Youtubern aus Wien. Die österreichische Youtube-Szene ist im Vergleich zu Deutschland überschaubar, „gerade in Wien gibt es aber wirklich viele erfolgreiche Youtuber, auch aus den Bundesländern, die hier studieren oder arbeiten“, sagt Sandra Thier, Gründerin von Diego5, einem Multi-Channel-Netzwerk, das Youtuber vermarktet.

Joanna Zhou, Youtuberin
Joanna Zhou
Zehn Millionen Menschen sehen sich pro Monat Zhous Videos an

Zhou hat Ende 2013 damit begonnen, Youtube-Videos zu machen. Ursprünglich wollte sie die Videos dazu nutzen, ihr Schmucklabel „Maqaroons“ zu vermarkten, das hauptsächlich über Harrods in London vertrieben wird.

Zehn Millionen Zuseher pro Monat

„Der Schmuck ist handgemacht und ich habe selber viel bei Youtube gelernt und mir dann gedacht, ich kann das Wissen auch weitergeben. Ich habe dann schnell gemerkt, dass die Menschen mehr solche Bastel-Tricks und DIY-Tutorials haben wollen. Deswegen habe ich dann einen zweiten Channel begonnen, der unabhängig von meinem Schmucklabel läuft.“

Youtuber verdienen durch Werbungen, Product Placement, Sponsoring etc. Geld

Zhou hat durchschnittlich rund zehn Millionen Seher bei ihren Videos. Zwei Videos lädt sie pro Woche hoch und rund zwei Tage Arbeitszeit benötigt sie pro Video. „Ich werde heuer mit dem Schmuckgeschäft aufhören, weil es sich nicht mehr auszahlt. Der Umsatz ist nicht vergleichbar mit den Youtube-Videos“, so Zhou.

Viele Klicks durch Skurriles

„Die Liste der Ideen ist ewig lange, es ist eher die Frage, wann ich sie alle umsetzen kann. Es kommen auch immer wieder neue Trends auf, die nur auf Youtube funktionieren, wie zum Beispiel, wie man Trinkflaschen aus Gelee herstellen kann“, sagt Zhou. Ihre Videos sind auf Englisch, ihre Seher hauptsächlich aus den USA, Kanada, Australien und dann erst aus Europa.

„Sehr stark in Wien ist auch der Youtuber Mythenakte mit 175.000 Abonnenten“, so Thier. Mythenaktes bekanntestes Video beschäftigt sich beispielsweise mit „Wildkameras, die irgendwo im Wald von Jägern aufgestellt wurden. Dabei entstehen teilweise gruselige Bilder, was die Kameras aufgenommen haben in der Nacht“, so Mythenakte. Ein Highlight dabei ist das Bild im stockdunkeln Wald, worauf zwei Hirsche und ein kleines Mädchen zu sehen sind.

Mythenakte Youtube
Mythenakte
Mythenakte zeigt „die 15 gruseligsten Aufnahmen von Jäger-Kameras“

Großer Einfluss bei jungen Menschen

„Generell funktionieren Gaming Kanäle auch gut“, so Thier. Zu den größten Game-Youtubern zählt Venicraft. Dahinter steckt Rafael, der noch ein Schüler ist und dieses Jahr in Wien maturiert. In seinen Videos ist zu sehen wie er unter anderem das Computerspiel „Minecraft“ spielt und gleichzeitig kommentiert. Rund 100.000 Menschen sehen sich täglich seine Videos an. Zuletzt hat er seinen Einfluss vor allem bei Jüngeren genutzt, um zum Wählen bei der Bundespräsidentenwahl aufzufordern.

„In Deutschland interviewte der Youtuber LeFloid Angela Merkel, Barack Obama macht das regelmäßig mit Youtubern. So etwas hat es bis jetzt noch nicht in Österreich gegeben, kann ich mir in Zukunft aber vorstellen. Viele Youtuber sind Vorbilder und nehmen ihre Rolle ernst. Sie sind auf Augenhöhe mit einer ganzen Generation“, so Thier. „Beauty/Lifestyle und Entertainment Kanäle sind auch sehr beliebt. Wichtig ist einfach, dass der Kanal authentisch ist und eine Geschichte erzählt.“

Mehr Verdienst durch Videos als bei „normalem“ Job

Eine gänzlich andere Schiene fährt Survival Lilly. Ihre Videos beschäftigen sich, wie der Name schon verrät, mit Überlebenstechniken und -tipps. Sie war ursprünglich als Bilanziererin tätig. Letzten September hat sie jedoch gekündigt und produziert jetzt hauptberuflich Youtube-Videos. „Ich verdiene besser als früher, gleichzeitig fühlt es sich nicht wie arbeiten an, sondern ich gehe einfach meinem Hobby nach“, so Survival Lilly.

Survival Lilly, Youtuberin
Survival Lilly
Survival Lilly verbringt mehrere Tage pro Woche im Wald zum Filmen

Sie lebt in Wien, fährt aber regelmäßig in die Südsteiermark in den Wald, um dort verschiedene Feuertechniken auszuprobieren oder Unterschlüpfe zu bauen und sich dabei zu filmen. Pro Woche produziert sie vier bis fünf Videos, „damit ich eine Vorlaufzeit habe, sollte ich krank werden oder mir was brechen, kann ich trotzdem die drei Videos pro Woche online stellen“. Durchschnittlich 2,6 Millionen Menschen sehen sich pro Monat ihre Videos an.

„Starke mobile Zugriffe und lange Verweildauer“

„Unser Netzwerk ist breit gefächert und soziodemographisch mit dem Schwerpunkt bis 35 Jahre, männlich/weiblich ausgewogen. Besonders auffallend sind die starken mobilen Zugriffe und die lange Verweildauer der Nutzer mit durchschnittlich rund drei Minuten Sehdauer“, sagt Thier über Diego5, das Multi-Channel-Netzwerke, das Youtuber vermarktet, wo derzeit 43 Kreatoren unter Vertrag sind.

Lisa Rieger, wien.ORF.at

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