Die politische Laufbahn Faymanns

Gemeinderat, Mieterschützer, Wohnbaustadtrat, Minister, Parteichef und zuletzt fast acht Jahre lang Bundeskanzler: Mit seinen 56 Jahren hat Werner Faymann ein vielseitiges politisches Leben hinter sich. Vor seinem Abgang wurde der Rückhalt in der Partei immer geringer.

Am 9. Mai zog er daraus die Konsequenz und trat als Parteivorsitzender und Bundeskanzler zurück. Dass es für eine Zukunft in der SPÖ eng werden dürfte, hatte man wohl spätestens am 1. Mai vernehmen können, als Faymann beim sozialdemokratischen Hochamt am Wiener Rathausplatz ausgepfiffen und -gebuht wurde. Schon seit der Wahlschlappe des roten Hofburg-Kandidaten Rudolf Hundstorfer war der damalige SPÖ-Chef deutlich geschwächt.

Besonders beliebt war der Kanzler genau genommen nie. Schon in der Kommunalpolitik, die ihn als langjährigen Wohnbau-Stadtrat groß machte, hatte der vormalige Chef der Sozialistischen Jugend Wien nur ein Grüpplein an Vertrauten, auch in den Boulevardmedien, mit deren Hilfe er nach oben kletterte. Das änderte sich auch mit Faymanns Ankunft im Bund nicht.

Nur jene, denen er bedingungslos vertraute, dabei an erster Stelle Kanzleramtsminister Josef Ostermayer und Nationalratspräsidentin Doris Bures, durften mitreden. Kritische Geister waren in Faymanns Umfeld nicht erwünscht, sondern allenfalls, wenn nicht zu vermeiden, geduldet.

Zur Person

Werner Faymann, geboren am 4. 5. 1960, verheiratet mit Martina Ludwig-Faymann (Wiener Gemeinderätin/SPÖ), zwei Töchter (Martina aus einer früheren Verbindung und Flora). Politischer Werdegang: 1981 Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Wien, ab 1988 Geschäftsführer der Wiener Mietervereinigung, ab 1994 Wiener Wohnbaustadtrat, ab 2006 Infrastrukturminister, ab 2008 SPÖ-Chef und Kanzler.

Taktisches Geschick

Dass er sich dennoch zwölf Jahre in der Wiener Stadtregierung hielt und ein Jahrzehnt in der Bundesregierung verweilte, hatte mit seinem taktischen Geschick zu tun. Im persönlichen Umgang ist er stets freundlich und aufmerksam, eckte möglichst nirgendwo an und ging so über viele Jahre als kleinster gemeinsamer Nenner durch. Dazu kam, dass die SPÖ zwar unter seinem Vorsitz Wahlniederlage an Wahlniederlage reihte, doch gelang es ihm dort, wo er selbst antrat, nämlich bei den Nationalratswahlen, Platz eins und in Folge die Kanzlerschaft zu retten.

Damit lieferte der gerade 56 Jahre alt gewordene Wiener nie einen unmittelbaren Anlass, ihn aus dem Amt zu jagen. Dass er nicht Parteichef der Herzen war, machte die Basis anderweitig klar. Seine letzten beiden Parteitagsergebnisse waren mit 83 bzw. 84 Prozent alles andere als berauschend.

Flexibilität in Flüchtlingsfrage

Das hing ein wenig auch damit zusammen, dass Faymann kein großer, einnehmender Redner ist. Schlechte Stimmung mit berauschenden Parteitagsansprachen aufzuhellen war seine Gabe nicht. Auch gab es inhaltlich keinen Kurs, den man Faymann wirklich zugeschrieben hätte. Vielmehr fuhr er seit jeher jene Agenda, die parteitaktisch gerade opportun zu sein schien. Vor allem das Wort der Gewerkschaft, ohne die in der SPÖ bis heute wenig geht, fand bei Faymann so gut wie immer Gehör.

Seine Flexibilität bewies der Kanzler in der Flüchtlingsfrage. Ließ er sich zu Anfang im September noch bei einem kleinen Parteitag als „Kommandozentrale der Menschlichkeit“ feiern und bildete eine Allianz mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, war er dann zum strengen Kontrollor und Gegner der Berliner Politik der offenen Grenzen mutiert.

Zwar war diese Position dann eine, die dem Großteil der Bevölkerung und auch der eigenen Partei gar nicht schlecht gefällt, doch brachte sie ihm beim Mai-Aufmarsch gellende Pfiffe des ohnehin Faymann-kritischen linken Parteiflügels ein und befeuerte somit die Debatte, ob mit dem Kanzler als SPÖ-Chef noch ein Staat zu machen ist. Da nützte es Faymann wenig, dass er sich seit Amtsantritt als Bollwerk gegen Rot-Blau inszenierte, umso mehr als er die Doktrin - siehe Burgenland - in der eigenen Partei ohnehin nicht durchsetzen konnte.

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