Wiener Verstärkung für Kerns Team

Christian Kern ist am Dienstag als neuer Bundeskanzler angelobt worden. Er baute auch gleich sein Regierungsteam um. Unter anderem neu dabei: der Chef der Vereinigten Bühnen Wien Thomas Drozda und Gemeinderätin Muna Duzdar.

Sonja Hammerschmid, derzeit Vorsitzende der Universitätenkonferenz, wird neue Bildungsministerin. Von den Vereinigten Bühnen ins Kanzleramtsministerium wechselt Thomas Drozda und übernimmt dort auch die Kulturagenden. Neuer Infrastrukturminister wird der steirische Landesrat Jörg Leichtfried und Staatsekretärin wird die Wiener Gemeinderätin aus der Donaustadt Muna Duzdar.

Die vier neuen SPÖ-Regierungsmitglieder sind nach der Angelobung des neuen Bundeskanzlers Christian Kern am Dienstagabend von Bundespräsident Heinz Fischer zu einem halbstündigen Informationsgespräch empfangen worden. Stellungnahmen der vier gab es danach nicht. Sie verwiesen auf ihre Angelobung am Mittwoch - mehr dazu in news.ORF.at.

Thomas Drozda
APA/Herbert Pfarrhofer
Thomas Drozda

VBW-Chef Drozda als neuer Kanzleramtsminister

Im April 2015 hatte Drozda noch angekündigt, sich nach Auslaufen seines Vertrages mit den Vereinigten Bühnen Wien wieder für die Spitzenposition bewerben zu wollen. „Ich werde mich hier wieder bewerben“, kündigte der seit 2008 amtierende 49-Jährige vor Journalisten an, sich an der Ausschreibung des Postens zu beteiligen. Er habe gern die operative Verantwortung in einer größeren Einheit. Die könnte er nun auch als neuer Kanzleramtsminister bekommen.

Mit Drozda (50) wird ein langjähriger Theatermanager, der Erfahrung als Politikberater und ORF-Stiftungsrat aufweisen kann, neuer Kulturminister. In den 90er-Jahren hat er SPÖ-Kanzler kulturpolitisch beraten, 2007 machte ihn Alfred Gusenbauer zum ORF-Stiftungsrat. Die Berufung Drozdas kommt dennoch einigermaßen überraschend. Denn noch im Sommer des Vorjahres sagte Drozda in einem Interview, dass er mit der Politik abgeschlossen habe: „Höchste Exponiertheit bei einem Sozialprestige gegen null, das würde ich weder wollen noch aushalten.“

Positive Reaktionen aus Kulturszene

Kern nannte Drozda „einen der angesehensten Kulturexperten des Landes“. Dessen Berufung sei eine „klare Geste in Richtung Kunst und Kultur“, sagte er in seiner ersten Pressekonferenz. Auch in der Kulturszene gab es zunächst nur positive Reaktionen. Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, selbst in der Vergangenheit immer wieder für politische Ämter gehandelt, hält „die Berufung von Thomas Drozda zum Kanzleramts- und Kulturminister für einen außerordentlichen Glücksfall“.

Staatsoperndirektor Dominique Meyer, der für einen Verbleib von Josef Ostermayer im Amt unterschrieben hatte, betonte in einem schriftlichen Statement zunächst, „dass wir mit dem bisherigen Kulturminister Josef Ostermayer eine sehr gute Zusammenarbeit hatten. Da nun infolge der Regierungsumbildung ein neuer Kulturminister eingesetzt wird, sind wir froh, dass Thomas Drozda dieses Amt übernimmt: Er ist vom Fach, hat viel Erfahrung und kennt sich sehr gut aus. Wir begrüßen seine Ernennung und wünschen Thomas Drozda viel Erfolg und eine lange Amtsperiode!“

Auch Oliver Rathkolb, Leiter des internationalen wissenschaftlichen Beirates des von Ostermayer auf Schiene gebrachten „Haus der Geschichte Österreich“ (HGÖ) , hatte den Aufruf, der sich für einen Verbleib Ostermayers einsetzte, unterschrieben. „Ohne den ehemaligen Kulturminister würde es kein Haus der Geschichte geben“, so Rathkolb. Drozda kenne er bereits aus jener Zeit, als dieser den damaligen Bundeskanzler Viktor Klima beraten hat. Diese Zeit habe Rathkolb in „extrem positiver Erinnerung“; Drozda habe damals bei Themen wie Kunstraub und Restitution „eine wichtige Rolle gespielt“.

Muna Duzdar
APA/Parlamentsdirektion
Muna Duzdar wird die erste muslimische Staatssekretärin

Faymann-Kritikerin wird Staatssekretärin

Muna Duzdar (37) ist derzeit SPÖ-Gemeinderatsabgeordnete und dort in den vergangenen Wochen vor allem als Kritikerin des ehemaligen Kanzlers Werner Faymann aufgetreten. Auf Facebook kritisierte sie etwa die Medienpolitik Faymanns. Von 2010 bis 2012 war die studierte Juristin Duzdar Bundesrätin, danach wechselte sie als Vertreterin der Donaustadt in den Wiener Gemeinderat.

Mit der Wiener Landtagsabgeordneten wird erstmals eine Person mit Migrationshintergrund in einer vergleichbaren Stellung auf Bundesebene berufen. Ihre Eltern sind Palästinenser - mehr dazu in Muna Duzdar: Mit Kanzler-Kritik in die Regierung.

Immer wieder war in den vergangenen Tagen auch Sozialstadträtin Sonja Wehsely für ein Ministerinnenamt im Gespräch, sie lehnte allerdings ab - mehr dazu in Wehsely sagt Kern als Ministerin ab. Einige Gesichter werden auch in die Wiener Landespolitik zurückkehren. So kündigte etwa der Bundesgeschäftsführer der SPÖ, Gerhard Schmid, gegenüber dem „Standard“ an, sich nach seiner Ablöse wieder verstärkt auf die Wiener Landespolitik konzentrieren zu wollen.

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