Muna Duzdar: Mit Kanzler-Kritik in die Regierung

Sie war eine der schärfsten Kritikerinnen des Kurses von Kanzler Werner Faymann - nun wandelt sie auf seinen Spuren: Muna Duzdar wechselt so wie einst Faymann vom Rathaus in den Bund. Die 37-Jährige sitzt seit 2012 im Gemeinderat.

Duzdar ist Rechtsanwältin, bevor sie in den Wiener Gemeinderat und Landtag kam, saß sie zwei Jahre lang im Bundesrat. Nun wird die Tochter palästinensischer Einwanderer Staatssekretärin - als erste Muslimin in diesem Amt - mehr dazu in Wiener Verstärkung für Kerns Team.

Erzürnt hat die Wiener Rote zuletzt etwa, dass sich die SPÖ vor der Hofburg-Stichwahl nicht zu einer Wahlempfehlung für Alexander Van der Bellen durchringen konnte. Sie wäre dafür, plädierte Duzdar im APA-Gespräch für eine klare Positionierung. Allzu große Begeisterung für den Professor ließ sie nicht erkennen, aber sie befand: „Es geht jetzt um alles und es geht darum, Norbert Hofer zu verhindern.“

Muna Duzdar
APA/Parlamentsdirektion
Muna Duzdar wird die erste muslimische Staatssekretärin

Gegen „180-Grad-Schwenk“ in Asylpolitik

Sie machte weiters keinen Hehl daraus, dass der „180-Grad-Schwenk“ in der Asylpolitik für „Verärgerung“ in der Partei gesorgt hat. Wobei sie zunächst noch meinte, dass es nicht ausreiche, nur über die Position des Kanzlers nachzudenken, der ja „nicht alleine“ sei. „Man muss schon auch anhand der Inhalte diskutieren, was da schiefgelaufen ist“, kommentierte sie das schlechte Abschneiden des sozialdemokratischen Kandidaten Rudolf Hundstorfers.

In einem Posting nahm sie schließlich aber den Parteichef direkt ins Visier. Sie kritisierte die „jahrelange Inseratenpolitik“ Faymanns und forderte unmissverständlich eine „personelle Erneuerung“. Ihre via Social Media verbreitete Diagnose lautete: „Nur die wenigsten möchten weiterhin Werner Faymann als Parteivorsitzenden und hätten wir morgen Parteitag, gäbe es keine Mehrheit.“

Verwurzelt in der Donaustadt

Muna Duzdar wurde am 22. August 1978 in Wien geboren und wuchs zweisprachig auf - wobei zuhause fast ausschließlich Arabisch gesprochen wurde. Sie ist Muslimin, aber laut eigenen Angaben nicht religiös. Nach Schule und Matura studierte sie bis 2004 Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Es folgte ein Studienaufenthalt in Paris. Dort war sie auch in der Parti Socialiste (PS) engagiert.

2011 legte sie die Rechtsanwaltsprüfung ab. Schon während der Uni-Zeit war sie bei der Mietervereinigung, der Sozialistischen Jugend bzw. als SPÖ-Bezirksrätin in der Donaustadt aktiv. Von 2004 bis 2005 absolvierte sie ein Praktikum beim SPÖ-Europaabgeordneten Herbert Bösch.

Schwerpunkte Außenpolitik, Bildung, Integration

2010 folgte der erste Wechsel in die Bundespolitik: Sie wurde als Bundesrätin angelobt. In der Länderkammer fungierte sie unter anderem als stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten. 2012 wurde sie im Wiener Landtag bzw. Gemeinderat angelobt. Duzdar ist weiters Präsidentin der Palästinensisch-Österreichischen Gesellschaft. Als ihre politischen Schwerpunkte bezeichnet sie neben der Außenpolitik auch die Themenbereiche Bildung, Integration oder Wohnbau.

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