Verzögerung für „Haus der Geschichte“

Beim Finanzministerium müssen zugesagte Summen für das „Haus der Geschichte“ erneut bestätigt werden. Erst dann kann der Beirat bestellt und die Leitung ausgeschrieben werden. Eine Eröffnung im Herbst 2018 ist kein Thema mehr.

Eigentlich hätte die Leitung für das „Haus der Geschichte Österreich“ (HGÖ) längst ausgeschrieben und die Stelle mit Ende Juni besetzt werden sollen. Grund für die Verzögerung ist ein „Sideletter“ des Finanzministeriums, der die zugesagten Summen noch einmal bestätigen muss. Erst dann kann der Beirat bestellt und die Leitung ausgeschrieben werden. Eine Eröffnung im Herbst 2018 ist kein Thema mehr.

Das sagte Zeithistoriker Oliver Rathkolb, Leiter des internationalen wissenschaftlichen Beirats des HGÖ, bei der Präsentation des Buchs „Haus? Geschichte? Österreich?“ an der Universität Wien. In der nunmehr vorliegenden Publikation wurden jene großteils kritischen Stimmen heimischer Wissenschafter zusammengefasst, die sich im vergangenen Herbst im Rahmen einer Enquete mit dem Projekt „Haus der Geschichte“ auseinandergesetzt haben.

Sextett als Beirat nominiert

Der HGÖ-Beirat, der die anstehenden Ausschreibungen begleitet, steht mittlerweile fest. Er setzt sich – so wie in der Novelle des Bundesmuseengesetzes verankert - aus je zwei vom Kanzleramt und dem Wissenschaftsministerium, einem von der Bundesländerkonferenz ausgewählten Experten sowie dem Generaldirektor des österreichischen Staatsarchivs zusammen.

Nominiert, aber noch nicht bestellt, wurden Rathkolb selbst und die Kulturwissenschafterin Aleida Assmann, Akademie-Rektorin Eva Blimlinger und Gerhard Baumgartner (Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands) sowie der Salzburger Ex-Landeshauptmann Franz Schausberger (ÖVP) und Staatsarchiv-Generaldirektor Wolfgang Maderthaner.

Das Sextett wird nach erfolgter Ausschreibung der ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger einen Dreiervorschlag unterbreiten und mit dem neuen Leiter „die Feinkuratierung verhandeln“, wie Rathkolb ausführte. Kritik wurde im Rahmen der Buchpräsentation an der Zusammensetzung dieses Beirats laut, da sich wiederum – wie schon im internationalen Beirat – hauptsächlich Historiker und keine Museologen darin fänden. „Die Leitung des HGÖ wird definitiv für einen Museologen ausgeschrieben“, versuchte Rathkolb zu beschwichtigen.

Inhaltliche Vorbereitungen

Rathkolb verteidigte im Anschluss an die Buchpräsentation auch seine bisherigen Vorbereitungsarbeiten, die im Rahmen der Enquete teils scharfe Kritik geerntet hatten. „Es gibt national und international kein Museumsprojekt, das derart genau geprüft wurde“, verwies er auf bereits in der Vergangenheit durchgeführte Studien wie etwa jene von Claudia Haas aus dem Jahr 2008, auf die sich sein Konzept stützt.

Die inhaltlichen Vorbereitungen stünden derzeit keineswegs still, so Rathkolb, der unter anderem auf eine am Freitag zu Ende gegangene Arbeitstagung in Kooperation mit der Museumsakademie des Universalmuseums Joanneum zur Frage des Sammelns von Zeitgeschichte im Wien Museum verwies. Es gebe verschiedene Fokusgruppen, die sich etwa mit Themen wie Sammlungsaufbau oder der digitalen Vermittlung beschäftigten. „Und ich selbst ziehe als Wanderprediger durch die Welt“, so Rathkolb in Anspielung auf zahlreiche Vorträge, die er zum Thema HGÖ hält. „Der Bogen der Expertise wird hervorragend geschlossen.“

Wanderausstellung im nächsten Jahr

Die ursprünglich geplante Eröffnung der Dauerausstellung des HGÖ zum Zeitpunkt des 100-jährigen Jubiläums der Republik schloss Rathkolb aufgrund der Verzögerungen aus, verwies jedoch auf die Vorbereitungen einer gemeinsam mit den Bundesländern geplanten Wanderausstellung, die derzeit entwickelt werde und die im Rahmen einer Sonderausstellung im Herbst 2018 im HGÖ gezeigt werden soll - mehr dazu in Haus der Geschichte: Eröffnung erst 2019.

Dabei gebe es auch die Idee, mit Nachbarstaaten zusammenzuarbeiten. Dies sei eine besondere Herausforderung: „Schließlich ist das Jahr 1918 für Tschechien ganz anders aufgeladen als etwa für Ungarn“, so der Historiker. Die Sonderschau ermögliche schließlich „eine entspannte Dauerausstellung im Jahr 2019 – ohne Zeitdruck“. Darüber hinaus sei für die Zukunft etwa auch eine Kooperation mit dem Weltmuseum und dem Wien Museum zum Thema „Orient und Nahost“ im Gespräch.

Nächste Tagung Ende Juni

Die nächste Veranstaltung zum Thema „Haus der Geschichte Österreich(s) - Konzept, Inhalt, Erzählung“ gibt es indes bereits in wenigen Tagen: Die Österreichische Forschungsgemeinschaft veranstaltet am 30. Juni von 9.00 bis 19.30 Uhr in der Österreichischen Nationalbibliothek (Augustinertrakt, Josefsplatz 1) eine Tagung. An der abschließenden Podiumsdiskussion werden neben Rathkolb ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger sowie die Historiker Heidemarie Uhl, Franz Schausberger und Thomas Winkelbauer teilnehmen.

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