Wiener Hugo Meisl als Urvater der EM

Die Achtelfinale der Europameisterschaft haben begonnen - einen der Grundsteine für den Bewerb legte allerdings ein Wiener vor knapp 90 Jahren. Der Austria- und Bundestrainer Hugo Meisl erfand den Mitropa-Cup.

Berühmt wurde Hugo Meisl allerdings als Teamchef - und zwar vor allem mit einem Zitat: „Da habt’s euer Schmieranski-Team“. Dieser Satz ist untrennbar mit ihm verbunden. Er fiel im Mai 1931 im Ring-Cafe vor einem Fußball-Länderspiel gegen Schottland. Teamchef Meisl setzte damit die anwesenden Journalisten grantelnd in Kenntnis, dass er die Mannschaft ganz nach ihren Wünschen zusammengestellt hatte. Es folgte ein 5:0-Sieg und die Geburt des „Wunderteams“.

Hugo Meisl
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Hugo Meisl legte mit seinem Mitropa-Cup einen Grundstein der EM

Schlechte Zeiten, guter Fussball

Anfang der 1930er-Jahre ist die Zeit dieses „Wunderteams“, in der Österreich als Star des europäischen Fußballs gilt. 1932 wird Österreich sogar Europameister. „Wenn die Zeiten schlecht sind, dann ist der Fußball gut. Das hat sicherlich zum Teil auf Wien damals auch zugetroffen. Denn für einen jungen Menschen hat es sehr wenig andere Chancen gegeben, wenn man Geld verdienen und gesellschaftlichen Status erringen wollte“, so Matthias Marschik im „Wien heute“-Interview.

Als Österreich Fußball „Europameister"war

Der Wiener Hugo Meisl hat Ende der 1920er Jahre den Vorläufer der Europameisterschaft initiiert. Österreich war damals im Fußball eine Macht.

Als Mastermind des Wunderteams gilt Meisl, der 1881 im böhmischen Ort Maleschau (Malesov) in eine jüdische Kaufmannsfamilie hineingeboren wurde. Schon als Kind kam er nach Wien. Die Familie zählte zum liberalen jüdischen Großbürgertum und integrierte sich schnell und nachhaltig in die k.u.k-Metropole. Dennoch hatte Meisl Zeit seines Lebens auch mit so manchem antisemitischen Seitenhieb zu kämpfen.

Hugo Meisl
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Am ersten EM-Vorläufer 1927 nahmen fünf Nationen teil

Gründer des Mitropa-Cups

Sein Debüt als österreichischer "Bundeskapitän“, wie der Teamchef damals hieß, gab er im Alter von 31 Jahren, am 22. Dezember 1912. Österreich besiegte Italien in Genua 3:1. Meisl war beseelt von einer Vision: Fußball soll ein echter Profisport werden. „Und dafür war es eben wesentlich, Vereinen und Verbänden eine zusätzliche Einnahmequelle zu verschaffen. Dazu sollte dieser Europacup der Nationalmannschaften dienen“, so Marschik. Die schon bestehende FIFA war aber nicht interessiert und so überzeugte Meisl auf eigene Faust mehrere Länder von seiner Idee des Mitropa-Cups.

Bei der ersten mehr oder weniger Europameisterschaft 1927 nahmen fünf Länder teil: Österreich, Italien, Ungarn, die Tschechoslowakei und die Schweiz. Eine Endrunde wie heute gab es noch nicht, die Spiele wurden über mehrere Jahre verteilt - und am Ende dann die Punkte für eine Schlusstabelle zusammengezählt.

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Von Anfang an sorgte der Bewerb für enormes Publikumsinteresse

Enormes Publikumsinteresse von Anfang an

Das Publikumsinteresse war von Anfang an enorm. Bei Spielen auf der Hohen Warte in Wien waren bis zu 100.000 Menschen dabei. „Nachdem wir heute ja größtenteils Sitzplatzstadien haben, sind es heute weniger Leute als damals. Weil ins gleiche Stadion sind damals mindestens ein Drittel oder die Hälfte mehr Leute reingegangen“, sagte Sporthistoriker Marschik.

Das Wunderteam hatte auch dadurch für Furore gesorgt, weil es dem britischen „Kick and Rush“ das Wiener „Scheiberln“ entgegensetzte. Am 24. Jänner 1937 saß Hugo Meisl zum letzten Mal auf der Bank des Nationalteams. In Paris wurden die Franzosen 2:1 besiegt.

Nur wenige Wochen später, am 17. Februar 1937, ereilte ihn der Tod. Im Alter von 55 Jahren erlitt er am Schreibtisch einen Herzinfarkt, sein Zimmer ist heute im Museum der Austria Wien zu sehen. Zwei Mal fand das Turnier danach noch statt - dann räumte es den Platz: Für eine neue, größere Europameisterschaft - gegründet von der UEFA.

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