Positive Verkehrsbilanz für „Mahü“

Vor einem Jahr ist die Umgestaltung der inneren Mariahilfer Straße zu einer Fußgänger- und zwei Begegnungszonen zu Ende gegangen. Die Vertreter der Verkehrsteilnehmer ziehen eine überwiegend positive Bilanz.

„Man kann locker gehen“ oder „wir als Radfahrer sehen das super“ hieß es bei einem Lokalaugenschein von „Wien heute“ in der inneren Mariahilfer Straße. Das Zusammenleben wirkt nun eingespielt, auch wenn die Polizei einzelne Verkehrsteilnehmer gelegentlich ermahnen muss.

TV-Hinweis:

„Wien heute“, 27.7.2016, 19.00 Uhr, ORF2 und danach online unter tvthek.ORF.at.

Auch die Vertreter der Verkehrsteilnehmer zeigten sich überwiegend positiv. „Sitzplätze im Schatten könnte man sich zum Beispiel noch anschauen, aber grundsätzlich ist die Mariahilfer Straße für Fußgänger ideal“, so Petra Jens, Fußgängerbeauftragte der Stadt Wien. Für den Fahrradbeauftragten Martin Blum geht es jetzt darum, „zügig fahrenden Radlern Alternativrouten anzubieten, damit mögliche Konflikte in der Mariahilfer Straße vermieden werden“.

Busfahrer brauchen Konzentration

Für die Busfahrer der Linie 13A hatte die Umgestaltung erhebliche Folgen. Zunächst war ja eine eigene, rot gefärbte, Fahrspur in der Fußgängerzone vorgesehen. Die Einigung auf eine Alternative führt jetzt über die Windmühlgasse, die Capistrangasse und die Begegnungszone der Mariahilfer Straße. Auch dagegen formierte sich zunächst Protest der Anrainer. Der öffentlichkeitswirksame Ärger schwoll aber bald ab, derzeit wird an der Streckenführung nicht gerüttelt.

„Klar ist aber auch, dass diese Lösung den Busfahrern einiges abverlangt. Auch in der Begegnungszone ist viel los und die Busfahrer müssen sich sehr konzentrieren“, berichtete Dominik Gries, Sprecher der Wiener Linien. Unfälle seien bisher keine passiert.

Für Diskussionen hatten bei der Umgestaltung auch immer wieder die wegfallenden Querungen gesorgt. Die Kritik an „zu wenig Querungen“ kommt auch ein Jahr, so Bernhard Wiesinger vom ÖAMTC: „Was noch immer sehr viele Anwohner stört ist, dass man die Mariahilfer Straße praktisch nicht mehr queren kann - also vom sechsten in den siebenten Bezirk zu kommen oder umgekehrt.“

Vassilakou: „Konzept geht auf“

„Ein Jahr nach dem Umbau wird die neue Mariahilfer Straße von den Wienerinnen und Wienern voll angenommen. Das Konzept funktioniert gut und geht auf, sowohl in den Begegnungszonen als auch in der Fußgängerzone gibt es keine Probleme“, jubelte Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) gegenüber der APA. Die Mariahilfer Straße sei „ein lebendiger Ort“.

Der Umbau der im Volksmund „Mahü“ genannten, 1.800 Meter langen Einkaufsmeile gilt als Prestigeprojekt der Grünen - für das Vassilakou viel Kritik einstecken musste. Heftige Proteste gab es etwa von Anrainerinitiativen, Wirtschaftskammer und der Rathaus-Opposition.

Analyse der Wirtschaftskammer noch ausständig

Wie die Bilanz des einstigen Umbau-Kritikers Wirtschaftskammer ausfällt, ist noch offen. Derzeit wird an einer Analyse zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Umbaus gearbeitet. Die Ergebnisse liegen allerdings noch nicht vor, da zwecks Aussagekraft zumindest eine volle Jahresperiode untersucht werden soll.

Rainer Trefelik, Obmann der Wirtschaftskammer-Sparte Handel, sprach allerdings bereits einige Monate nach der Fertigstellung von „mehr Frequenz und weniger Kaufkraft“. Es würden nun mehr bzw. auch jüngere Menschen auf der Einkaufsstraße unterwegs sein, aber es werde weniger teuer gekauft. „Massive Umsatzrückgänge“ ortete er damals in den Nebenstraßen: „Die zahlen den Preis.“

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