Belvedere: Husslein nicht verlängert

Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) will im Belvedere eine „völlige Neuaufstellung“. Der Vertrag von Direktorin Agnes Husslein-Arco wird nicht verlängert. Auch das Kuratorium wird neu aufgestellt.

„Mit der derzeitigen strukturellen, organisatorischen und personellen Konstellation sehe ich nicht die Möglichkeit, den Betrieb wieder in ruhige Bahnen zu führen und so an die Erfolge der Vergangenheit anschließen zu können“, sagte Drozda bei einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag.

Kulturminister Thomas Drozda bei der Pressekonferenz
APA/Herbert Pfarrhofer
Kulturminister Drozda will einen „Reformprozess anstoßen“

Damit endet wohl die Ära Husslein-Arco im Belvedere, ein Jahrzehnt lang stand sie als erste Frau an der Spitze der Galerie - mehr dazu in Husslein-Arco: Karriere mit Konflikten. Husslein-Arco wird seit Wochen mit Vorwürfen konfrontiert, Compliance-Verstöße begangen zu haben. Dabei geht es unter anderem um die Abrechnung von Reisespesen.

„Neubesetzung aller zentralen Organe“

Drozda kündigte nun an, die bereits erfolgte Ausschreibung für die neue Doppelspitze des Museums ab 1. Jänner 2017 zu wiederholen. „Ich werde eine Neubesetzung aller zentralen Organe im Belvedere vornehmen“, so Drozda. Das bedeutet, dass auch das Kuratorium des Belvedere neu aufgestellt wird. Dessen Vorsitzender Hans Wehsely tritt zurück, seine Agenden übernimmt interimistisch Andrea Ecker, Sektionschefin im Kulturministerium.

Husslein äußerte Bedauern über Entscheidung

Museumschefin Husslein-Arco wollte am Mittwoch gegenüber der APA keine Stellungnahme und Aussagen über ihre Zukunft abgeben, einzig: „Ich nehme die Entscheidung von Bundesminister Thomas Drozda mit Bedauern zur Kenntnis.“ Husslein-Arco wird das Belvedere noch bis Jahresende leiten.

Husslein-Arco stehe es natürlich frei, sich wieder zu bewerben, so Drozda, der ihr auch Respekt für ihre Arbeit zollte: „Zweifelsohne: Das Belvedere wurde in den letzten Jahren mit großem Engagement geführt, und es wurden viele bedeutende künstlerische Erfolge erzielt.“ Er nahm lobend Bezug auf Ausstellungen von Künstlern wie Ai Weiwei, Sterling Ruby und Olafur Eliasson. Dennoch hätten die Ereignisse in den vergangenen Wochen „Energien und Ressourcen gebunden, die sich wenn, dann nur am Rande mit Kunst beschäftigt haben“.

Belvedere Direktorin Agnes Husslein Arco
APA/Alina Parigger
Die Belvedere-Direktorin wurde wegen des Verdachts der Untreue angezeigt

Gutachten zeigte Verstöße auf

Die Entscheidung über die neue künstlerische und die kaufmännische Leitung des Belvedere hätte bereits im Frühjahr getroffen werden sollen. Nachdem dem Kuratorium des Museums aber Verstöße gegen die hausinternen Compliance-Regeln zugetragen worden waren, setzte das Gremium im Juni BDO als externen Wirtschaftsprüfer ein. Der Bestellungsprozess wurde derweilen ausgesetzt - mehr dazu in Belvedere: Bestellungsprozess ausgesetzt.

Am 14. Juli wurde dann der Bericht der Prüfer veröffentlicht, der Verstöße von Husslein-Arco aufzeigte, die von dieser eingeräumt wurden. Zugleich bot die Direktorin an, den entstandenen Schaden zu begleichen, der sich auf kolportiert unter 15.000 Euro belief. Das Kuratorium empfahl, dass Husslein ihren Vertrag bis Jahresende verlängern solle. Drozda folgte der Empfehlung und bestellte zugleich Dieter Bogner als interimistischen kaufmännischen Geschäftsführer - mehr dazu in Husslein bleibt Belvedere-Direktorin.

Die zuletzt aufgekommenen Kosten für das Gutachten in Höhe von gut 130.000 Euro kritisierte Drozda indes scharf: „Mir ist diese Dimension völlig unbegreiflich und schleierhaft.“ Die Summe werde so sicher nicht bezahlt werden.

Gehälter werden angepasst

Die Ausschreibung für die neue Doppelspitze soll in den kommenden Tagen erfolgen, dieses Mal nicht nur in deutschsprachigen Medien. Die Bewerbungsfrist soll bis Mitte September laufen.

Kulturminister Thomas Drozda und Sektionschefin Andrea Ecker bei der Pressekonferenz
APA/Herbert Pfarrhofer
Andrea Ecker leitet interimistisch das Kuratorium des Belvedere

Ebenfalls geändert werden sollen - für alle Kultureinrichtungen des Bundes - die Gehaltsstrukturen: „Ich will hier der Kritik des Rechnungshofs an der Höhe der Gehälter folgen und eine Art Gehaltspyramide für die Bundesmuseen installieren“, so Drozda. Als Rahmen nannte er 200.000 Euro für die wissenschaftliche Leitung, „mit einer Range von zehn bis 15 Prozent Zu- oder Abschlag“ je nach Relevanz des Hauses. „Ich möchte einen Reformprozess anstoßen, der darin gipfeln soll, gemeinsam mit dem ehemaligen mumok-Direktor Edelbert Köb ein Weißbuch für eine neue Struktur des gesamten Museumsbereichs auszuarbeiten“, so Drozda.

Die interimistische Vorsitzende des Kuratoriums, Andrea Ecker, will im Belvedere das interne Kontrollsystem stärken und eine vertrauensvollere Unternehmenskultur schaffem. Auch eine Strukturreform stehe an: „Ich glaube, 15 Jahre nach der Ausgliederung ist es dringend notwendig, dass wir schauen, ob die Strukturen so passen und ob sie noch zeitgemäß sind“, so Ecker.

Belvedere: Husslein muss als Direktorin gehen

Die Galerie Belvedere wird neu aufgestellt: Der Vertrag von Agnes Husslein als Direktorin wird nicht verlängert.

Rechtsgutachten: Kein Bedarf für Entlassung

Drozda ließ auch eine mögliche Entlassung von Husslein-Arco durch ein Rechtsgutachten evaluieren. Gutachter Thomas Angermair, der bereits in der Burgtheater-Causa tätig war, riet Drozda demnach von einer Entlassung ab, wie aus dem der APA vorliegenden Bericht hervorgeht. Als Gründe wurden unter anderem angeführt, dass das Kuratorium des Belvedere offenbar bereits länger davon wusste und Husslein-Arco eine Schadenswiedergutmachung ausgesprochen hatte.

Prokuristin wird gekündigt

Ebenfalls eine Entscheidung gibt es bezüglich der Zukunft der derzeit freigestellten Prokuristin Ulrike Gruber-Mikulcik, auf die das Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Husslein zurückgeführt wird. „Das Dienstverhältnis mit Frau Gruber wird beendet“, stellte Drozda klar. Darüber hinaus betonte er, dass Gruber-Mikulcik durch das Abzeichnen der kritisierten Abrechnungen auch eine Mitschuld treffen dürfte. Gruber-Mikulcik erstattete unterdessen Anzeige gegen Husslein-Arco wegen des Verdachts der Untreue - mehr dazu in Belvedere: Anzeige gegen Husslein.

Zinggl: „Zeichen gesetzt“

Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, lobte die Vorgangsweise Drozdas: „Der Minister hat ein Zeichen gesetzt, dass ethische Verfehlungen und Verstöße gegen unerlässliche Verhaltensregeln keinen Platz in den Kultureinrichtungen der Republik haben.“

Drozda habe erkannt, dass eine Missachtung von ethischen Grundsätzen die Kunst schwäche. „Er stellt sich damit gegen jene Lobby, die eigene Spielregeln für sich und das Kulturmanagement reklamiert“, so Zinggl: „Diese Entscheidung ist nicht zuletzt auch eine Anerkennung all derer, die im Kulturbetrieb korrekt arbeiten ohne eigene Vorteile und Befindlichkeiten mitzudenken.“

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