City wird zu teuer für Traditionsgeschäfte

Mehr und mehr Traditionsgeschäfte sperren in der Wiener Innenstadt zu. Übernahmen scheitern oft an unfinanzierbaren Mieten. Doch das dürfte nicht das einzige Problem sein, das Geschäften das Überleben in der Innenstadt erschwert.

Zieht ein neuer Mieter in ein Geschäftslokal ein, muss er mit einem Mietpreis rechnen, der im Vergleich zum alten Mietpreis oft um ein Vielfaches höher ist: „Ich habe erst kürzlich im Internet gesehen: 25 Quadratmeter beim Stephansplatz um 600 Euro pro Quadratmeter. Da kann ich kein Geschäft rentabel betreiben“, sagte Rainer Trefelik, der Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer. Nur noch internationale Ketten könnten sich solche Ausgaben leisten.

Sendungshinweis:

„Wien heute“, 23. August 2016

Seit Jahresbeginn wurden laut Kreditschutzverband 57 Konkurse im ersten Bezirk angemeldet. Im Vorjahr waren es insgesamt 78. Darunter befanden sich auch bekannte Traditionsbetriebe - mehr dazu in Letzter Tag für Feinkostgeschäft Böhle.

Wollzeile
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In der Wollzeile sperrten zuletzt mehrere Traditionsbetriebe zu

Verändertes Ambiente durch Demonstrationen

Neben dem Onlinehandel als Konkurrenz mache den Geschäften auch die „zunehmende Qualitätsminderung des öffentlichen Raums im ersten Bezirk“ zu schaffen. Trefelik: „Oft sind es individuelle und betriebliche Gründe, aber man muss sich auch das Ambiente in der Innenstadt anschauen.“ Ein Dorn im Auge sind ihm etwa die Rikschas am Stephansplatz, die „hier explosionsartig als wandelnde Werbeflächen im öffentlichen Raum herumgehen.“

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Das Spielwarengeschäft Kober in der Wollzeile meldete heuer Insolvenz an

Trefelik fordert hier mehr Sensibilität und Kontrollen. „Wir haben ja oft Regeln. In manchen Bereichen wird kleinlich exekutiert, in anderen ist ein bisschen ‚Wild West‘.“ Auch andere Faktoren schrecken kaufkraftstarke Kunden ab: „Fast jeden Samstag gibt es irgendeine Demonstration in der Innenstadt mit zum Teil hoher Polizeipräsenz“, so Trefelik. Nicht zu vergessen sei auch, dass Kunden in der Innenstadt auch ihre Autos parken möchten. Unter anderem durch die Einführung der Anrainerparkplätze sei die Parkplatzsituation derzeit nicht optimal.

Mehr Umsatz durch Sonntagsöffnung

Die Unternehmer im ersten Bezirk versuchen mit österreichischen Produkten, mit Beratung durch Fachkräfte und mit kreativen Nischenangeboten erfolgreich zu bleiben. Erst kürzlich hat etwa - entgegen dem digitalen Zeitgeist - ein Papierfachgeschäft in der Wollzeile eröffnet.

Das Geschäft laufe gut, sagt die Geschäftsführerin Sonja Völker-Wellanschitz. Doch sie fühlt sich im ersten Bezirk benachteiligt und fordert genauso wie die Wirtschaftskammer eine Tourismuszone sowie die Sonntagsöffnung. „Ich finde es nicht fair, dass ramschige Geschäfte, die Souvenirs haben, am Sonntag offen lassen dürfen. Die haben lauter Gips und Plastikzeug aus Fernost. Und wir, die hier in Wien produzieren und Arbeitsplätze fördern, sind benachteiligt.“

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