BV-Wahl: Die Strategien der Parteien

Der Bezirkswahlkampf in der Leopoldstadt ist drei Wochen vor dem Urnengang voll angelaufen. Die Parteien setzen dabei auf unterschiedliche Strategien und sogar mit Katzen und Einhörnern wird auf Stimmenfang gegangen.

„Wir machen einen Positivwahlkampf und zeigen was wir geleistet haben. Und wir zeigen was wir noch vorhaben. Eines der wichtigsten Themen ist für uns die Bildung der Kinder“, sagt der bisherige SPÖ-Bezirksvorsteher Karlheinz Hora. Inhaltlich setzen die Bezirks-Roten also auf Bildung, leistbaren Wohnraum und Erholung - Stichwort Prater. Das bisherige Zeugnis könne sich sehen lassen und diesen Weg wolle man fortsetzen, so Horas Botschaft. Derzeit stellt die SPÖ mit 17.499 Stimmen den Bezirksvorsteher in der Leopoldstadt.

Am 18. September wird die Bezirksvertretungswahl nach der Aufhebung durch den Verfassungsgerichtshof (VfGH) wiederholt - mehr dazu in Grätzelwahlkampf in Leopoldstadt.

Grüne treten mit Katze im Duell gegen Blau an

Die Grünen sind mit 10.031 Stimmen die zweitstärkste Partei und stellen den Vize. Sie setzen im Wahlkampf in der Leopoldstadt voll auf das Duell gegen die FPÖ. Nur 21 Stimmen Vorsprung trennen sie von den Freiheitlichen, die bei der Wahl im Herbst 2015 10.010 Stimmen bekommen haben. Im Hinblick auf diesen knappen Vorsprung wollen die Grünen nicht nur in ihrem Hoheitsgebiet am Karmelitermarkt mobilisieren, sondern im ganzen Bezirk. Sie setzen auf Straßendialoge und hohe Präsenz im Stadtbild - mehr dazu in BV-Wahl: Werben um die Leopoldstädter startet.

„Wo wir wohnen soll, die Lebensqualität auch gesteigert werden. Eine Lebensqualität kann aber nicht gesteigert werden, wenn wir jetzt versuchen mehr Verkehr anzuziehen“, sagt Ursula Lichtenegger, die Spitzenkandidatin der Grünen in der Leopoldstadt. Um Wähler zu mobilisieren, bedienen sich die Grünen auch eines - in grünen Wahlkämpfen schon fast obligatorischen - Tieres. „Wer nicht wählen geht, macht blau“, lautet der wortspielerische Slogan, der unter einer schläfrigen rothaarigen Katze prangt.

Zudem setzen die Grünen auf Parteimitarbeiter im blauen Morphsuit. An Tafeln baumelt der Spruch „Wer nicht wählen geht, wird sich wundern, was alles geht“, der an ein viel diskutiertes Zitat des FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer angelehnt ist. Aber nicht nur den Grünen bereitet die Wiederholung ein Kopfzerbrechen, auch bei der SPÖ fürchtet man Verluste durch die Zuspitzung auf ein blau-grünes Duell - mehr dazu in Leopoldstadt: SPÖ-Sorgen durch Blau-Grün-Duell.

Grafik zum Wahlergebnis in Wien Leopoldstadt
Grafik: ORF.at; Quelle: APA

FPÖ setzt auf Kernthemen und Strache

Die FPÖ setzt neben lokalen Anliegen im Wahlkampf auf blaue Kernthemen wie Sicherheit, Asyl und Islam. „Es wird ganz Wien mit uns wahlkämpfen“, kündigte der FPÖ-Spitzenkanditat Wolfgang Seidl an. Das Ziel müsse sein, in den kommenden Wochen mit allen 70.000 Wahlberechtigten zumindest einmal in Kontakt gewesen zu sein.

Heißer Wahlkampf in der Leopoldstadt

Für die SPÖ geht es bei der Wahl in der Leopoldstadt um den Erhalt des Bezirkvorstehers. Ein knappes Rennen wird um Platz Zwei erwartet.

Die von den Grünen angeblich geplante Verengung zentraler Verkehrsachsen für den Autoverkehr müsse verhindert werden, da das „ein Supergau für den Bezirk wäre“. Ebenso setzt die FPÖ auf ein von ihr gefordertes Alkoholverbot am Praterstern. Auch andernorts verlangte Seidl Verschärfungen: „Mit der illegalen Prostitution im Stuwerviertel noch immer wahnsinnige Probleme gibt“, gab sich Seidl überzeugt. Für Stimmen soll auch Parteiobmann Heinz-Christian Strache, der im Wahlkampf auch auf den Plakaten und Broschüren zu sehen ist.

ÖVP will „Stabilität in den Bezirk bringen“

ÖVP-Bezirksparteiobfrau Sabine Schwarz hat die „Jagd nach mehr Stimmen“ ausgerufen. Als Spitzenkanditat geht Hubert Pichler ins Rennen. Im Hauptberuf ist er Praterunternehmer und er will die ÖVP jedenfalls als „Partei der Vernunft“ positionieren und statt populistischer Aktivitäten „Stabilität in den Bezirk bringen“. Ergebnismäßig hofft er auf acht bis neun Prozent - was zu den am 11. Oktober 2015 erreichten 7,08 Prozent (3.207 Stimmen) jedenfalls ein Plus wäre.

Thematisch setzt die Volkspartei auf mehr geförderte Eigentumswohnungen, Verkehr und eine Neugestaltung des Pratersterns. Was Letzteren betrifft, wolle man etwa als Verbindung zur Hauptallee eine Brücke statt einer Unterführung. Ein genaues Konzept will die ÖVP demnächst präsentieren.

Einhorn als Maskottchen von NEOS

NEOS erhofft sich nicht zuletzt durch ein Einhorn entsprechende Zugkraft. Dieses Fabelwesen haben die Pinken als Maskottchen für den Wahlkampf auserkoren. Ganz in Weiß mit knallrosa Horn soll es gewissermaßen symbolisch die reine Politik der NEOS symbolisieren, erläuterte Landessprecherin Beate Meinl-Reisinger. Sie gab das Ziel aus, die zuletzt viertplatzierte ÖVP am 18. September zu überholen. Zuletzt hatte NEOS 2.573 Stimmen erreicht.

Den Plätzetausch soll Spitzenkandidat Christian Moritz schaffen. „Anders als Schwarz-Blau verwandeln wir Wut in Mut“, umriss er das pinke Prinzip. Konkret will er den viel diskutierten Brennpunkt Praterstern aus dem „Schmuddeleck“ herausholen und mit Bürgerbeteiligung neu gestalten. Die Praterstraße soll außerdem zum „Innovationsboulevard“ werden und Förderungen an parteinahe Vereine sollen der Vergangenheit angehören.

Auch wieder antreten wird die Liste Andas. Sie hat derzeit einen von 60 Bezirksräten und ist ein Zusammenschluss von KPÖ, Unabhängigen und der Liste echt Grün. Im Herbst 2015 kam die Liste Andas auf 1.255 Stimmen.

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