Trotz Protesten: Gründerzeithaus abgerissen

Jahrelang hat die Initiative Denkmalschutz für den Erhalt eines Gründerzeithauses in Hietzing gekämpft. Nun ist das Haus trotzdem abgerissen worden, das bedauert auch die Stadt. In Zukunft soll so ein Vorgehen Konsequenzen haben.

Das Doppelhaus aus der Gründerzeit in der Hietzinger Hauptstraße 100 galt nicht nur in den Augen der Initiative Denkmalschutz als erhaltendwürdig. Auch eine Stellungnahme der MA 19 für Architektur und Stadtgestaltung kam zu diesem Urteil. Allerdings hat der Eigentümer des Hauses dagegen Einspruch erhoben und durch das Verwaltungsgericht Recht bekommen.

Ende August hat der Liegenschaftseigentümer dann vollendete Tatsachen geschaffen und das Haus schlicht abreißen lassen, wie Claus Süss von der Initiative für Denkmalschutz im Gespräch mit Radio Wien berichtete: „Der jahrelange Streit hat darin gegipfelt, dass dieses Haus, das ein ensembleträchtiges Kulturgut war, dem Erdboden gleichgemacht wurde.“

Abriss Gründerzeithaus Hietzing
Initiative Denkmalschutz/Rudi Wawra
Trotz Bemühen der Stadt wurde das Gründerzeithaus in Hietzing abgerissen

Stadt findet Vorgehen „unglücklich und bedauerlich“

Auch die Stadt Wien habe sich nachhaltig bemüht und alle ihre Register gezogen, um das Gebäude zu erhalten, wie im Büro der zuständigen Stadträtin Maria Vassilakou von den Grünen betont wurde. Unter anderem wurde dort eine Schutzzone festgelegt, in der keine Gebäude abgerissen werden dürfen. Diese Tatsache habe vor dem Gericht aber nicht gehalten: „Das ist höchst unglücklich und bedauerlich“, heißt es.

Die Entscheidung könnte weitreichende Konsequenzen haben, denn die Stadt will sich für künftige Fälle wie diese besser rüsten: "Wir werden uns genauer anschauen müssen, welche Konsequenzen das für die Verfahren der Stadt Wien in Zukunft haben muss“, so ein Sprecher von Vassilakou.

Initiative beklagt „Abrisswelle“

In diesem Fall dürfte der Liegenschaftseigentümer laut Initiative Denkmalschutz einen juristischen Trick genutzt haben: Denn prinzipiell können Neubauverfahren und Abbruchgenehmigungen parallel betrieben werden. Daher erhielt er einen positiven Baubescheid, obwohl der Abbruch noch nicht genehmigt war. Das Gericht zog dann diesen positiven Baubescheid heran und genehmigte den Abriss.

Grundsätzlich ortet Süss von der Initiative Denkmalschutz derzeit eine „Abrisswelle, die über Wien rollt“, die beispielsweise den Türkenwirt im 19. Bezirk getroffen habe - mehr dazu in Abriss von Tüwi gestartet. Es gebe auch jetzt noch eine Vielzahl von erhaltenswerten Objekten außerhalb der Schutzzonen. Er vermisse hier auch das rechtzeitige Engagement der Politik, so Süss.

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