Uschi Lichteneggers Weg zur Bezirkschefin

Von der grünen Stellvertreterin zur Bezirkschefin: Uschi Lichtenegger übernimmt die vormalige rote Hochburg Wien-Leopoldstadt, die seit 1945 fest in SPÖ-Hand war. Ein Porträt über die grüne Familienhelferin und Politikerin.

Seit 1945 war die Leopoldstadt in SPÖ-Hand. Dies war auch nach der Wahl am 11. Oktober 2015 noch so. Damals lagen die Grünen noch auf Platz zwei. Nach der vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) angeordneten Wiederholung am Sonntag machte nun Lichtenegger das Rennen - mehr dazu in BV-Wahl: Lichtenegger freut sich „wahnsinnig“

„Machen wir die Leopoldstadt gemeinsam zum beliebtesten Bezirk Wiens: modern, grün, sozial und weltoffen“, warb Lichtenegger auf der Webseite der Grünen Leopoldstadt. Die Neo-Bezirkschefin ist im zweiten Gemeindebezirk fest verankert: Sie wohnt im Volkertviertel, arbeitet in der Taborstraße und sportelt im Prater.

Uschi Lichtenegger
APA / Herbert P. Oczeret
Uschi Lichtenegger, 55 Jahre, wird neue Bezirkschefin in der Leopoldstadt

Kulturarbeiterin und Zeitungsgründerin

Lichtenegger wurde 1961 in Wien geboren und absolvierte nach der HAK eine Bürolehre. Ab 1980 war sie im Verlag für Gesellschaftskritik tätig. Später machte sie eine Ausbildung zur Familienhelferin und einen New Media-Lehrgang.

Bis 2010 arbeitete Lichtenegger im Bereich Buch- und Zeitschriftenherstellung sowie im Sekretariat in der Theodor Kramer Gesellschaft. Seit 2012 ist sie schließlich beim DSE-Wien, dem Dachverband für sozialökonomische Einrichtungen, beschäftigt. Zusätzlich engagiert sich die Bezirkspolitikerin in Sozial- und Kulturvereinen wie der ARGE Randkunst oder dem Kulturkreis Mexikoplatz. Weiters ist sie Mitbegründerin der Stadtteilzeitung Grätzl-Blattl.

Bei den Grünen ist Lichtenegger seit den 2000er-Jahren aktiv. Dem Vernehmen nach war Schwarz-Blau ihr Motiv für den Einstieg in die Politik. Zuletzt war sie zweite Bezirksvorsteher-Stellvertreterin. In der Landesorganisation engagiert sie sich unter anderem in der Frauenorganisation, ist Teil des Steuerungsteams für Gendermainstreaming und Bezirkskoordinatorin. Lichtenegger ist geschieden, hat drei erwachsene Kinder und zwei Enkeltöchter - sowie einen Hund.

Wahlkampf gegen die FPÖ

Zu ihren politischen Schwerpunkten zählen laut eigenen Angaben die Bürgerbeteiligung, feministische Frauenpolitik, Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie die Integrationspolitik. Zu ihren Zielen gehören außerdem die Öffnung des Augartens statt der weiteren Verbauung des Grün-Areals sowie eine lebendige Kultur und Geschichte der Leopoldstadt.

Für die Neudurchführung der Bezirkswahl hatte sich Lichtenegger beim Wahlkampfauftakt noch folgendes Ziel gesetzt: „Ich will die Wahl deutlich vor der FPÖ gewinnen.“ Dies ist ihr gelungen. Im Herbst 2015 betrug der Abstand zwischen den zweitplatzierten Grünen und der drittplatzierten FPÖ nur 21 Stimmen - mehr dazu in Grüner Erdrutschsieg in der Leopoldstadt und BV-Wahl: Grün hat Anti-FPÖ-Effekt genutzt.

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