Tauziehen um Gründerzeithaus in der Hetzgasse

Ein Gebäude im dritten Bezirk ist Gegenstand eines jahrelangen Streits zwischen Grünen, Bürgerinitiativen und dem Eigentümer. Eine Gemeinderatsabstimmung hat am Donnerstag über eine Schutzzone rund um das Haus entschieden.

10 Jahre - so lange dauert der Streit um das Gründerzeithaus in der Hetzgasse 8 schon an. Der Eigentümer, die Baugruppe Soulier GmbH möchte das dreistöckige Haus dem Erdboden gleichmachen und einen Neubau auf dem Grundstück errichten. Die Grünen möchten das Gebäude erhalten. Sie erwirkten einen Baustopp bei dem bereits teilabgebrochenen Haus, indem sie einen Antrag auf eine Erweiterung der Schutzzone auf das gesamte Weißgerberviertel und Radetzkyviertel stellten. Im Gemeinderat wurde diesem Antrag zugestimmt.

Hetzgasse 8 als Symbol für Spekulation gehandelt

Die Bürgerinitiative „Die Hetzgasse“ und die „Initiative Denkmalschutz“ dürften sich über dieses Ergebnis freuen. Sie möchten das 1874 errichtete Gebäude erhalten sehen. Die FPÖ sieht zumindest die Fassade als schützenswert. Für die linke Allianzpartei „Wien anders“ steht die Hetzgasse 8 symbolisch für alle leer stehenden und dem Verfall überlassenen Häuser in Wien. Sie kritisieren sie als Spekulationsobjekte, die die Mieten in Wien in die Höhe treiben sollen.

Sendungshinweis:

„Wien heute“, 29. September, 19.00 Uhr, ORF 2.

Die ÖVP stellte sich hinter die Baufirma Soulier GmbH und bezeichnete das Verfahren um die Schutzzonenerweiterung in ihren Aussendungen als „Schildbürgerstreich“ und als „Farce“. Für die Baugruppe steht fest, ein Neubau wäre im Sinne der Bevölkerung, was auch von einem Interessensbescheid der MA 64 bestätigt wurde.

Die Firma will ein energieeffizientes Haus mit 56 - nach eigenen Angaben „leistbaren“ - Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit Balkonen und Gartenparzellen auf dem Grundstück der Hetzgasse 8 errichten. Der geplante Neubau sei barrierefrei zugänglich, umweltfreundlich und ruhig. Außerdem würde es Wohnungen schaffen, die in Wien dringend benötigt würden, so die Baugruppe.

Clemens Bauer, Soulier GmbH
ORF
Clemens Bauer von der Firma Soulier GmbH möchte das Haus abreißen

„In Wien gibt es viele Hetzgasse 8“

Die Grünen entgegnen, dass auch Altbauten klimafreundlich saniert werden könnten und der Leerstand vieler Altbauten für die Wohnungsnot verantwortlich seien. Sie befürchten außerdem, dass die neuen Wohnungen zu Marktpreisen weit über den für Altbauwohnungen gestatteten Mietzinsobergrenzen angeboten werden könnten und somit nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung leistbar wären.

„Nachdem es in Wien viele ‚Hetzgasse Nr. 8‘ gibt, gilt es besonders im Interesse vieler Bewohner und Bewohnerinnen den Abriss des Hauses zu verhindern“, so Ulrike Pilgram Klubobfrau der Grünen im dritten Bezirk in einem schriftlichen Statement gegenüber wien.ORF.at. Ihre Partei fordert eine Änderung des Mietrechtsgesetzes, um Objekte wie die Hetzgasse 8 vor dem Abbruch und deren Bewohner vor der Delogierung zu schützen. Da dies aber nur auf Bundesebene beschlossen werden kann, strebten die Grünen Landstraße eine Schutzzonenerweiterung an.

Christoph Chorherr
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Christoph Chorherr, Grüne sieht die Rechtssicherheit nicht gefährdet

Baugruppe fühlt sich in Rechtssicherheit bedroht

Die Firma Soulier GmbH sieht sich durch dieses Verfahren in ihrer Rechtssicherheit bedroht. Das Haus werde bei der MA64 und der Baupolizei schon lange als Abbruch- und Neubauprojekt geführt. Die Firma hatte bereits 1,5 Millionen Euro in dieses Bauprojekt investiert, die Kosten für das Grundstück selbst nicht mitgerechnet.

Auch der Ausgang der Gemeinderatsabstimmung über den Schutzzonenantrag wundert sie sich. Clemens Bauer, Geschäftsführer der Firma sagt im Wien heute-Interview: „In diesem Grätzl gleich kein Haus dem anderen. Gewisse Häuser sind dort ausgenommen, die einen wesentlich besseren Zustand aufweisen. Gegenüber von uns sind eine Reihe an sehr großen Neubauten und Bürogebäuden erschaffen, also ich glaube tatsächlich nicht, dass es sich um eine Schutzzone handeln kann.“

Gemeindebau an Privatstiftung verkauft

Das Zinshaus in der Hetzgasse 8 wurde 1874 erbaut. Später ging es an die Gemeinde Wien über. 2001 wurde das damals schon sanierungsbedürftige Haus unter Wohnbaustadtrat Werner Faymann an eine Privatstiftung verkauft. Im Winter 2006 kam es zu einem schweren Wasserschaden. Die Bewohner des Hauses ersuchten um eine Generalsanierung, doch nur die nötigsten Reparaturen wurden vorgenommen. Die Grünen sehen hier den Beginn des Streits. 2012 wurde das Gebäude an die Tochter des Eigentümers, Ingrid Soulier verkauft. Auch sie hielt eine Generalsanierung für unrentabel.

Ihre Firma strebte einen Abbruch und Neubau des Hauses gegen massiven Widerstand von Bürgerinitiativen, Grünen und Bewohnern des Hauses an. Diese hatten unbefristete Mietverträge und zahlten 234 Euro für 127 m2 große Wohnungen. Als die letzte Familie gegen eine Ablöse von 450.000 Euro Ende April dieses Jahres das Haus verließ, wurde mit dem Abbruch begonnen. Doch die Grünen erwirkten in Zusammenarbeit mit „Wien andas“ und der FPÖ einen Baustopp, indem sie einen Antrag auf eine Schutzzonenerweiterung stellten, dem am 29. September stattgegeben wurde.

Streit um Gründerzeithaus

Über ein Gründerzeithaus in der Hetzgasse im dritten Bezirk ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Ein Unternehmer will das Gebäude abreißen.

Abriss trotz Schutzzone möglich

Dabei ist eine Schutzzonenerweiterung noch keine Garantie für den Erhalt des Hauses in der Hetzgasse 8. Erst Anfang des Monats wurde ein Gründerzeithaus in einer Schutzzone in Hietzing abgerissen. Allerdings kann es Monate bis Jahre dauern, bis ein Verfahren über eine Abrissbewilligung in einer Schutzzone zu einer Entscheidung führt, so die Baupolizei gegenüber wien.ORF.at - mehr dazu in Trotz Protesten: Gründerzeithaus abgerissen und Stadt gegen Häuserverfall machtlos.

Theresa Loibl, wien.ORF.at

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