Klimts „Kuss“ zum Anfassen

Das Gustav-Klimt-Gemälde „Der Kuss“ wird am Tag des weißen Stocks am 15. Oktober im Belvedere ein ungewöhnliches Kunsterlebnis ermöglichen. Sehbehinderte können das Bild, das in ein interaktives Relief übergeführt wurde, ertasten.

„Das neue Relief vom ‚Kuss‘ zeigt, dass Gemälde auch etwas für blinde Menschen sind“, so Reiner Delgado, Kulturreferent des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes. "Mit Hilfe der interaktiven Audioinformationen geht es nicht mehr nur um ein abstraktes Verstehen des Bildaufbaus, sondern das Bild kann direkt in seiner Emotionalität und Strahlkraft zum Betrachter sprechen.

Der Kuss zum Anfassen
Andreas Reichinger, VRVis

Jedes Ornament, jedes Detail von Klimts „Kuss“ ist als Tastrelief für Menschen mit Sehbehinderung spürbar. Zudem „spricht“ das Kunstwerk auch zum Ausstellungsbesucher: Bei der Berührung bestimmter Bereiche des Reliefs liefert ein Audioguide Informationen. Somit wird das berühmte Gemälde jetzt auch für Menschen mit Sehbehinderung erlebbar.

Tastbare Reliefdarstellung

Das Gemälde wurde computergestützt in eine 42 x 42 cm große Reliefdarstellung übergeführt. Viele kompositorische und ornamentale Details wurden pixelgenau fühlbar und tastbar gemacht. Mit Hilfe einer einzigartigen Finger-Tracking-Technologie geben bestimmte Bereiche des Reliefs bei Berührung Audioinformationen wieder. Damit wird das Relief zum Audioguide, der das autonome Erleben des Kunstwerkes vertieft.

Dieses Relief ist ein Ergebnis des EU-Projektes AMBAVis, das seit zwei Jahren läuft und bei dem folgende Partner mit an Bord waren: Economica Institut für Wirtschaftsforschung (AT), die VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH (AT), die Österreichische Galerie Belvedere (AT), der Österreichische und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband, das Manchester Museum (GB) sowie die NGO Trnka (SK).

AMBAVis verbessert Zugang für Sehbehinderte

Das EU-Projekt versteht sich als treibende Kraft zur Weiterentwicklung und Verbreitung taktiler und auf 3-D-Technologien basierender Vermittlungspraktiken in Museen. Ziel ist es, Menschen mit Sehbehinderung einen barrierefreien Zugang zu den Kunstwerken zu ermöglichen.

Das Relief ist im Rahmen eines zwei Jahre dauernden EU-Projektes entstanden, Partner waren die Österreichische Galerie Belvedere, wo das Relief präsentiert wird, und auch wissenschaftliche Einrichtungen wie etwa das Economica Institut für Wirtschaftsforschung. Ziel des EU-Projektes ist es, die taktile und auf 3-D-Technologien basierende Vermittlung von Kunstwerken zu fördern. Für die Zukunft wird an neuen Technologien gearbeitet: Etwa ein Feld aus beweglichen Stäben, mit denen jede Oberfläche nachgeahmt werden kann. So soll es möglich sein, mehrere Bilder in einem Museum als temporäres 3-D-Relief darzustellen.

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