Junge Muslime in Radikalisierungsgefahr

Junge Muslime sind gefährdet, sich zu radikalisieren: Das geht aus einer Studie hervor, die in Wiener Jugendzentren durchgeführt worden ist. Bei 27 Prozent der Befragten wurde eine latente Radikalisierungsgefahr festgestellt.

Die Studie wurde im Winter 2014/2015 im Auftrag des Rathauses durchgeführt. Befragt wurden 401 Jugendliche, davon 214 mit islamischem Glauben, im Alter von 14 bis 17 Jahren, in 30 Einrichtungen der städtischen Jugendarbeit.

„Ideologie der Ungleichwertigkeit“

Aus der Studie geht hervor, dass rund 27 Prozent aller befragten muslimischen Jugendlichen latent radikalisierungsgefährdet sind. 31 Prozent weisen eine leichte bis mittlere Gefährdung auf und rund 42 Prozent sind gemäßigt. Die Gruppe der stark Gefährdeten sympathisiert laut der Studie mit dem Dschihad, ist dem Westen feindlich eingestellt und gewaltbejahend. Sie hat laut den Studienautoren die „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ gegenüber Nicht-Muslimen verinnerlicht.

Radikalisierungsstudie
ORF
Die Gruppe der Muslime wurde speziell im Hinblick auf mögliche Radikalisierungsgefährdung begutachtet

Rassismus und Homophobie verbreitet

„Diese Jugendlichen sind nicht radikalisiert, aber ein Teil mit 27 Prozent, ist latent gefährdet. Die Frage ist, wie wir es schaffen, diese Jugendliche so zu stabilisieren, dass sie nicht so in eine Richtung gehen“, so Studienleiter Kenan Güngör gegenüber „Wien heute“. Ziel ist, dass die Jugendlichen wieder zu liberalen Positionen finden.

Sendungshinweis:

Wien heute, 16.10.2016

Abgefragt wurden bei der Studie auch Werte-Einstellungen. Fast 50 Prozent der befragten muslimischen Jugendlichen sind demnach antisemitisch eingestellt, während diese Zahl insgesamt bei 33 Prozent liegt. Auch bei Homophobie und der Demokratiedistanz liegen die Werte der muslimischen Jugendlichen mit knapp 60 Prozent beziehungsweise 35 Prozent deutlich über dem Gesamtschnitt.

Radikalisierungsstudie
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Die befragten Muslime waren eher rassistisch, homophob oder antisemitisch eingestellt als der Rest

70 Prozent österreichische Staatsbürger

Weibliche Jugendliche werten laut der Untersuchung seltener und weniger stark ab als männliche. Auch Jugendliche mit höherer Bildung sind toleranter. Klare Zusammenhänge zeigen sich demnach zwischen den Vorurteilstendenzen und der Sorge um die berufliche und schulische Zukunft.

Da die Befragten eher aus sozial schwächeren Milieus stammen, kann man aus den Zahlen laut den Studienautoren Caroline Nik Nafs und Kenan Güngör keinen Schluss für ganz Wien ziehen. Die gegenständliche Gruppe bestand zu 85 Prozent aus jungen Menschen mit Migrationshintergrund. 53 Prozent waren muslimisch, 36 Prozent christlich.

Die Jugendlichen aus Zuwandererfamilien waren stark der Tradition ihrer Eltern verbunden, führten die Autoren aus. Die Mehrheit fühlt sich zwar als Österreicher - tatsächlich waren fast 70 Prozent der Befragten österreichische Staatsbürger - doch hätten vertiefende Interviews gezeigt, dass es durchaus Ängste gebe, nicht als solche anerkannt zu werden.

Frauenberger: „Müssen Jugendliche schützen“

Betont wurde, dass viele problematische Aussagen bei näherem Nachfragen ihre Eindeutigkeit verlieren - und in Widersprüche umschlagen. So seien etwa Jugendliche, die in der Theorie eine islamistische Gesellschaft befürworten, dagegen, dass etwa Freunde von ihnen gegen ihren Willen ein Kopftuch tragen müssten. Unter den Befragten seien jedenfalls keine überzeugten Extremisten zu finden gewesen, versicherte Gabriele Langer, die Geschäftsführerin der Wiener Jugendzentren.

SPÖ-Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger: „Wir müssen unsere Jugendlichen gut schützen, damit sie erst gar nicht in die Fänge der Extremisten gelangen können.“ Helfen soll eine Reihe von Maßnahmen, wie erhöhte Community-Arbeit und verstärkt Werte-Vermittlung in den Jugendzentren. Die Stadt Wien habe bereits vor Jahren vorbeugend agiert, erklärte auch SPÖ-Gemeinderätin Tanja Wehsely in einer Aussendung und verwies auf Beratungsgespräche und die Schulung von Pädagogen.

Kritik von ÖVP und FPÖ

Wiens ÖVP-Chef Gernot Blümel fordert, die Studie zur Radikalisierung von Jugendlichen umgehend öffentlich zu machen. Verantwortlich für die Ergebnisse macht er die rot-grüne Stadtregierung, die konsequent wegschaue und blind beschönige. Einmal mehr fordert Blümel in einer Aussendung, die Wertevermittlung in den Mittelpunkt zu stellen und eine „Werteformel“ an Schulen einzuführen.

Für die FPÖ ist mit den Ergebnissen der Studie zur Einstellung Wiener Jugendlicher „Multi-Kulti endgültig“ gescheitert. Anstatt „wenigstens die zweite Generation irgendwann einmal zu integrieren, ziehen wir uns hier eine neue Generation teilweise fanatischer Dschihadisten heran“, erklärte Jugendsprecher Maximilian Krauss. Gleichzeitig forderte er die Ablöse von Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). Und von NEOS heißt es, dass das Ergebnis der Studie zeige, dass endlich gehandelt werden müsse.

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