Stella Rollig übernimmt Belvedere

Die Linzer Museumschefin Stella Rollig wird künstlerische Leiterin des Belvedere. Die kaufmännische Leitung übernimmt der bisherige „Standard“-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann.

„Habemus Belvedere-Direktion“, sagte Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) in vatikanischen Dimensionen über die getroffene Entscheidung. Dabei müsse man sagen: „Sie ist relativ leichtgefallen.“

Stella Rollig Wolfgang Bergmann
APA/Hans Klaus Techt
Stella Rollig übernimmt am 16. Jänner die Leitung des Belvedere

Rollig freut sich „wahnsinnig“

Schließlich hätten beide neuen Leiter große Führungserfahrung. So ist die 1960 geborene Wienerin Rollig nach zahlreichen Stationen seit 1. Mai 2004 künstlerische Direktorin des Linzer Kunstmuseums Lentos, seit fünf Jahren zusätzlich des Nordico Museums. „Ich freue mich wahnsinnig, nach Wien zurückzukommen“, sagte Rollig.

Der 1963 in St. Pölten geborene Bergmann war nach seinem Theologiestudium in Wien zunächst Leiter der Caritas-Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. 1999 erfolgte der Wechsel zur Tageszeitung „Der Standard“, wo er 2001 zum Geschäftsführer aufstieg.

Rollig will Belvedere-Profil schärfen

Neugierde, Haltung und die Entwicklung einer Vision seien die Säulen, auf denen ein Museum der Zukunft stehen müsse, so die künftige Belvedere-Chefin. Im Konkreten müsse man das Profil der Belvedere-Standorte schärfen: „Wir können eine größere Klarheit gewinnen, welches Ausstellungshaus wofür steht.“

Wolfgang Bergmann
APA/Hans Klaus Techt
Wolfgang Bergmann wird kaufmännischer Geschäftsführer

„Das 21er Haus soll noch deutlicher Kunst seit den 1960ern bis zur zeitgenössischen Kunst zeigen“, sagte Rollig, die eine „Beruhigung und Klärung“ bei der Zahl und Dauer der Ausstellungen in Aussicht stellte. Während das Untere Belvedere seinen Schwerpunkt auf der Kunst des 19. Jahrhunderts behalten solle, werde man in der Orangerie einen Schwerpunkt auf die Beziehungen Österreichs zu Mitteleuropa legen. Was mit dem Ambrosi-Museum im Augarten geschehe, lasse sich noch nicht sagen, da müsse sie sich erst die Vertragsgrundlage mit der ebenfalls am Standort beheimateten TBA21 ansehen.

Winterpalais dürfte Geschichte sein

Das Winterpalais als Ausstellungsstandort des Belvedere dürfte indes mit Ablauf der für 2017 geplanten Schauen Geschichte sein. „Wenn jemand dafür verantwortlich ist, bin es ich - nicht die Frau Rollig“, stellte Kulturminister Drozda klar. Das Finanzministerium habe den Mietvertrag für die Räumlichkeiten gekündigt und entscheide über die künftige Verwendung: „Ich habe dafür gekämpft, ich habe es ungern zur Kenntnis genommen, aber es war Teil eines Budgetkompromisses. Dass der Kulturminister immer gerne mehr Ausstellungsräume als weniger hat, ist ja keine Frage.“

Ein Museum dürfe nie die Bereitschaft aufgeben, von anderen zu lernen und sich auch zu positionieren, so die künftige Belvedere-Chefin Rollig: „Ich meine, dass Museumsarbeit klar von einer politischen, ethischen Haltung grundiert sein muss.“ Dazu gehöre auch, eine Vision zu entwickeln für eine Welt, in der wir leben wollen. So könne man nicht nur das althergebrachte Erbe verwalten: „Es muss auch das Erbe zukünftiger Generationen gestaltet werden.“

Dazu gehörten für sie Fragen wie: „Was ist die österreichische kulturelle Identität im Gefüge der heutigen globalisierten Welt?“ Das Museum müsse heute als „Content-Provider“ auftreten und wie ein Medienunternehmen verschiedenste Plattformen bespielen: „Ein Museum kann sich nicht darauf beschränken, Ausstellungen zu machen.“

Bergmann: Funke ist „übergesprungen“

Auch der neue wirtschaftliche Leiter Bergmann zeigte sich erfreut, nun einen neuen Bereich für sich zu erschließen: „Nach 17 Jahren ist es durchaus auch einmal Zeit, neue Herausforderungen anzunehmen.“ Er sehe seine Hauptaufgabe als Geschäftsführer im Wesentlichen darin, die künstlerischen Visionen seines Pendants zu ermöglichen. „Das wird in Zeiten knapper Haushalte nicht immer ganz leicht sein“, sagte Bergmann. Auf die Zusammenarbeit mit Rollig freue er sich in jedem Falle, so der künftige Museumsmitarbeiter in Richtung Kulturminister Drozda: „Ich muss das Kompliment an die Partnervermittlung machen - bei unserem ersten Date ist der Funke übergesprungen.“

Insgesamt hatten sich 86 Personen für die beiden Positionen der künstlerischen und der kaufmännischen Leitung des Belvedere beworben. Von den 35 Interessenten für die künstlerische Position wurden in einem ersten Schritt elf zu vertieften Gesprächen geladen, von den 51 für die des Geschäftsführers vier, wie Sektionsleiterin und Belvedere-Kuratoriumschefin Andrea Ecker bekanntgab - mehr dazu in 86 Bewerbungen für Husslein-Nachfolge.

Vorwürfe gegen Husslein-Arco

Bereits im Mai hätte die neue Doppelspitze feststehen sollen, doch nach den Querelen um die Verstöße gegen die hausinternen Compliance-Richtlinien durch die derzeitige Direktorin Agnes Husslein-Arco entschied sich Drozda für eine Neuausschreibung der Posten. Husslein-Arco wurde vorgeworfen, dass sie etwa Mitarbeiter des Belvedere für private Zwecke eingesetzt habe. Eine offizielle Bestätigung dieser Vorwürfe gab es bisher nicht. Für die neue Leitung wurde eine „teamorientierte Persönlichkeit“ gesucht.

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