RH-Kritik: KAV gab 48 Mio. für Berater aus

Ein aktueller Rohbericht des Rechnungshofes (RH) erhebt schwere Vorwürfe gegen den Krankenanstaltenverbund (KAV). So sollen die Gagen der Vorstandsmitglieder zu hoch sein. Zudem wurde viel Geld in externe Berater investiert.

Die Ausgaben für externe Berater stiegen von 2012 bis 2015 um 197 Prozent, so der RH in seinem Rohbericht, aus dem die Gratiszeitung „Heute“ (Freitagsausgabe) zitiert. In dieser Zeit wurden mehr als 48 Millionen Euro dafür ausgegeben - der Nutzen sei aber nicht immer nachvollziehbar. Vor Beauftragung von externen Beratungsdienstleistungen sollen keine nachvollziehbaren Kosten-Nutzen-Analysen durchgeführt worden sein. Seit Jahren werde zudem ein neues „internes Kontrollsystem“ diskutiert. Die Umsetzung ist offen, weil der Vorstand keine Entscheidung traf.

Mitarbeiter bei interner Umfrage unzufrieden

Das ärgert auch die Mitarbeiter, die laut einer internen Befragung dem KAV generell kein gutes Zeugnis ausstellen. Nur 47 Prozent der Mitarbeiter sind laut „Heute“ mit der Arbeitssituation zufrieden (2012: 57 Prozent), 52 Prozent halten ihre Arbeit für nützlich und wertvoll (2012: 70 Prozent). Einer der Kritikpunkte der Belegschaft an der Generaldirektion lautet dabei: „Zu einigen Themenbereichen wurden externe Experten bevorzugt herangezogen, obwohl umfassendes Wissen und langjährige Erfahrung auch im KAV intern vorhanden waren.“

Jansen
ORF
Unter anderen KAV-Generaldirektor Udo Janßen soll laut RH zu viel verdienen

Gehälter über Branchen-Durchschnitt

Der RH kritisiert auch die Gehälter der Entscheidungsträger: Der dreiköpfige Vorstand habe zwar weniger Verantwortung als vergleichbare Manager in Unternehmen mit Bundesbeteiligung, dafür aber eine höhere Gage, wie der RH feststellt. „Das Durchschnittseinkommen lag deutlich über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von rund 208.000 Euro“, wird aus dem Rohbericht zitiert.

Generaldirektor Udo Janßen verdient dem Vernehmen nach mehr als 24.000 Euro monatlich. Janßen habe zwar seine Zuständigkeit für sämtliche Schlüsselbereiche im KAV an seine Vorstandskollegen delegiert, mit ihnen aber keine Zielvorgaben festgelegt, so der RH.

Keine langfristige Personalstrategie ersichtlich

Von 2012 bis 2016 leiteten fünf verschiedene Personen interimistisch den Bereich Personal. Eine langfristige Personalstrategie für die 29.000 Beschäftigten fand der RH nicht, dafür Mitarbeiter, die zwar versetzt wurden, aber ein halbes Jahr lang nicht wussten, welche neuen Funktionen sie erhalten.

Im Rohbericht heißt es weiters: "... dass für große Bauprojekte derzeit nicht ersichtlich war, wer für diese die Projektorganisation übernahm", obwohl "... weitere Investitionen geplant waren". Damit gewinnt der Vorwurf der Kostenexplosion beim Krankenhaus Nord an zusätzlicher Brisanz, die derzeit ohnedies auch vom RH unter die Lupe genommen wird - mehr dazu in KH Nord wird Fall für Rechnungshof.

KAV weist Vorwürfe zurück

Der KAV betont heute in einer Stellungnahme, dass es sich um einen Rohbericht handle. Man habe nun drei Monate Zeit, zu den einzelnen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Zu den Gehältern heißt es: „Die Einkommen der Vorstandsmitglieder wurden in der gemeinderätlichen Personalkommission beschlossen und sind seit Langem bekannt. Ausverhandelt wurden die Gehälter zwischen den Betroffenen und der Magistratsdirektion - dieses Vorgehen ist kein KAV-Spezifikum, sondern wie bei allen anderen Verträgen dieser Art die korrekte Vorgehensweise innerhalb der Stadt.“

Außerdem bemüht der KAV auch einen internationalen Vergleich: Der Chef der Berliner Charite erhalte bei rund 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Jahreseinkommen von ca. 500.000 Euro.

Kritik von den Oppositionsparteien

Kritik kommt auch von den Oppositionsparteien: Die Wiener FPÖ und die ÖVP fordern beide erneut die zuständige Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) zum Rücktritt auf. Die FPÖ spricht von „Geldvernichtung“, die ÖVP ortet „völliges Versagen“. Auch NEOS Wien fordert „endlich“ Konsequenzen im KAV.

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