Weltlungenkrebskonferenz in Wien gestartet

Jährlich erkranken in Wien 4.500 Menschen an Lungenkrebs. Laut Spezialisten ist vor allem die späte Diagnose oft ein Problem. Am Sonntag hat der dreitägige Lungenkrebs-Weltkongress mit 6.000 Experten in Wien begonnen.

„Der Lungenkrebs ist der wichtigste Krebs weltweit. Er ist eine vermeidbare Tragödie“, sagte dazu Robert Pirker, Lungenkarzinomspezialist der MedUni Wien. Die dreitägige Konferenz beschäftigt sich mit allen Aspekten der Krankheit - von der Prävention über die Früherkennung bis zur Therapie von Patienten in allen Stadien der Erkrankung - beschäftigt.

„Spürt, sieht, tastet es nicht“

Nur etwa 15 bis 20 Prozent der Lungenkarzinome werden im Frühstadium erkannt. „Die Lunge hat keine Schmerzrezeptoren. Man spürt es nicht, man sieht es nicht, man tastet es nicht“, sagt Helmut Prosch vom Institut für Radiodiagnostik am AKH. Daher wird der Krebs meist erst spät erkannt, und die Heilungschancen sinken.

Hauptursache für Lungenkrebs ist bei 85 Prozent der Fälle das Rauchen. In den USA und Deutschland diskutiert man für aktive und ehemalige Raucher im Alter zwischen 55 und 75 Jahren - nach dem Vorbild der Mammographie bei Brustkrebs - ein jährliches Screening mittels Niedrigdosis-CT. Damit wären 20 Prozent der Todesfälle zu verhindern, sagen Experten.

Immuntherapie „ist ungeheuer ‚coole‘ Zeit für uns“

Die Langzeitüberlebenschancen sind durch neue Behandlungsmöglichkeiten, die auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden, gestiegen. Das zeige sich auch bei Patienten mit mehreren Metastasen. „Die Immuntherapie hat eine Revolution verursacht, weil wir haben schon Patienten, die vor zwei oder drei Jahren eine Immuntherapie bekommen haben und bei denen die Krankheit nicht wieder aktiv geworden ist“, sagt Wilfried Eberhardt, Onkologe am Klinikum Essen.

Die neuen Immuntherapien machen die Lungenkrebsspezialisten fast euphorisch. Nach Jahrzehnten langsamer Fortschritte werden mit zielgerichteten Medikamenten und den Antikörpern, welche das Abwehrsystem der Patienten gegen die Karzinome wieder scharf machen, bis dato kaum vorstellbare Erfolge erzielt. „Es ist eine ungeheuer ‚coole‘ Zeit für uns“, sagt Maximilian Hochmair, Leiter der Onkologie Unit am Otto-Wagner-Spital in Wien.

3.600 Todesfälle pro Jahr
In Österreich werden pro Jahr rund 4.100 Lungenkarzinom-Neuerkrankungen registriert. Jährlich sterben rund 3.600 Patienten.

Ein Monat Immuntherapie kostet derzeit zwischen 6.000 und 8.000 Euro, billiger wird es laut Experten je mehr Medikamente zugelassen werden. In Wien übernimmt die Kosten für Diagnostik und Therapie bei Lungenkrebs die Krankenkasse. „Wir müssen als Ärzte auch zusammenarbeiten und schauen, dass man unseren Patienten all die neuen Therapien auch anbieten kann und auch schaut, dass man sich die auch leisten kann“, sagt Robert Pirker von der Universitätsklinik für Innere Medizin am AKH.

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