Heumarkt: UNESCO droht Wien erneut

Die UNESCO ist auch von den neuen Plänen für das Heumarkt-Areal nicht begeistert: Der Wiener Innenstadt drohe eine Aberkennung des Welterbestatus. Das heute präsentierte neue Konzept sieht unter anderem ein niedrigeres Hochhaus vor.

Es bestehe die Gefahr, dass Wien in die Rote Liste des gefährdeten Weltkulturerbes aufgenommen wird, so die UNESCO am Dienstag in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Der nächste Schritt sei nun eine weitere Befassung des Welterbekomitees im Juli 2017 in Krakau. Anschließend drohe die Aberkennung des Welterbestatus für die Innenstadt - falls es nicht zu einer Überarbeitung kommt.

Visualisierung Heumarkt Verkleinerung
Isay Weinfeld/Sebastian Murr
Die roten Linien stellen die Ausmaße des ursprünglichen Projekts dar

Heumarkt-Projekt „in Kernzone“ von Welterbe

Die Gesamthöhe des Projekts mit den neu festgesetzten 66,3 Metern entspreche weiterhin nicht den Vorgaben: „Die UNESCO fordert seit 2012, die maximale Bauhöhe mit 43 Metern zu begrenzen.“ Die Welterbestätte umfasse eine Kernzone von rund 3,7 Quadratkilometern und eine Pufferzone von 4,6 Quadratkilometern. „Das Heumarkt-Projekt liegt in der Kernzone, dem sensibelsten Teil einer Welterbestätte“, sagte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der heimischen UNESCO-Kommission.

Das UNESCO-Welterbekomitee stellte im Juli 2016 fest, dass sich das Bauvorhaben in seiner damaligen Form negativ auf den „außergewöhnlichen universellen Wert“ der Innenstadt auswirkt, und forderte Planungsänderungen in Bezug auf Höhe, Maßstab, Masse und Gestaltung des Bauprojekts. Österreich (als UNESCO-Vertragspartner, Anm.) wurde ersucht, bis zum Februar 2017 einen aktualisierten Bericht über die Umsetzung dieser Maßnahmen vorzulegen. Die geforderten Änderungen, so wurde am Dienstag bekräftigt, seien „nicht verhandelbar“.

Hochhausturm sieben Meter niedriger

Bei der Präsentation der überarbeiteten Pläne für das Areal hatten sich Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) am Dienstag noch zuversichtlich gezeigt, dass die UNESCO die Änderungen positiv bewerten werde. Vorgesehen ist nun, den projektierten Hochhausturm von 73 Metern auf knapp über 66 Meter zu reduzieren. Das Hotel wird abgerissen, neu gebaut und ebenfalls verkleinert.

Rendering neues Konzept für Heumarkt
Isay Weinfeld&Sebastian Murr
Hochhausturm und Eisfläche werden leicht verkleinert

Kleiner wird auch der Eislaufplatz, da nun die Wege breiter werden. Statt der bisher geplanten 6.700 Quadratmeter sind jetzt nur noch 6.500 vorgesehen. Dazu kommt - wie auch im alten Konzept - eine 1.000 Quadratmeter große Eishalle. Nach eigenen Angaben hat der Eislaufverein derzeit 6.000 Quadratmeter Eisfläche.

Intercont wird abgerissen und neu gebaut

Projektbetreiber Michael Tojner (Wertinvest) musste zumindest aus wirtschaftlicher Sicht Abstriche machen, wie er am Dienstag eingestand: „Das Projekt ist schlechter geworden, überhaupt keine Frage.“ Der Turm wird drei Geschoße weniger haben, die auf Wohnungen entfallende Fläche reduziert sich um 24 Prozent.

Das Intercont wird, wie es hieß, an leicht veränderter Position neu errichtet. Gegenüber dem ursprünglichen Projekt sind es nun zwei Hotelgeschoße weniger, der Grundriss wurde ebenfalls verändert. Allerdings wäre bei einer Umsetzung des Erstprojekts von der Nobelherberge ebenfalls nicht viel übrig geblieben. Nur zehn bis 15 Prozent der Gebäudesubstanz hätte man erhalten, wie Tojner ausführte.

Baubeginn nicht vor 2019

Das Gesamtprojekt ist nun nach seiner „Redimensionierung“ im Gesamtkonzept deutlich reduziert worden, lobte Vassilakou den neuen Entwurf. Wobei sie betonte, dass dieser auf dem Konzept des Architekten Isay Weinfeld aufbaut, der die damalige Ausschreibung für sich entscheiden konnte. Die nunmehrige Einigung würde von allen Beteiligten getragen. Auch Häupl versicherte, er stehe jedenfalls „absolut“ zum geänderten Projekt.

Sieben Monate im Jahr soll der Platz zu einem öffentlichen werden, wobei Vassilakou weitreichende konsumfreie Zonen versprach. Das Konzerthaus wiederum wird, wie dessen Präsident Christian Konrad am Dienstag befand, durch die Neugestaltung des Areals sichtbarer. Diese werde, so betonte er, auch die Wiedereröffnung des Seiteneingangs ermöglichen.

Heumarkt
ORF
Das zuletzt geplante Projekt am Heumarkt

Tojner rechnet fix mit einer Realisierung, wie er bei der Präsentation im Rathaus betonte. Er bezifferte die Investitionssumme mit 250 bis 300 Mio. Euro. Der Baubeginn werde nicht vor 2019 erfolgen. Er versprach, ein langfristiger Partner zu sein - und nicht nur Investor. Auch an die städtebaulichen Verträge, mit denen die nun erzielte Vereinbarung besiegelt wurde, werde man sich „selbstverständlich“ halten.

Umbau nach Kritik gestoppt

Das Widmungsverfahren steht jedoch noch bevor. Hier hatte es sich zuletzt gespießt: Der mit dem Vorhaben befasste Fachbeirat für Architektur und Stadtgestaltung hatte Kritik angemeldet, worauf Vassilakou eine „Nachdenkpause“ anordnete - mehr dazu in Stadt stoppt Heumarkt-Hochhaus und UNESCO verwarnt Österreich. Seine Reaktion auf die umgearbeiteten Pläne steht noch aus.

Kritik auch vonseiten der Grünen

City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) forderte am Dienstag sämtliche Beteiligten auf, zu verhindern, dass es tatsächlich zu einer Aberkennung kommt. Wiens ÖVP-Chef Gernot Blümel urgierte eine „gesamthafte Zukunftsplanung“ für die Stadt und sprach sich gegen ein „Herumdoktern“ an einzelnen Projekten aus. Für NEOS Wien kritisierte deren Stadtentwicklungssprecher Stefan Gara mittels Aussendung: „In dieser Causa wurde deutlich, dass es an klaren, verbindlichen Vorgaben der Stadt für solche großen Projekte fehlt, gerade wenn es das Weltkulturerbe betrifft.“

Doch auch die Parteifreunde von Vassilakou sind skeptisch: „Vor 16 Jahren hat Wien die UNESCO ersucht, den Stadtkern als kulturelles Welterbe anzuerkennen, und versprochen, auf dieses Erbe achtzugeben. Mit den heute vorgelegten Plänen für den Luxuswohnturm Am Heumarkt gibt Wien seinen Status als Weltkulturerbe auf“, zürnte etwa der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, in einer Pressemitteilung.

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