Personalmangel: Gangbetten trotz freier Zimmer

Kein Ende der Diskussion rund um Gangbetten: Ein Patient musste im Wilhelminenspital am Gang schlafen, obwohl gleich mehrere Zimmer frei waren. Diese wurden angeblich wegen Personalmangels gesperrt. Der KAV dementiert.

Neun Tage wurde Erwin Benesch auf der 2. Medizinischen Abteilung im Wilheminenspital wegen einer Lungenentzündung behandelt, Freitagnachmittag wurde er entlassen. Seine Erlebnisse hat der 78-Jährige mit dem Smartphone dokumentiert. „Was mich dort aufgeregt hat. Ich liege fünfeinhalb Stunden mit schwerer Lungenentzündung auf der Notaufnahme. Ich habe dann dort ein Gangbett bezogen für die erste Nacht.“

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Der Patient dokumentierte die leeren Zimmer mit dem Smartphone

„Das Fürchterliche dabei ist, dass ununterbrochen jemand vorbeirennt. Dass ununterbrochen jemand läutet, weil er die Schwester braucht. Das ist unmenschlich. Das ist einfach nicht zum Aushalten“, so Benesch im „Wien heute“-Interview.

Notdurft am Gang verrichtet

Eine andere Patientin musste laut Angaben des Mannes am Gang ihre Notdurft verrichten. „Das ist entwürdigend, unmittelbar vor einem Herrenzimmer.“ Was den 78-Jährigen am meisten ärgert: Nebenan waren drei Zimmer frei, sie waren aber für Patienten gesperrt, erzählt der pensionierte Eisenbahner. Die Begründung des Personals: Es gäbe zu wenig Ärzte, Schwestern und Pfleger.

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Erwin Benesch wurde am Freitag aus dem Spital entlassen

„Zehn Betten dürfen nicht belegt werden aus Personalmangel und einer Weisung von oben. Das ist mir so erklärt worden.“ Nach mehreren Medienberichten wurden zwei der Zimmer plötzlich wieder aufgesperrt. „Das war ein emsiges Tun und Treiben, die Betten wurden weggeschoben und die Sache war quasi wieder erledigt.“

Krankenzimmer-Sperre für KAV nicht nachvollziehbar

Der Krankenanstaltenverbund (KAV) dementiert, dass Zimmer aus Personalmangel oder Kostengründen geschlossen werden. Die Entscheidung der 2. Medizinischen Abteilung im Wilheminenspital, Krankenzimmer zu sperren, könne man nicht nachvollziehen, heißt es beim KAV.

Die Gemeindespitäler würden alles daran setzen, den Patientenansturm zu bewältigen. Erwin Benesch dankt den Ärzten und Schwestern für die hervorragende Behandlung, wie er sagt. Eine Nacht auf dem Spitalsgang möchte er allerdings nicht mehr erleben.

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