Private Spitäler sollen Gangbett-Krise lösen

Mit einem neuen Vorschlag zur Entschärfung der Gangbetten-Situation in den Wiener Gemeindespitälern lässt die Personalvertretung im Wilhelminenspital aufhorchen: Private Spitäler sollen in die Pflicht genommen werden.

Die gestiegene Zahl an Gangbetten in den Wiener Gemeindespitälern sorgt seit Tagen für Wirbel. Die Krankenhäuser sind im Moment durch die verfrühte Grippewelle zum Teil überfüllt. Das Bettenbelagsmanagement im Wiener Krankenanstaltenverbund habe versagt, kritisierte Günter Wukovits, oberster Personalvertreter im Wilhelminenspital. Er will die privaten Spitäler einspannen, um die Situation zu entschärfen. Diese sollen sagen, wenn sie freie Betten haben, dann haben sie auch entsprechend Patienten zu übernehmen.

87 Gangbetten hat es etwa am Mittwoch in den Gemeindespitälern gegeben. Patienten umverteilen will man in diesen nun intern, sagt Günter Dorfmeister, Direktor im Wilhelminenspital: "Dass auch die Notaufnahmen das Belagsrecht haben, auf andere Stationen, chirurgische Abteilung zum Beispiel, die Patienten hinzulegen, auch wenn sie nicht chirurgisch als Diagnose sind. Ganz ausschließen könne man Gangbetten zu Spitzenzeiten aber auch so nicht.

„Keine Patienten gefährdet“

Wegen der Bettensituation haben Ärzte im Wilhelminenspital eine Gefährdungsanzeige erstattet. Der Primar dieser Abteilung sieht aber im Gegensatz dazu keine Gefahr. Das geht aus einem internen Gesprächsprotokoll hervor: „Laut Herrn Prof. Kneussl - auch auf Nachfrage - gibt es keine Gefahr von PatientInnen auf der 2. Med. Abt.“, wird in der einseitigen Niederschrift zum Thema „Gefährdungsanzeige 2. Med. Abt.“ festgehalten. Und weiter: „Es wurde keine Gefährdungsanzeige erstellt.“

Zuvor hatten Oberärzte der betroffenen Abteilung ein Schreiben verfasst, das an den ärztlichen Direktor Andreas Steiner, an KAV-Generaldirektor Udo Janßen und an Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) adressiert war und als Gefährdungsanzeige bezeichnet wurde - mehr dazu in Gangbetten: Ärzte erstatteten Anzeige.

16 von 18 Ärzten im Dienst

Im Protokoll der Morgensitzung von Donnerstag, an der neben Kneussl und Steiner sechs weitere Teilnehmer dabei waren, wird auch auf die Personalsituation der Abteilung eingegangen: „Laut Dienstpostenplan gibt es 18 nachgeordnete ÄrztInnen, davon sind 18 Stellen besetzt. Jedoch ist 1 Mitarbeiter im Dauerkrankenstand und 1 Mitarbeiter auf Gegenfach.“ Sprich: Nicht das ganze Personal ist derzeit einsatzfähig. Fazit: „Herr Prof. Steiner ersucht Herrn Prof. Kneussl bis morgen (Freitag, Anm.) Lösungsvorschläge zu erarbeiten.“

Beim KAV nachgefragt, wollte man das Protokoll nicht kommentieren. Eine Sprecherin betonte aber, dass ein Mediziner noch am Mittwoch ins Wilhelminenspital geschickt worden sei. Er habe sich davon überzeugen können, dass keine Gefährdung von Patienten vorliege. „Es waren keine Betten am Gang, es gab auch freie Betten in den Zimmern, es sind alle Patienten gut versorgt und betreut worden“, versichert man beim KAV.

Dem gegenüber steht jedoch die Äußerung der Personalvertretung, am Donnerstag habe es elf Gangbetten gegeben. Damit das nicht mehr passiert, wurde das Belagsmanagement neu ausgearbeitet, bestätigt Günter Dorfmeister, Direktor des Wilhelminenspital. Kurzfristige Notpatienten sollen nun auf alle Abteilungen aufgeteilt werden können, „das startet voraussichtlich morgen“, so Dorfmeister. Außerdem würden Mediziner aus der Ausbildungsrotation in der Abteilung aushelfen.

Opposition schäumt weiter

ÖVP-Parteichef Gernot Blümel forderte angesichts der Gangbettendebatte einmal mehr den Rücktritt von Gesundheitsstadträtin Wehsely. FPÖ-Abgeordnete Angela Schütz bezeichnete die Probleme als nicht neu und wertete sie als „weiteren tragischen Höhepunkt des rot-grünen stadtpolitischen Managements-Versagens im Wiener Gesundheitswesen“.

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