Wien Museum: Baubeginn 2017 wackelt

Der Baubeginn für das erweiterte Wien Museum ist zuletzt für das heurige Jahr avisiert worden. Ob der Plan hält, dürfte aber nicht so fix sein. „Einen Spatenstich 2017 kann ich mir nicht wirklich vorstellen“, sagte Museumschef Matti Bunzl.

„Wir rechnen damit, dass wir das Haus noch längere Zeit bespielen können“, erklärte Bunzl im Interview mit der APA am Freitag. Er verwies auf den „komplexen Prozess“, der sich aus der Aufstockung des denkmalgeschützten Haerdtl-Quaders ergibt. Derzeit laufe die Flächenwidmung, gleichzeitig sitzen Architektenteam und Museumsleitung zusammen, um über Details zu brüten: „Wie viele Lifte wird es geben? Wo werden Toiletten und Garderobe sein?“, so Bunzl. „Das ist pitzelig, aber was das Museum alles können muss, ist natürlich in seiner Architektur verankert.“

Bunzl will keine „zweite Elbphilharmonie“

„Es gibt kein wirklich konkretes Datum“, räumte Bunzl ein. Sein Wunsch: „Sobald wie möglich.“ Die Vorarbeiten müssten aber ordentlich erledigt sein, denn eine „zweite Elbphilharmonie“ wolle er keinesfalls. „Also natürlich will ich ein geniales Gebäude. Aber ich will nicht ein geniales Gebäude, dessen Kosten dann zigfach so hoch sind wie geplant und dessen Eröffnung Jahre später als gedacht erfolgt“, erklärte der Hausherr.

Die Zeit drängt aber insofern, als das 1959 eröffnete Gebäude für einen modernen Museumsbetrieb nicht nur aus allen Nähten platzt, sondern seit Jahren renovierungsbedürftig ist. „Das Haus bespielbar zu halten, kostet mittlerweile sehr, sehr viel, weil immer wieder kleine Sachen geflickt werden müssen“, sagte Bunzl.

Kürzungen bei Ausstellungen angedacht

Und die Geldsituation sei überhaupt angespannt, verwies Bunzl auf das Fehlen einer Budgetindexierung seitens der Stadt bei gleichzeitig steigenden Gehältern. Gefragt, ob man - um den Qualitätslevel zu halten - etwa bei der Anzahl der Wechselausstellungen kürzen müsse, sagte der Direktor: „Genau das sind die Überlegungen. Wir sind jetzt bei fünf pro Jahr - es waren vor nicht allzu langer Zeit noch sechs, sieben oder acht.“

Matti Bunzl Wien Museum
APA/HERBERT PFARRHOFER
Matti Bunzl leitet das Museum seit Oktober 2015

Einen Appell an die Stadt, beim Neubau aufs Gas zu steigen, will Bunzl aber nicht richten. Das sei nicht nötig: „Ich glaube, im Rathaus wird das als fundamental zentrales Projekt der Stadt gesehen.“ Die Frage, ob das neue Museum wie avisiert noch 2020 und somit innerhalb seiner ersten Direktionsperiode - sie läuft bis Herbst 2020 - eröffnen wird, ließ der Chef offen.

Große Otto-Wagner-Ausstellung für 2018 geplant

Dass es ganz so schnell nicht gehen wird, dafür spricht auch Bunzls Plan, im Jahr 2018 eine große Otto-Wagner-Ausstellung zu machen - und zwar im Stammhaus. Diese muss dann folglich noch vor der Schließzeit während des Großumbaus stattfinden. Anlass ist das 100. Todesjahr des bekannten Architekten, dem - laut Bunzl - „Erschaffer des modernen Wien in jeder Beziehung“.

Aber auch für die Zeit nach der Umgestaltung des Karlsplatz-Gebäudes hat der Direktor schon Pläne - etwa für die Neugestaltung der Dauerausstellung. Sie soll über den gesamten jetzigen Bau verteilt und chronologisch aufgebaut sein. „Es beginnt im Erdgeschoß und geht über den ersten und zweiten Stock in Richtung Gegenwart.“

Während Umbau Ausstellungen in Bezirken

In der Umbauphase, in der das Museum gesperrt wird, will Bunzl in die Bezirke gehen: „Wir denken an eine fünfteilige Ausstellung an neuralgischen Punkten der Stadt.“ Die Schließzeit sei ja eine „Möglichkeit für Experimente“. Wird die Baustelle selbst auch bespielt werden? „Wir haben uns viele Museen angeschaut, was die gemacht haben. Da gibt es ganz tolle Beispiele. Aber ich sage es ganz offen: Das wird auch eine Kostenfrage.“

2016 brachte Besucherrekord

Über 2016 - das erste volle Amtsjahr des im Oktober 2015 angetretenen Direktors - kann Bunzl jedenfalls ein zufriedenes Resümee ziehen. Die Besucherzahlen liegen laut Statistik bei knapp über einer halben Million Besuchern, wobei hier die diversen Dependancen auch mitgezählt werden. Man habe erstmals die 500.000er-Marke durchbrochen, freut sich der Chef.

Im Karlsplatz-Bau selbst begrüßte man rund 162.000 Gäste. Grund für den Zuwachs ist sicher auch die noch bis 22. Jänner laufende Sexausstellung. Sie wird die bisher erfolgreichste Schau des Stammhauses werden.

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