Zu lange Wartezeiten für Krebspatienten

Der Stadtrechnungshof hat heute heftige Kritik an den Spitälern im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) geübt. Viele Krebspatienten müssen etwa so lange auf eine Strahlentherapie warten, dass ihre Heilungschance sinkt.

Bei rund zwei Dritteln der Patientinnen und Patienten sei es im ersten Quartal 2015 zu kritischen Wartezeiten auf die Strahlentherapie gekommen, kritisierte der Stadtrechnungshof in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Mehrere Wochen lang mussten die Betroffenen oft warten. Nur in rund 38 Prozent der Fälle sei der erste Bestrahlungstermin innerhalb des Sollzeitraums gelegen.

Eine Schutzmaske für die Bestrahlung von Tumoren im HNO-Bereich
APA/Hans Klaus Techt
Mit der Strahlentherapie werden Tumore bekämpft

Als Folge habe es zu schlechteren Therapieerfolgen, geringeren Heilungschancen, psychischen Belastungen und Folgekosten durch weitere Therapiemaßnahmen kommen können, hieß es mit Berufung auf Vorstände der strahlentherapeutischen Einrichtungen in den Spitälern.

Seit Jahren zu wenige Geräte

Auch wenn die Gründe für die langen Wartezeiten nicht in allen Fällen in Versorgungsengpässen, sondern etwa auch in den Terminwünschen der Patienten oder verspäteten Anmeldungen lagen, seien sie immer noch bei zumindest 40 Prozent aller Patienten auf die fehlenden Geräte zurückzuführen, so der Stadtrechnungshof.

Hauptgrund für die langen Wartezeiten ist laut dem Bericht, dass es seit Jahren zu wenige Geräte für die Therapie gibt. Zum Zeitpunkt der Überprüfung waren in Wien elf Linearbeschleuniger im Einsatz. Im Rahmen des „Regionalen Strukturplans Gesundheit Wien“ seien jedoch zwölf Geräte geplant gewesen. Ein Richtwert des österreichweiten Strukturplans würde sogar 13 bis 18 Geräte vorsehen – und das nur für die Wiener Bevölkerung. 30 Prozent der Patienten hätten ihren Hauptwohnsitz jedoch außerhalb Wiens.

Der Stadtrechnungshof empfiehlt dringend eine Aufstockung der Geräte. Zudem brauche es Anpassungen beim Personal, um die Geräte auch effizient betreiben zu können. Nötig sei etwa eine bessere Verteilung auf die einzelnen Spitäler: Während es beispielsweise im Wilhelminenspital zu viel Fachpersonal gebe, habe man im AKH zu wenig.

KAV will Geräte und Personal aufstocken

Der KAV will diesen Empfehlungen nachkommen und die Geräte aufstocken sowie die „bereits sehr effizienten Betriebszeiten noch weiter optimieren“. Zudem habe man die Ausbildungsplätze für Radiotechnologie bereits von 60 auf 110 erhöht, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber Radio Wien. Um Engpässe zu vermeiden, wird im Donauspital derzeit an einer Zwischenlösung gearbeitet.

Zudem betonte der KAV, das nicht jede Zeitspanne ohne strahlentherapeutische Behandlung auch Wartezeit sei. So werde diese in den meisten Fällen mit anderen Therapien genutzt: „Das heißt: Während der Wartezeiten erfolgt zwar keine radioonkologische, sehr wohl aber eine onkologische Betreuung“, teilte eine Sprecherin mit.

Opposition und Grüne fordern mehr Geräte

Die Rathaus-Opposition äußerte nach dem Prüfbericht scharfe Kritik an der Stadtregierung. Aber auch die Wiener Grünen - also der Regierungspartner der SPÖ - forderten den KAV am Mittwoch auf, die Anzahl der strahlentherapeutischen Geräte zu erhöhen. „Dass es statt der erforderlichen 13 bis 18 strahlentherapeutischen Geräte derzeit nur 11 bzw. 12 Geräte gibt, die zur Verfügung stehen, ist für die wartenden PatientInnen unverständlich“, so Gesundheitssprecherin Birgit Meinhard-Schiebel per Aussendung.

„Es ist ein Skandal, wie Wiener Krebspatienten hier vernachlässigt werden“, reagierte Günter Koderhold, FPÖ-Gemeinderatsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Wiener Gesundheitsausschusses, laut Aussendung. Das SPÖ-geführte Gesundheitsressort habe es jahrelang verabsäumt, auf die rasch wachsende Stadt und den dadurch rasant steigenden Bedarf an medizinischen Geräten zu reagieren.

Auch die Klubobfrau von NEOS Wien, Beate Meinl-Reisinger, sprach in einer Aussendung von einer „skandalösen“ Unterversorgung. „So ruiniert Rot-Grün die öffentliche Gesundheitsversorgung in dieser Stadt“, meinte sie und forderte ebenfalls, die Anschaffung weiterer Strahlentherapiegeräte sofort in die Wege zu leiten. „Völlig fassungslos“ reagierte auch die Gesundheitssprecherin der Wiener ÖVP, Ingrid Korosec. „Hier wird mit der Gesundheit und sogar auch mit dem Leben der Patientinnen und Patienten gespielt“, sagte Korosec. „Bürgermeister Häupl ist dringend aufgefordert, endlich Taten zu setzen.“

Kritik auch an langen Spitalsaufenthalten

Die Strahlentherapie ist bei Weitem nicht der einzige Kritikpunkt des Stadtrechnungshofs. Im Vergleich zu anderen Krankenhäusern bleiben Patienten zum Beispiel vor und nach Hüft- und Knieoperationen unnötig lange in Gemeindespitälern - mehr dazu in KAV: Patienten nach OPs zu lang im Spital.

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