Koalitionsstreit um Winterthur-Haus

Nach einem Vorschlag von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zum Winterthur-Haus gibt es Streit in der Rathaus-Koalition. Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) findet den vorgeschlagenen Kauf nämlich „nicht amüsant“.

In einem Interview mit der „Kronen-Zeitung“ hat Häupl vorgeschlagen, das Gebäude am Karlsplatz zu kaufen und komplett neu zu gestalten. Dann soll es als Erweiterung an das benachbarte Wien Museum gehen. Die Zürich Versicherung soll einen anderen Standort finden. „Ich glaube nicht, dass das eine vollkommen verblödete Idee ist, auch wenn nach der Lektüre dieser Zeilen ein paar ohnmächtig niederbrechen werden“, wird Häupl in der „Kronen Zeitung“ zitiert.

Vassilakou wenig amüsiert

Vizebürgermeisterin Vassilakou hat den Vorstoß und vor allem das Timing des Bürgermeisters in einem schriftlichen Statement gegenüber „Wien heute" wenig amüsant gefunden. „Wäre dieser Vorstoß zum richtigen Zeitpunkt gekommen - zu Beginn des Vorhabens - hätten diese Spielräume genutzt werden können. Nun sind allerdings sowohl beim Kulturressort bereits umfangreiche Wettbewerbs- und Planungskosten angefallen, ebenso bei der Zürich Versicherung“, heißt es.

TV-Hinweis:

„Wien heute“, 12.2.2017, 19.00 Uhr, ORF2 und danach online unter tvthek.ORF.at.

Bisher sei ein Kauf des Gebäudes keine Option gewesen, so Vassilakou. Ist das der Wunsch der Bürgermeisters, dann hoffe sie, dass er auch mit allen Beteiligten gesprochen und die Finanzierung geregelt habe.

Häupl hat sich mit seinem Vorschlag auf die Seite von Anrainern und Künstlern geschlagen, die schon seit längerem gegen das Projekt protestieren. Bei einer Bürgerversammlung im Dezember war von einer „Frechheit“ und einer „Verschandelung der schönsten Barockkirche Europas“ die Rede. Leopold Plasch (SPÖ), Bezirksvorsteher der Wieden,versprach mehr Bürgerbeteiligung - mehr dazu in Aufstockung am Karlsplatz: Heftiger Protest.

Mögliche Verzögerung bei Wien Museum

Die Initiative Stadtbildschutz hatte im September 2016 1.600 Unterstützungserklärungen gegen das Projekt der Versicherung präsentiert. Kritisiert wurde die geplante Aufstockung um zwei Geschoße, damit würde das Gebäude runde zehn Meter in die Höhe wachsen - mehr dazu in Protest gegen Bauvorhaben am Karlsplatz.

Auch beim benachbarten Wien Museum soll es eine Aufstockung geben. Museumsdirektor Matti Bunzl meinte allerdings im Jänner: „Einen Spatenstich 2017 kann ich mir nicht wirklich vorstellen“ - mehr dazu in Wien Museum: Baubeginn 2017 wackelt.

Kulturressort zeigt sich zurückhaltend

Im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) zeigte man sich auf APA-Anfrage am Montag einigermaßen zurückhaltend. „Aus Sicht des Kulturressorts geht es vorrangig um die Umsetzung des Wien Museums Neu. Selbstverständlich wäre eine Freistellung des Wien Museums wünschenswert. Ob und wie die dafür notwendigen organisatorischen und städtebaulichen Voraussetzungen geschaffen werden können und ob der Eigentümer das wollen würde, kann aus Sicht des Kulturressorts nicht beurteilt werden und das ist auch nicht seine Aufgabe“, so das knappe Statement. Beim Versicherungsunternehmen selbst gab es auf APA-Anfrage vorerst noch keine Reaktion.

FPÖ und ÖVP unterstützen Häupl-Vorstoß

Die Opposition zeigte sich von Häupls Idee jedenfalls durchaus angetan. FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus sprach von einem „gangbaren Weg“ für seine Partei. Denn immerhin würden die Blauen seit jeher „gegen das Glasmonster“ kämpfen, teilte er per Aussendung mit. Ähnlich die Meinung von Johannes Pasquali, Bezirksparteiobmann der ÖVP Wieden, der nun ein „völlig neues und ganzheitliches Gesamtkonzept“ für den Karlsplatz fordert.

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