Bereits 19-mal Feinstaubalarm in Wien

Knapp zwei Monate ist das neue Jahr erst alt, doch Feinstaub ist schon jetzt ein größeres Problem als im vergangenen Jahr. Allein in Wien ist der Tagesmaximalwert schon 19-mal überschritten worden - mehr als im gesamten Vorjahr.

Der Alarm wird ausgelöst, wenn die Messstellen eine Überschreitung des zulässigen Grenzwertes festgestellt haben. „Wir haben in den letzten Jahren einen durchaus abnehmenden Trend bei der Feinstaubbelastung. 2017 ist ein Ausreißer nach oben. Das hat damit zu tun, dass wir insbesondere im Jänner sehr, sehr kalte Temperaturen hatten. Den kältesten Jänner seit 30 Jahren, damit ist auch die Feinstaubbelastung wieder angestiegen“, sagte Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt gegenüber „Wien heute“.

Feinstaub Auto
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Autos sind nicht der einzige Auslöser für Feinstaub

Temperaturen und wenig Wind als Verursacher

Der Straßenverkehr ist nur einer der Verursacher dieser hohen Feinstaubbelastung. Niedrige Temperaturen verbunden mit wenig Wind sind Bedingungen, bei denen Feinstaubwerte regelmäßig nach oben schießen, sagte Schneider: „Durch mehr Heizen, durch mehr Straßendienst, Streusplitt. Andererseits haben wir sehr ungünstige Ausbreitungsbedingungen, sehr niedrige Windgeschwindigkeiten und sogenannte Inversionen. Das heißt, die Luftschicht mischt sich nicht mit der sauberen Luft darüber, Schadstoffe reichern sich in Bodennähe an und wir haben höhere Belastungen.“

114.000 statt 4.000 Partikel

Am stark befahrenen Gürtel in Wien wurden bei einer fünfminütigen Durchschnittsbelastung bis zu 114.000 Partikel gemessen. Zum Vergleich lag der Wert in verkehrsfernen Orten bei ca. 4.000.

Dabei war der Trend beim Feinstaub in den vergangenen Jahren eindeutig positiv. 2006 etwa wurde der Grenzwert in Wien noch 108-mal überschritten, dann geht die Kurve nach unten. 2014 gab es 27 Überschreitungen und vergangenes Jahr nur noch elf. Laut den Experten haben mehrere Maßnahmen geholfen, etwa die starke Einschränkung des Streusplitts: 1995 wurden noch 133.500 Tonnen Splitt auf Wiens Straßen geschüttet, 2003 nur mehr 28.000 Tonnen und vergangenes Jahr 104 Tonnen. Auch weniger Verkehr durch das Parkpickerl spielte da laut Experten mit.

Feinstaub Auto
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„Grenzwerte nur politischer Kompromiss“

Weitere harte Maßnahmen wie etwa Fahrverbote für Dieselautos sollen nicht nötig sein: „Ich persönlich halte von punktuellen Maßnahmen gar nichts, weil es die falsche Botschaft ist. Die Botschaft muss sein: Wir sind auf einem guten Weg, alle miteinander können wir noch was machen, wenn wir das ganze Jahr über unser Verhalten ändern. Also weniger mit dem Auto fahren, andere Heizmittel verwenden“, so Karin Büchl-Krammerstätter von der Wiener Umweltschutzabteilung.

„Die bestehenden Feinstaubgrenzwerte sind ein politischer Kompromiss. Gesundheitsschädlich sind die Partikel auch unterhalb des Grenzwertes“, sagt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. Dieselruß wurde beispielsweise bereits 2012 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als krebserregend eingestuft.

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