Buhrufe für Heumarkt-Pläne

Es ist eines der umstrittensten Bauprojekte der vergangenen Jahre in Wien: die geplante Neugestaltung des Heumarkt-Areals im Bezirk Landstraße. Entsprechend war auch die Stimmung Montagabend bei einer Bürgerversammlung.

Laute Buhrufe mussten die Projektentwickler hinnehmen. Rund 250 Menschen waren der Einladung der Bezirksvorstehung gefolgt und ins Hotel Intercontinental gekommen. Dass die UNESCO insbesondere für den Fall der Realisierung eines 66 Meter hohen Wohnturms damit droht, den Welterbestatus der Innenstadt abzuerkennen, ist für die empörten Anrainer nur ein Punkt unter vielen:

„Weltkulturerbezone hat ohne Hochhäuser zu bleiben, das ist vertraglich geregelt. Und wir stehen, wenn sie so weitermachen, vor dem Rechtsbruch. Das kann doch nicht sein“, so eine Anrainerin. Auch Spielplätze, die im Schatten des Hochhauses liegen würden, werden genannt. „Es gibt in anderen Städten einfach unglaublich interessante moderne Gebäude. Muss man da einen viereckigen Emmentaler mitten in die Stadt stellen?“, fragte eine andere Anrainerin.

Rendering neues Konzept für Heumarkt
Isay Weinfeld&Sebastian Murr
So oder so ähnlich könnte der Heumarkt künftig aussehen

Viel Gegenwind für die Projektentwickler

„Darf ich Sie ersuchen, dass wir den Architekten die Präsentation abschließen lassen?“, versuchte ein Moderator die vielen Buhrufe einzudämmen. Die Projektentwickler konterten mit positiven Aspekten, auch der Höhe des Hochhauses, in das Wohnungen kommen sollen. Wertinvest-Chefin Daniela Enzi: „Dadurch gewinnt man auch einen sehr großen Freiraum, das heißt der Platz in der Mitte für den Wiener Eislaufverein kann auch in der Größe, in der Offenheit gestaltet werden.“

Enzi gibt sich zudem optimistisch, dass die UNESCO den Welterbestatus doch nicht entziehen wird: „Wir alle gehen davon aus, dass die UNESCO auch die Bemühungen anerkennt und daher gehen wir nicht von einer Aberkennung aus.“

UNESCO-Entscheidung mit Spannung erwartet

Im Juli will die UNESCO über ihre weitere Vorgangsweise entscheiden. Grundlage dafür soll ein Bericht zum Erhalt des Weltkulturerbes in Wien mit Fokus auf dem Heumarkt-Projekt sein. Dieser Bericht wurde bei der Sitzung der UNESCO-Kommission im vergangenen Sommer in Istanbul angefordert, wo die Neugestaltung des Heumarkt-Areals bereits Thema war - mehr dazu in Heumarkt-Areal: Stellungnahme an UNESCO.

Die Gegner des Projekts wollen nicht aufgeben. Gleich zwei Bürgerinitiativen haben die Bürgerversammlung Montagabend als Auftakt für neue Petitionen genützt. Ein Anrainer ließ noch mit einer gänzlich anderen Idee aufhorchen: „Ich würde vorschlagen, das Gelände dazu zu verwenden, den Stadtpark auszudehnen über die Johannesgasse hinüber bis zum Eislaufplatz.“

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