Sonntagsöffnung: Verhandlungen auf Eis

Bis auf ein paar Ausnahmen kann man am Sonntag in Wien nicht einkaufen. Die Wirtschaftskammer fordert daher seit Jahren so genannte Tourismuszonen. Die Gewerkschaft ist strikt dagegen - eine Pattsituation.

An Sonntagen macht der U3-Supermarkt beim Westbahnhof besonders viel Umsatz, erzählt Filialleiter Sandeep Warraich: „An Feiertagen und so stellen wir einen Security vor die Türe, damit sie die Leute anhalten können. Sonst haben wir keinen Platz fürs Einkaufen.“ Auch der Supermarkt am Getreidemarkt hat am Sonntag geöffnet. Nur wenige Schritte weiter, auf der Mariahilfer Straße, ist alles zu, sogar der Souvenirshop. Hier könnte eine Tourismuszone entstehen, wie sie die Wirtschaftskammer Wien fordert - mehr dazu in Einkaufsstraßen: Weniger Passanten.

Sonntagsöffnung
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Die Supermärkte sind an Sonntagen gut besucht

Gewerkschaft klar dagegen

Doch die Gewerkschaft ist dagegen. Mit einem Flashmob am Stephansplatz wehrt sich die „Allianz für den freien Sonntag“ gegen die Sonntagsöffnung. Gertraud Wiesinger von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter: „Es gibt Ausnahmen dort, wo sie möglich sind, wo sie notwendig sind. Das heißt, im Gesundheitsbereich können und müssen Menschen auch am Sonntag arbeiten.“

Franz Georg Brantner, Vorsitzender der GPA-djp Wien, stellt die Position im Handel klar: „Die Haltung der Gewerkschaft ist eine ganz klare. Wir haben mehrmals, wenn der Wunsch nach Sonntagsöffnung durch Unternehmen und Kommunalpolitiker laut wurde, die betroffenen Kolleginnen befragt. Und diese Kolleginnen haben uns immer mit weit über fünfundneunzig Prozent den Auftrag gegeben, den Sonntag zu erhalten.“

Sonntagsöffnung
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Bei einem Flashmob wurde gegen die Sonntagsöffnung demonstriert

Wirtschaftskammer: 800 Arbeitsplätze in City

Die Wirtschaftskammer erinnert an den Umsatz: Alleine im ersten Bezirk, so rechnet die Kammer vor, könnten 800 Arbeitsplätze geschaffen werden, erläutert der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck: „Es geht bei den Tourismuszonen, und die implizieren ja die Sonntagsöffnung, genau in diesen Zonen nicht darum, Leute zu bevormunden oder am Sonntag zum Arbeiten zu zwingen, sondern ihnen ganz einfach nur die Möglichkeit zu geben, zusätzliche Umsätze zu generieren.“

Tourismuszonen müssen in Wien vom Bürgermeister verordnet werden. Der kann sich das durchaus vorstellen, will aber, dass sich Gewerkschaft und Wirtschaftskammer zuerst einigen. Und genau diese Verhandlungen liegen derzeit auf Eis - die nächste Runde gibt es erst, wenn der neue Kollektivvertrag für den Handel vorliegt.

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