Janßen-Abgang: Genugtuung und Forderungen

Genugtuung und weitere Forderungen prägen die Reaktionen nach dem Abgang von KAV-Generaldirektor Udo Janßen. Die Oppositionsparteien wünschen sich nun „echte Reformen“ im Krankenanstaltenverbund.

Die Trennung von Udo Janßen gab Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) am Montag bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz bekannt - mehr dazu in Trennung von Janßen: „Vertrauen verloren“.

Die Wiener Ärztekammer reagierte „mit Genugtuung“. Die Forderung nach einer Veränderung im „inkompetenten KAV-Management“ vom Warnstreik im September 2016 sei „großteils erfüllt“ , so Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer. Jetzt müsse die neue Führung das Vertrauen der Mitarbeiter zurückgewinnen. Als Nachfolger wünscht sich Szekeres „idealerweise einen Vertreter der Ärzte“: „Dann kann es gelingen, wieder Ruhe ins System zu bringen und Entscheidungen, die vielleicht nicht immer richtig waren, zu reparieren.“

Ärzte Streik Szekeres
APA/GEORG HOCHMUTH
Mit einem Warnstreik hatte die Ärztekammer im September 2016 gegen die Arbeitszeiten-Regelung im KAV protestiert

Pilz fordert mehr Transparenz

Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz schloss zum Abgang von Janßen gegenüber „Wien heute“ gleich Erwartungen für die Zukunft an: „Was nicht funktioniert hat, war die Transparenz, die wir uns vom KAV erwartet haben - hinsichtlich Qualitätsberichterstattung oder Zahl der Gangbetten. Da erwarten wir uns in Zukunft eine aktivere Haltung der Generaldirektion.“ Auch die Verbesserung bei Wartezeiten in Ambulanzen sowie bei der Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Bereich nannte Pilz als Forderungen.

„Janßen ist unter völlig anderen Voraussetzungen gekommen, als er erwartet hat und dann über die österreichische Bürokratie gestolpert. Allerdings hat er wohl auch persönlich dazu beigetragen, dass das Vertrauen weg ist“, bilanzierte Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer. Er sprach auch von einem „unmöglichen Job“: „In der derzeitigen Situation mit einem riesigen Konzern als Magistratsabteilung kann es kein Management geben, das funktioniert.“ Pichlbauer ist deshalb für eine KAV-Ausgliederung.

Reaktionen zu Janßens Rauswurf

Von unerfüllbarer Aufgabe spricht Gesundheitsökonom Pichlbauer, von Intransparenz Patientenanwältin Pilz.

FPÖ: „Überfälliger Abgang“

Für Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) war der Abgang von Udo Janßen „überfällig“. Bei der Nachfolge fordert er „keinen weiteren Import, sondern einen kompetenten Kenner der Materie aus den Reihen des KAV“. „Jetzt geht es darum, das marode Gesundheitssystem in Wien wieder auf Vordermann zu bringen“, so Gudenus.

Für den Wiener ÖVP-Obmann Gernot Blümel kann die Trennung von Janßen „nur einen ersten Schritt“ in einem Neuanfang für den Wiener Krankenanstaltenverbund darstellen. „Diese Personalentscheidung darf jedoch nicht dazu führen, dass die politische Verantwortung weiterhin abgewälzt wird und dies lediglich als Manöver benutzt wird, um von eigenen Versäumnissen abzulenken“, so Blümel.

Auch für Beate Meinl-Reisinger (NEOS) geht Janßen „nicht zu früh". „Es braucht dringend eine Task Force für die drängendsten Probleme wie Gangbetten oder viel zu lange Wartezeiten in vielen Bereichen. Zusätzlich verlangen wir die Offenlegung aller Kosten und Probleme rund um den Bau des KH Nord“, so Meinl-Reisinger. Zudem fordert sie eine rasche Entscheidung zur zukünftigen Aufstellung des KAV.

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