Scharfe Kritik an Deal mit Janßen

395.000 Euro und eine sofortige Dienstfreistellung: Darauf haben sich die Stadt Wien und der bisherige Chef des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) geeinigt. Scharfe Kritik kommt von den Opposition.

Wiens FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus kritisierte den „Golden Handshake“, der sich nach Ansicht des Wiener Blauen „gewaschen“ hat. „Warum gibt es in so einem hoch dotierten Vertrag keine Klausel betreff Abschlagszahlung bei vorzeitiger Kündigung?“, staunte Gudenus. „Es ist unfassbar, was sich die Verantwortlichen hier erlauben.“

NEOS-Kritik an „finaler Frotzelei“

„Udo Janßen hat als Generaldirektor des KAV zusammen mit Ex-Stadträtin Sonja Wehsely für Probleme am laufenden Band gesorgt“, beklagte auch NEOS-Wien-Klubchefin Beate Meinl-Reisinger. Die nunmehrige Einigung sei eine „finale Frotzelei“ für Patienten und Personal: „Rot-Grün hätte eigentlich schon viel früher reagieren und nicht bis jetzt zuwarten sollen.“

Auch die Wiener ÖVP sieht die Einigung kritisch. Das sei die „teure Folge der politischen Nicht-Wahrnehmung von Verantwortung im Wiener Gesundheitsbereich“, meinte Parteichef Gernot Blümel in einer Aussendung. Er forderte Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) auf, die „eklatanten Missstände“ in der Gesundheitspolitik endlich aktiv anzugehen.

Posten wird nun ausgeschrieben

Der Lösung müssen noch die gemeinderätliche Personalkommission sowie der zuständige Gemeinderatsausschuss zustimmen, berichtete ein Sprecher der Magistratsdirektion am Mittwoch. Die beiden Gremien werden am 19. April tagen. Hätte der scheidende KAV-Chef auf Gehaltsfortzahlung bzw. Vertragserfüllung bestanden, wäre der ihm zustehende Betrag mehr als doppelt so hoch gewesen, hieß es.

Janßen hatte einen Vertrag bis 2019. Der Chefposten im städtischen Spitalskonzern wird nun neu ausgeschrieben. Wann dies der Fall sein wird, ist aber noch offen. Laut Magistratsdirektion soll zunächst über die neue Organisationsform des KAV entschieden werden.

Stadt hatte „Vertrauen verloren“

Die Stadt Wien hatte sich am Montag von Udo Janßen getrennt. „Das Vertrauen ist verloren gegangen“, sagte Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) - mehr dazu in Trennung von Janßen: „Vertrauen verloren“. Die Reaktionen nach dem Abgang von Janßen waren von Genugtuung und weiteren Forderungen geprägt. Die Oppositionsparteien wünschten sich „echte Reformen“ im Krankenanstaltenverbund - Janßen-Abgang: Genugtuung und Forderungen.

Bei der Klubtagung der Wiener SPÖ am Donnerstag und Freitag werden Details zur neuen Struktur des Krankenanstaltenverbunds (KAV) präsentiert, das hat Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) angekündigt. Über den Abgang von Janßen sei er „nicht traurig“ - mehr dazu in Häupl: KAV-Struktur am Donnerstag.

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