Wohnprojekt Gaswerk: FPÖ verlangt Baustopp

Die Wiener FPÖ verlangt einen Baustopp für das Wohnprojekt „Neu Leopoldau“ in Wien-Floridsdorf. Das Erdreich des früheren Industriegebiets könnte laut FPÖ kontaminiert sein. Die Stadt Wien widerspricht, die SPÖ sieht „Panikmache“.

Der Standort für die 1.400 geplanten Wohnungen war jahrzehntelang tatsächlich Industriegebiet. Zwischen 1911 und 1969 wurde auf dem 42 Hektar großen Grund Stadtgas aus Kohle hergestellt. Dieser Umstand bereitet der FPÖ nun Sorgen.

„Der damalige sorglose Umgang mit Chemikalien und schwere Schäden durch Bombenangriffe am Ende des Zweiten Weltkriegs verursachten schwere Kontaminierungen“, betonte Vizebürgermeister Johann Gudenus am Montag in einer Pressekonferenz: „Wir wollen nicht, dass Menschen auf einer Sondermüllhalde angesiedelt werden. Das ist verantwortungslos.“

Gaswerk Leopoldau
WSE
Auf dem Gelände des früheren Gaswerks Leopoldau sollen 1.400 Wohnungen entstehen

SPÖ sieht „Angst- und Panikmache“

Erich Valentin (SPÖ), Vorsitzender des Umweltausschusses, geißelte per Aussendung die „ungeheuerliche Angst- und Panikmache der übelsten Art“, die außerdem „nachweislich falsch“ sei. Es sei schon richtig, dass es damals zu Verunreinigungen des Untergrunds gekommen sei: „Die Fläche wurde aber äußerst aufwendig untersucht und ist heute gesichert - das bestätigt das Umweltbundesamt. Die Fläche ist im Altlastenkataster als gesichert ausgewiesen“, so Valentin.

Das stritt die FPÖ in ihrer Pressekonferenz auch nicht ab. Den Blauen sind diese Sicherungsmaßnahmen aber zu wenig. Denn es sei nicht ausgeschlossen, dass - etwa durch einen Wasserrohrbruch - nicht trotzdem giftige bzw. krebserregende Stoffe an die Oberfläche kämen. Insofern gehöre das Areal nicht nur gesichert, sondern saniert.

Wobei laut FPÖ-Mandatar Michael Niegl allein für die Sanierung des Kerngebiets (sieben Hektar) 170 Millionen Euro anfallen würden. Nachdem die Gesamtkosten des Projekts mit 120 Millionen Euro veranschlagt sind, sei auch klar, warum die Stadt hier keine Bereitschaft zeige. Die FPÖ hat nun den Stadtrechnungshof angerufen und fordert außerdem einen Stopp des Vorhabens, bis eine Sanierung durchgeführt wird. Sollte eine solche nicht finanzierbar oder technisch nicht machbar sein, müsse „Neu Leopoldau“ abgeblasen werden.

70.000 Tonnen Erdreich ausgetauscht

Valentin führte indes an, dass das Gebiet durch Abdichtungsmaßnahmen, einer Wasseraufbereitungsanlage und Versickerungsbrunnen gesichert sei. Außerdem seien 70.000 Tonnen Erdreich ausgetauscht worden. Die Fläche werde laufend überprüft. Altlastengesicherte Grundstücke seien keine Besonderheit in der Stadt, verwies er etwa auf den Donaupark oder den Wienerberg.

Die stadteigene Wiener Standortentwicklung GmbH (WSE), die für die Umsetzung des Projekts verantwortlich ist, wies in einer Aussendung die Kritik der FPÖ ebenso zurück. Es bestehe für Anrainer „absolut kein Grund zur Sorge“. „Selbstverständlich wird bei den noch heuer beginnenden Bauarbeiten durch den Einsatz einer chemischen Bauaufsicht sichergestellt, dass sämtliche Risiken für jetzige und künftige Anrainer und für die Umwelt ausgeschlossen werden“, beruhigte man.

Durch Bautätigkeiten im Umfeld des eigentlichen Wohngebiets, das nur 13,5 der 42 Hektar einnimmt, werde es ebenfalls zu einem Bodenaustausch kommen. Somit könne davon ausgegangen werden, dass am Ende „die gesamte Oberfläche im Gebiet neu hergestellt und ausgetauscht“ worden sein wird.

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