„Nachlass-Hopping“ bereits bei Lebenden

„Nachlass-Hopping“ hat sich als Möglichkeit bewährt, Wohnungen von Verstorbenen zu räumen. Viele Menschen freut der Gedanke, dass ihre Sachen nach dem Tod weiter genutzt werden. Andere wollen gar nicht bis dahin warten.

Seit 2013 veranstaltet der Wiener Christof Stein regelmäßig „Nachlass-Hoppings“: Interessierte können dabei einen Passierschein um 15 Euro erstehen und in der Wohnung von Verstorbenen in den Hinterlassenschaften wühlen. Man darf so viel mitnehmen, wie man tragen kann - mehr dazu in Trödeltrend: Nachlass-Hopping.

Neu sind nun die Dimensionen, die das „Nachlass-Hopping“ angenommen hat, und die Art und Weise, wie es unter anderem genutzt wird. Denn seit Kurzem sind auch Lebende unter den Toten.

Küche Nachlass Wohnung
Cristof Stein

„Nachlass-Hopping“ auch bei Umzug ins Altersheim

Die große Beliebtheit der Aktion habe dazu geführt, dass so einige Lebende, die davon Wind bekommen haben, ebenfalls ihre Wohnung zum „Hoppen“ freigeben wollten, sagt Stein. „Leute, die zum Beispiel kurz davor waren, ins Altersheim zu ziehen, sind auf uns zugekommen.“

Das passiere aber nicht nur, weil man ins Heim nur begrenzt Gepäck mitnehmen dürfe und diese Art der Wohnungsauflösung günstig sei. „Viele freuen sich auch einfach, dass ihre Sachen noch genutzt werden“, meint Stein. Es erleichtere auch den Abschied.

Nachlass Wohnung
Cristof Stein
Viele können nicht alles, was sie besitzen, ins Heim mitnehmen

Für die Umwelt und nicht für den Geldbeutel

Stein betreibt neben der Kunstgalerie Lichterloh auch die auf Antiquitäten und Vintage-Stücke spezialisierten Läden Glasfabrik und Ramsch & Rosen. Die besonders wertvollen Stücke kauft er den Hinterbliebenen ab und verteilt sie auf seine Geschäfte. „Deshalb bekommt auch jeder den Eintritt zurück, der beim Nachlass-Hopping nichts gefunden hat“, so Stein.

„Nachlass-Hopping“ sei vor allem eine Möglichkeit, die nicht ganz so wertvollen Gegenstände aus den Wohnungen Verstorbener umweltfreundlich neuen Besitzern zuzuführen und außerdem die Angehörigen zu entlasten. Das Geld gehe „einzig an die Mitarbeiter, die das organisieren“, sagt der Veranstalter. Zudem würden pro Wohnung durchschnittlich zwei Tonnen Müll gespart.

Nach zahlreichen Medienberichten in den letzten Jahren sei das Interesse an dem Projekt sehr gestiegen. „Teilweise hatten wir 300 Leute, die ins Ramsch & Rosen gekommen sind, um einen Passierschein zu kaufen“, meint Stein. Die Teilnehmerzahl ist allerdings je nach Wohnungsgröße streng limitiert. Vor allem um einen respektvollen Ablauf der Aktion gewährleisten zu können.

Ramsch und Rosen
ORF
Im Ramsch & Rosen in der Neubaugasse werden die Passierscheine verkauft

Nachmachen trotz Patent gestattet

Die Berichte hatten aber nicht nur positive Folgen. So ließ sich Stein etwa seine Idee patentieren, nachdem - nach einem Bericht eines deutschen Fernsehsenders – eine Art Tauschbörse für „Nachlass-Hopping“-Anbieter online gegangen war. „Die haben auch Werbung geschaltet“, so Stein. Das habe ihn gestört. An und für sich gibt es aber die Möglichkeit, ein eigenes „Hopping“ zu veranstalten.

„Mich haben auch Leute angerufen und gefragt, ob und wie viel sie zahlen sollen, um ein Hopping veranstalten zu dürfen. Natürlich mussten sie nichts zahlen.“ Das Allerwichtigste sei für Stein aber, dass man sich beim Nachahmen an die von ihm aufgestellten Regeln hält. „Kurz zusammengefasst geht es um einen respektvollen Umgang und darum, dass das Geld nicht im Vordergrund steht“, so Stein.

Wann genau ein „Nachlass-Hopping“ stattfindet, wird auf der Facebook-Seite von Ramsch & Rosen mitgeteilt. An einer eigenen Website werde noch gearbeitet.

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