Causa Heumarkt: Eine Chronologie

Es ist ein Bauprojekt mit großem Konfliktpotenzial: Die Neugestaltung des Heumarkt-Areals sorgt seit Jahren für Debatten, vor allem ein geplantes Hochhaus. Eine Chronologie.

Juni 2012: Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) gibt den Startschuss für das Heumarkt-Projekt. Fachleute, Private und Stadt sollen gemeinsam einen Plan für die Neugestaltung des teils heruntergekommenen Areals, auf dem das Hotel Intercontinental, der Wiener Eislaufverein und das Konzerthaus beheimatet sind, erarbeiten. Als privater Partner wird der Investor Michael Tojner mit seinem Unternehmen Wertinvest präsentiert.

Februar 2013: Der Rahmenplan wird vorgestellt. Die Kernpunkte: Die Eislauffläche soll erhalten und im Sommer zusätzlich für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden, Zweckbauten entlang des Heumarkts sollen abgerissen werden, die Zukunft des Interconts bleibt offen. Erwähnt wird nun bereits auch jenes Vorhaben, um das sich in den kommenden Jahren heftige Debatten entzünden werden. Denn das Grundkonzept sieht auch vor, einen 73 Meter hohen, schlanken Turm an der Kreuzung Lothringerstraße/Johannesgasse in die Höhe wachsen zu lassen. Vassilakou räumt bereits ein, dass die UNESCO nicht glücklich damit sei, deshalb sei dieser Aspekt noch „Gegenstand von Erörterungen“. Tojner beziffert die Gesamtinvestitionen mit 200 bis 300 Mio. Euro.

Visualisierung Heumarkt Verkleinerung
Isay Weinfeld/Sebastian Murr
Die Höhe des Wohnturms wurde von 73 auf 66 Meter reduziert

Mai 2013: Namhafte Architekten fürchten um das Stadtbild und äußern Kritik am Verfahren. Sie fordern einen Stopp der Weiterplanung.

Februar 2014: Der Entwurf des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld wird zum Siegerprojekt gekürt. Dieses hält am 73-Meter-Turm fest, in dem Luxuswohnungen entstehen sollen - mehr dazu in Eislaufverein: Hochhaus geplant.

April 2014: Erste Debatten über die Höhe des Neubaus entstehen. Investor Tojner reagiert entschlossen. „Einen Kompromiss werde ich nicht bauen“, stellt er klar.

Mai 2016: Vassilakou legt die Heumarkt-Pläne auf Eis und verordnet dem Projekt eine „Nachdenkpause“. Denn das Hochhaus sorge für Bedenken unter Experten, argumentiert sie - mehr dazu in Stadt stoppt Heumarkt-Hochhaus.

Juli 2016: Die UNESCO verwarnt Österreich trotz Projektstopps offiziell und spricht von einer Gefahr für den Welterbestatus der Innenstadt. Der Vertragsstaat Österreich wird aufgefordert, „das Projekt so zu überarbeiten, dass Höhe, Maßstab und Design an die Umgebung angepasst und die visuellen Auswirkungen reduziert werden“ - mehr dazu in Eislaufverein: UNESCO fürchtet um Weltkulturerbe.

Dezember 2016: Die Stadt und der Investor präsentieren die überarbeiteten Pläne für das Grundstück. Im Zentrum steht die Reduktion des umstrittenen Turms auf 66 Meter. Der Baubeginn wird mit frühestens 2019 festgelegt. Ein Ende der Debatte bedeutet das keinesfalls. Die UNESCO stellt noch am selben Tag klar, dass die Anpassungen zu wenig weit gehen und nach wie vor das Welterbe-Aus droht. Gefordert wird weiterhin eine maximale Bauhöhe von 43 Metern - mehr dazu in Heumarkt: UNESCO droht Wien erneut.

Februar 2017: Denkmalschützer, Künstler und der UNESCO-Beirat ICOMOS mobilisieren medial gegen das Projekt. Auch das Bezirksparlament Innere Stadt spricht sich fraktionsübergreifend gegen das Vorhaben aus. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) bekennt sich indes zu den Plänen und zeigt sich optimistisch, dass noch ein Kompromiss mit der UNESCO gefunden werden kann. Gleichzeitig macht er klar, dass es „auch um den Umgang mit Investoren in dieser Stadt“ gehe. Die Grünen verweisen auf den Nutzen für den Eislaufverein sowie die Öffentlichkeit. Die Wertinvest hält am Baubeginn 2019 fest und rechnet weiterhin damit, „dass das Projekt, so wie es ist, realisiert wird“.

11. März 2017: In etwa 100 Gegner demonstrieren gegen das Heumarkt-Projekt.

20. März 2017: Rund 600 Stellungnahmen zählt die Stadt im laufenden Flächenwidmungsverfahren. Im Vergleich zu anderen Bauvorhaben hat es somit ungewöhnlich viele Äußerungen gegeben - mehr dazu in Heumarkt-Projekt: 600 Stellungnahmen.

24. März 2017: Die Wiener Grünen teilen überraschend mit, dass es eine Urabstimmung über das Projekt unter allen Parteimitgliedern geben wird. Sie wurde von grünen Heumarkt-Kritikern rund um City-Klubchef Alexander Hirschenhauser und dem grünen Kultursprecher im Nationalrat, Wolfgang Zinggl, erzwungen. Sie wollen das Weltkulturerbe nicht gefährdet wissen und kritisieren gleichzeitig, dem Investor zu hörig zu sein. Die Befragung erfolgt schriftlich in einem Zeitraum von vier Wochen - mehr dazu in Heumarkt: Debatte spaltet Wiens Grüne.

21. April 2017: Das Ergebnis der Urabstimmung fällt überraschend, wenn auch knapp, gegen das Projekt aus. Damit geraten Vassilakou und die Parteispitze arg in Bedrängnis. Denn die Gegner sehen sich in ihrer Forderung bestätigt, das Vorhaben zurück an den Start zu schicken - mehr dazu in Grüne lehnen Heumarkt-Projekt ab.

24. April 2017: Die Wiener Grünen beraten bei einer Krisensitzung über das weitere Vorgehen. Im Vorfeld stellt die Wertinvest klar, dass die in den vergangenen Jahren getroffenen Vereinbarungen nicht zur Debatte stünden - mehr dazu in Heumarkt: Krisensitzung bei Grünen. Beschlüsse gibt es bei der Krisensitzung nicht.

25. April 2017: Planungsstadträtin Vassilakou delegiert die Entscheidung über den Heumarkt, die grünen Gemeinderäte sollen nun entscheiden. Die Opposition kündigt an, dagegen zu stimmen.

3. Mai 2017: Die rot-grüne Koalition bringt im Gemeinderat einen Antrag ein, der weitere Hochhäuser in der Innenstadt und rundherum verbietet - mehr dazu in Rot-Grün: Keine Hochhäuser mehr in City.

4. Mai 2017: In einer Sondersitzung des Gemeinderats wurde über das Projekt und den Sinn und Unsinn des Weltkulturerbes diskutiert.

10. Mai 2017: Im zuständigen Gemeinderatsausschuss wird die Flächenwidmung für das Großprojekt mit den Stimmen von Rot-Grün abgesegnet - mehr dazu in Heumarkt: Flächenwidmung abgesegnet.

29. Mai 2017: UNESCO Österreich erneuert die Drohung in Sachen Wiener Weltkulturerbe. Sollte die Stadt nicht mehr von den Plänen abrücken, werde Wien im Juli auf die „Rote Liste“ gesetzt werden - mehr dazu in Heumarkt: UNESCO erneuert Drohung.

1. Juni 2017: Der Wiener Gemeinderat segnet das Projekt ab. Mit einer Mehrheit von 51 zu 46 Stimmen stimmten die Mandatare für das Projekt - mehr dazu in Heumarkt-Projekt im Gemeinderat beschlossen.

6. Juli 2017: Die UNESCO setzt das historische Zentrum Wiens auf die Rote Liste der bedrohten Kulturgüter. Damit könnte Wien den Weltkulturerbestatus binnen Jahresfrist verlieren - sollte die Stadt den Kurs beim Heumarkt-Hochhaus nicht ändern - mehr dazu in UNESCO setzt Wien auf Rote Liste (news.ORF.at). Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) bedauerte die Entscheidung, sie wolle „falsche Infos“ korrigieren - mehr dazu in Rote Liste der UNESCO: Vassilakou will nachhaken.

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