Urban Gardening: Bedarf höher als Angebot

Nachbarschaftsgärten, Baumpatenschaften, Selbsterntegärten – der Kreativität für städtische Gartenprojekte sind keine Grenzen gesetzt. Die Möglichkeiten zum Urban Gardening sind auch in Wien beliebt, aber rar.

Wer als Wiener nicht mit einem Balkon oder gar einer Terrasse gesegnet ist, kann als Hobbygärtner in zahlreichen Stadtgartenprojekten mitwirken. Ein Beispiel sind Nachbarschaftsgärten: Dafür schließen sich Bewohnergruppen zusammen, die brachliegende Grünflächen bepflanzen und übers Jahr gemeinsam bewirtschaften.

Drei Jahre Wartezeit

Dabei steht auch das Zusammenkommen der verschiedenen Generationen und Kulturen im Fokus. Die Anzahl der Nachbarschaftsgärten hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt: Gab es im März 2014 etwa 30 dieser Projekte, so kann man mittlerweile an die 80 finden. Trotz wachsender Zahlen sei das Interesse größer als das Angebot, so Petra Engelmann von der Gebietsbetreuung Stadtentwicklung.

Gartenparzellen
MA 49 / Lammerhuber
Nachbarschaftsgärten boomen

Bei der Anmeldung brauchen Interessierte deshalb entweder Glück oder Geduld: Die Plätze werden verlost oder über eine Liste vergeben, mit einer Wartezeit von bis zu drei Jahren. Einige der Gärten sind Projekte der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, viele wurden über die Jahre aber auch von Privatpersonen ins Leben gerufen.

Biobauern stellen Parzellen zur Verfügung

Anpflanzen in kleinerem Rahmen, dafür direkt vor der Haustür kann man bei kostenlosen Baumpatenschaften: Bei „Garteln ums Eck“ hat man die Möglichkeit, sich als Pate eine Baumscheibe, also die Grünfläche um einen Straßenbaum, zu sichern und selbst zu gestalten. Auch dieses Angebot ist stark nachgefragt: Seit dem Start 2008 wurden bereits 570 solcher Patenschaften beantragt.

Liegestuhl in Innenhof
Alex Halada / PID
Kleine Oasen der Ruhe in der Stadt

Ein weiteres Gartenprojekt sind Selbsterntegärten: In sechs Wiener Landwirtschaftsbetrieben stellen Biobauern Bewohnern einzelne Pachtparzellen zwischen 20 und 80 Quadratmeter zur Verfügung. Die Jahrespacht beträgt je nach Größe und Standort zwischen etwa 100 und 300 Euro. Im Frühjahr sät der Landwirt aus, über den Sommer kümmern sich die Pächter um das Feld und ernten dann den Ertrag. Jedem Gärtner steht es frei, Pflanzen zu ergänzen – auf den Feldern seien bisweilen 50 verschiedene Kulturen zu finden, so Regine Bruno, Koordinatorin der Selbsterntegärten.

Raritäten aus dem „Naschgarten“

Für alle, die nicht so viel Zeit aufwenden können, aber trotzdem in den Genuss eines Gartens kommen wollen, gibt es im Donaufeld in Floridsdorf Wiens ersten „Naschgarten“. Auf 2.000 Quadratmetern hat die Stadt gemeinsam mit dem Magistrat für Landwirtschaftsbetriebe etwa 80 Obstbäume und Beerensträucher gepflanzt.

Um den Kindern die Vielfalt der Natur aufzuzeigen, wurden bewusst auch seltenere Früchte gesetzt: Neben Klassikern wie Apfel und Birne finden sich Raritäten wie die Dirndl und die Filzkirsche. Der „Naschgarten“ steht allen Besuchern offen - ob zur Mithilfe, zur Ernte oder nur zum Besuch.

Urban Gardening in Klagenfurt

Urban Gardening ist auch in anderen Städten ein Thema, zum Beispiel in Klagenfurt. Dort gibt es seit 2013 einen großen Gemeinschaftsgarten im Stadtteil Waidmannsdorf unter der Leitung der Pfarre St. Josef. In Fischl entsteht nun das erste städtische Urban-Gardening-Projekt für die Bewohner einer Siedlung - mehr dazu in Urban Gardening hält in Klagenfurt Einzug (kaernten.ORF.at; 24.4.2017)

Auch wer in der Stadt Gemüse zieht, braucht dazu Erde. In Kübeln und Töpfen lassen sich auch auf wenig Raum viele Pflanzen anbauen, vorausgesetzt, die Erde passt. Baumärkte und Gartencenter bieten derzeit eine große Auswahl an Blumenerden an, doch die Qualitätsunterschiede sind groß. Wie Hobbygärtner die richtige Erde finden – mehr dazu in Große Qualitätsunterschiede bei Blumenerde (help.ORF.at; 18.3.2017).

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